Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Erfahrungen der Familie Steinhauer aus Lauterecken

Helmut Steinhauer (rechts) und sein Sohn Christian (2. v. rechts) tauschen sich regelmäßig mit Beratern und Berufskollegen aus.
Helmut Steinhauer (rechts) und sein Sohn Christian (2. v. rechts) tauschen sich regelmäßig mit Beratern und Berufskollegen aus.
Immer mehr Betriebe entscheiden sich, die Biogasproduktion als zusätzlichen Wirtschaftszweig in den Betrieb zu integrieren, was besonders in der Startphase nicht immer ganz einfach ist. Rolf Weyhrauch besuchte die Familie Steinhauer auf Hof Veldenz in Lauterecken (Westpfalz).

Der Betrieb der Familie Steinhauer ist etwa 300 ha groß, davon werden 260 ha als Ackerland bewirtschaftet. Im Betrieb arbeiten Helmut Steinhauer, Sohn Christian und Tochter Isabell Steinhauer-Theis. Der Betrieb, der als Ackerbaubetrieb mit Bullenmast betrieben wurde, konnte auf Dauer drei Familien kein ausreichendes Einkommen mehr sichern, so dass man sich vor gut sechs Jahren zur Umstellung entschloss: Die Bullenmast wurde zurückgefahren und die Schweinemast auf 1200 Plätze ausgebaut. Die Anregung für die Biogaserzeugung als zusätzlichen Betriebszweig kam von Tochter Isabell, die diese Idee von einer Energiemesse mitbrachte.

Man fand einen kompetenten Partner zur Anlagenplanung und die baulichen Genehmigungen wurden durch unbürokratisches Arbeiten der Behörden zügig erteilt. Im ersten Abschnitt wurde 2002 eine Anlage mit einer Leistung von 180 kW errichtet, die im Baukastensystem erweitert werden kann. Ein zweites Modul von 180 kW ist seit Dezember 2005 in Betrieb.

Bildquelle: Weyhrauch
Bildquelle: Weyhrauch
Arbeitsverteilung, Auslastung und kontinuierliche Gülleausbringung
„Das Wichtigste ist eine ausgeglichene Arbeitsverteilung, die durchgehende Auslastung der Anlage und eine kontinuierliche Gülleausbringung“, beschreibt Helmut Steinhauer die Situation. Man experimentierte mit verschiedenen Substraten, bevor die Anlage „rund“ lief, allerdings sind die Experimente noch nicht abgeschlossen. Wichtigstes Koferment ist der Silomais. Um Arbeitsspitzen bei Aussaat und Ernte zu entzerren, die anfallende Biogasgülle optimal zu verwerten und die Fruchtfolgen aufzulockern, nahm man weitere, teilweise bislang im Betrieb noch nicht bekannte Kulturen in den Anbau.

Auf 10 ha steht Winterroggen, auf 40 ha Wintergerste, die als Ganzpflanzen-Silage in der beginnenden Teigreife (ca. 20.-25.Juni) geerntet und siliert werden. Danach wird die entgaste Gülle ausgebracht und anschließend Sudangras ausgesät. Versuchsweise stehen auch Zuckerhirse und ein Mais-Sonnenblumengemisch im Anbau. „Wir nehmen die Sonnenblumen mit in den Anbau zum Mais, um die Qualität der Methanausbeute zu verbessern“, erläutert Helmut Steinhauer. „Von Sonnenblumen in Reinsaat haben wir wieder Abstand genommen, da der Ertrag und die Gasausbeute/ha zu gering waren und die Sonnenblumen technische Probleme bei der Silierung machten.“

Der Mais wird mit 10-12 Körnern, je nach Sorte, in Breitsaat mit einer Amazone-Getreidedrillmaschine ausgesät. Im Anbau befinden sich u.a. als Hauptsorten ATENDO, der sich in diesem Jahr in der Region als sehr kälteresistent erwies und die Kälteperiode im Mai gut überstanden hat. Weiterhin steht die neue Biogassorte SUBITO im Feld. Gute Erfahrungen hinsichtlich der Erträge und Ertragsstabilität hat man auch mit MAGISTER gemacht. Hinzu kommt bei dieser Sorte ein optimales Preis-Leistungsverhältnis. Der Mais erhält 20 m3 Biogasgülle und wird auf insgesamt 180 kg N mit Mineraldünger aufgedüngt.

Wintergerste wird in der Produktionstechnik wie zur Körnererzeugung gefahren, da über die Verwertung je nach Bedarf entschieden wird. Die Sortenentscheidung fiel auf MERLOT, weil sie als längere, mittelspäte Sorte hohe Biomasseerträge bringt. Diese werden über eine ausgezeichnete Standfestigkeit und gute Blattgesundheit abgesichert. Für Getreide-GPS gilt als wichtigste Maßnahme die Vermeidung von Lager. Nur stehendes und gesundes Getreide ergibt ein einwandfrei sauberes Siliergut.

Die Aussaat des Sudangrases erfolgt erst, wenn die Frühjahrskälte abgeklungen ist und keine Spätfröste mehr zu erwarten sind. Die Ausaatstärke liegt bei 20-25kg/ha. Die Unkrautbekämpfung ist wegen des langsamen Wachstums im Jugendstadium und der damit verbundenen geringen Unkrautunterdrückung allerdings noch unbefriedigend.

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe produzieren auch Biogas. Bildquelle: agrar-press
Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe produzieren auch Biogas. Bildquelle: agrar-press
Fazit nach der Testphase
All diese „Experimente“ des Betriebes lassen für den Hof Veldenz folgenden Schluss zu: In dieser Region ist Mais für den Betrieb die wirtschaftlichste Kultur zur Produktion von Biogas. Das Verhältnis von Produktionskosten auf dem Feld und Biogaserträgen/ha ist bei Mais das Beste. Jedoch ist Mais als alleinige Frucht nicht realisierbar, deshalb werden GPS aus Roggen und Gerste ebenfalls als Substrat eingesetzt.

Der Anbau weiterer Kulturen erfolgt in erster Linie wegen der Entzerrung von Arbeitsspitzen in der Produktion und in der Nutzung der anfallenden Biogasgülle. „Wir mussten nicht nur bei den Substraten ordentlich rumexperimentieren, sondern haben auch etliche Verbesserungen und Veränderungen an der Anlage durchgeführt, bevor sie wirtschaftlich lief.“ Heute ist Helmut Steinhauer zufrieden, aber „mal eben so nebenbei macht man das nicht. Unsere Biogasanlage ist nach nicht immer einfacher Anlaufphase hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, jetzt ein vollwertiger Betriebszweig.“

Rolf Weyhrauch

Stand: 01.07.2006