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Aktuelle Ausgabe 02/2024

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Einfluss der Witterung durch Düngung minimieren - Gezielte Düngung sichert Braugerstenqualität!

Die Ansprüche an die Braugerstenqualitäten sind hoch und je nach Witterung oft sehr schwer zu erreichen. Umso wichtiger ist es, die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Qualitätssicherung vollständig zu nutzen. Mit einer wohl durchdachten Bestandesführung kann der Einfluss der Witterung auf die Qualität deutlich reduziert werden.

Die Sortenwahl ist in den im Braugerstenanbau üblichen Vertragskonditionen meist vorgegeben. Das genetische Potenzial der neuen Hochleistungssorten, z.B. Belana und Marthe, lässt höhere Erträge bei geringeren Proteingehalten sicherer erreichen.

Neben der Genetik einer Sorte entscheidet aber ihr Anbau maßgeblich über Erfolg und Misserfolg. Die Standortgegebenheiten schränken bei Bodenbearbeitung und Aussaattermin den Handlungsspielraum zwar stark ein, aber über eine ausgefeilte Düngungsstrategie hat man die Möglichkeit, die Qualität der Gerste gezielt zu beeinflussen.

Mit dem pH-Wert die Nährstoffverfügbarkeit regulieren
Kalkt man den Boden auf, muss man berücksichtigen, dass ein veränderter pH-Wert ganz wesentlich die Verfügbarkeit einzelner Nährstoffe beeinflusst.

Bei Anhebung des pH-Wertes durch Kalkung steigt die Verfügbarkeit von N, P, K, Mg, S, Ca, B und Mo und gleichzeitig sinkt die Verfügbarkeit von Mn, Cu, Zn und Fe.

Phosphor im Frühjahr?
Spricht man von Braugerstendüngung wird immer zunächst einmal der Stickstoff und seine Auswirkung auf den Proteingehalt genannt. Dabei wird die Bedeutung der anderen Hauptnährstoffe oft nicht ausreichend berücksichtigt.

Phosphor ist einer der wenigen Nährstoffe, die nicht oder kaum mit dem Massenfluss wandern, daher ist hier besonders auf eine gründliche Einarbeitung zu achten. Phospat kann von der Pflanze in der Rhizosphäre nur im Umfeld von wenigen Millimetern über die Wurzel aufgenommen werden. Er ist zur Bildung eines breit angelegten Wurzelsystems und der Kornausbildung der Pflanze einer der wichtigsten Nährstoffe.
Da Braugerste in der Jugendphase das meiste Phosphor aufnimmt, sollte auf den zur Fixierung neigenden Verwitterungsstandorten eine Frühjahrsgabe vor der Saat erfolgen. Eine solche Frühjahrsgabe erhöht nachweislich die hl-Gewichte, die Vollgerstenanteile und die Stabilität der Pflanzen.

Abb. 2: Nährstoffe und ihre wesentliche Bedeutung für Boden und die Qualität des Ernteproduktes Braugetreide
Abb. 2: Nährstoffe und ihre wesentliche Bedeutung für Boden und die Qualität des Ernteproduktes Braugetreide
Schwefel stabilisiert Ertragsaufbau
Schwefeldüngung wird vor allem im Rapsanbau immer wieder thematisiert. Aber auch Braugerstenbestände reagieren bei einer Schwefelunterversorgung positiv auf eine Düngung: Sie danken eine ausreichende Schwefelversorgung mit höheren Bestandesdichten, einer verbesserten Einkörnung und erhöhter Krankheitsresistenz (s. auch praxisnah 2/2006). Der dadurch höhere Ertragsaufbau und die Absicherung des Stickstoffumbaus in der Pflanze tragen zu stabileren niedrigeren Proteingehalten bei.

Magnesium und Schwefel ab dem Entwicklungsstadium 35 erhöhen die Proteinwerte tendenziell und deswegen sollten diese Nährstoffe zur Saat oder mit der Herbizidbehandlung ausgebracht werden.

Dass eine ausreichende Kaliversorgung die Feinheit der Spelze sowie den Spelzenschluss fördert, ist bekannt und sollte mit berücksichtigt werden.

Bildquelle: Hans Koch
Bildquelle: Hans Koch
Im Grundsätzlichen müssen wir uns im Klaren sein, dass wir das System Boden und nicht allein die Pflanze düngen. Daraus ergibt sich vor allem bei Kulturen mit schwächer ausgeprägten Nährstoffaneignungsvermögen wie der Braugerste eine zeitlich vorgelagerte (vor der Aussaat) und ausreichend einmischende Düngung. Als Dünger mit „Breitenwirkung“ bieten sich die guten „alten“ Thomasdünger mit CaO, P, K, S, Mg und zahlreichen Spurnährstoffen an. So wird die Grundlage für sichere und stabile Braugerstenqualitäten im Vorfeld geschaffen und die Witterung hat dann einen deutlich geringeren Einfluss auf den Anbau.

Fachberater Hans Koch

Stand: 01.10.2006