Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Im Jahr 2004 legte der HARVEST Pool bei der Maschinenverbund-Bewirtschaftungsgesellschaft mbH (MVB) Fahrenwalde (Geschäftsführer Dr. Jürgen Ohls und Bahne Hanssen) eine große Versuchsfläche mit 3 Sorten an, die abwechselnd konstant (nach betriebsüblicher Einschätzung) oder mit dem YARA N-Sensor gedüngt wurde. Bewusst wurden sehr unterschiedliche Sorten – Hybnos, TOMMI, QUALIBO – gewählt, um zu sehen, wie sich die differenzierte N-Düngung auf die Homogenisierung und die Druschfähigkeit auswirkt.

HYBNOS reagiert sehr positiv auf differenzierte Bestandesführung

Bunkerproben zur Kornqualität werden direkt an der Förderschnecke gezogen.
Bunkerproben zur Kornqualität werden direkt an der Förderschnecke gezogen.
HYBNOS ist eine Hybridsorte, die sehr innovativ angegangen werden muss und die sehr intensiv auf bestandsführende Maßnahmen anspricht. Auf die differenzierte N-Düngung reagierte diese Sorte mit der höchsten Ertragssteigerung um ca. 5 %.

Auch im Druschverhalten zeigte sich, dass sich bestandsführende Maßnahmen viel entscheidender auf die Mähdrescherleistung auswirken als bei anderen Sorten. So ließ sich beim 1. Erntetermin, den die Praktiker mit 16 % Kornfeuchte und guten Strohverhältnissen als optimal einschätzten, HYBNOS am besten in der sensorgedüngten Variante ernten. Die Durchsätze mit dem John Deere STS lagen bei über 7 t/h bei geringen Verlusten. Eine Woche später ließ sich dann auch die konstant gedüngte Variante ähnlich gut ernten.

Warum brachte die Sensorgedüngte Variante bessere Ergebnisse?

Die Druschfähigkeit der Bestände ist ein wichtiger Leistungs-/Energie- und Kostenfaktor.
Die Druschfähigkeit der Bestände ist ein wichtiger Leistungs-/Energie- und Kostenfaktor.
HYBNOS wird dünn gesät und bestockt sich fast doppelt so stark. Er ist deshalb im Aufwuchs heterogener als andere Sorten. Das kommt der differenzierten N-Düngung entgegen, die ja einen Homogenisierungseffekt bewirkt. In der konstanten Düngevariante bleibt die Heterogenität mehr oder weniger erhalten, während in der Sensorvariante die Ähren unterer Ordnung noch „hochgezogen“ wurden und bis zum Erntetermin besser ausreifen konnten. Dies führte dann zu einer verbesserten Druschfähigkeit zum 1. Erntetermin von etwa 40 % Mehrleistung. Von anderer Seite betrachtet bedeutet dies, das der differenziert gedüngte Bestand etwa 5 Tage eher gedroschen werden konnte, ein unschätzbarer Zeitvorteil. Das Fazit für HYBNOS: Diese Sorte sollte nicht nur in Richtung Ertrag und Qualität, sondern auch mit Blick auf die Mähdruschleistung innovativ geführt werden.

Guter Harvest-Index bei TOMMI

Neue Sorten im Versuch.
Neue Sorten im Versuch.
TOMMI ist eine Sorte, die sich mit stabil hohen Erträgen schnell als Marktführer etabliert hat. Sie ist bei weitem nicht so differenziert zu führen wie HYBNOS. Die differenzierte N-Düngung sprach auch bei TOMMI mit einer Ertragssteigerung gegenüber der konstant gedüngten Variante mit 2,5 % an und brachte Erträge um 100 dt/ha. Als mittelkurzer Ährentyp ist er sehr standfest und zeichnet sich mit seinem guten HARVEST-Index durch eine hervorragende Druschfähigkeit aus. Einen optimalen Erntetermin zu finden ist einfacher als beim HYBNOS, denn TOMMI ist imAufwuchs weniger heterogen und sehr stroharm. Auch reift er in der konstant gedüngten Variante relativ gleichmäßig ab. Deshalb greift der Effekt des Hochziehens der Ähren unterer Ordnung nicht so stark.

Sortenunterschiede beim Kraftstoffverbrauch

Über 2000 Einzelproben müssen ausgewertet werden.
Über 2000 Einzelproben müssen ausgewertet werden.
Betrachtet man sich alle drei Sorten in der konstant gedüngten Variante, so fällt die große „Laufruhe“ im Druschverhalten bei TOMMI ins Auge. Diese Druscheignung setzt neue Standards. Besonders beim Einsatz hochleistungsfähiger Mähdrescher können so Erntekosten spürbar gesenkt werden. Jede Tonne Leistungsverlust beim Mähdrescher, bedingt durch Sorten, Lager, ungünstige Bestandesbedingungen u.a., müssen mit mindestens 10 €/h veranschlagt werden.

Aber auch die Frage, welche Vorteile bestandsführende Maßnahmen hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs beim Drusch bringen, wird zukünftig an Bedeutung gewinnen. Im Versuch wurde deshalb der Kraftstoffverbrauch gemessen.

Über 2000 Einzelproben müssen ausgewertet werden.
Über 2000 Einzelproben müssen ausgewertet werden.
Am Beispiel HYBNOS waren die Unterschiede sehr deutlich. Zum 1. Erntetermin ließ sich die sensorbehandelte Variante mit ca. 17 % weniger Kraftstoffverbrauch ernten gegenüber der konstant gedüngten Variante. Das lag an den Ähren unterer Ordnung, die noch nicht abgereift waren. Eine Woche später sinkt der Kraftstoffverbrauch in beiden Varianten, weil die natürliche Abreife auch die der Ähren unterer Ordnung erfasst hat. Bei Lager stieg der Kraftstoffverbrauch bis um 45 %. Interessant war auch die Feststellung, dass Leerfahrten nur unwesentlich weniger verbrauchen als der Drusch. Auf 100 m verbraucht ein Hochleistungsmähdrescher etwa 1€. Diese Erkenntnisse müssen in die Abfuhrlogistik einfließen.

Energie ist die Währung der Zukunft! Deshalb ist es wichtig, den Drusch schneller, energieärmer und damit kostengünstiger zu organisieren. Dazu wird der HARVEST Pool seinen Beitrag leisten, Innovationen aufgreifen und neue Technologien testen, um den Landwirten zu mehr Wertschöpfung zu verhelfen.

Andrea Feiffer, feiffer consult, Telefon: 03632 757000

Stand: 01.04.2005