Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Sorten für höchste Wertschöpfung bzw. Gewinnmaximierung zu "kreiren" - das ist die große Herausforderung für den Züchter. Seine Aufgabe besteht darin, eine Vielzahl von Einzelmerkmalen in einer Sorte genetisch so zu fixieren, dass sie in der "Gesamtheit" ihrer Eigenschaften eine Verbesserung darstellt.

Abb. 1: Wertbestimmende Eigenschaften von Winterweizen
Abb. 1: Wertbestimmende Eigenschaften von Winterweizen
Über den Wert einer Sorte entscheidet letztendlich der Anbauer und seine teilweise recht spezifischen Interessen. Aus diesen Bedürfnissen ergeben sich die zahlreichen „wertbestimmenden Eigenschaften“ von Winterweizen (Abb.1), die in der Züchtung, bei der amtlichen Prüfung, im Anbau der Sorten und bei der Verarbeitung des Erntegutes zu beachten sind.

Abb. 2: Kornertrag der 2004 und 2005 zugelassenen Winterweizensorten
Abb. 2: Kornertrag der 2004 und 2005 zugelassenen Winterweizensorten
Erträge müssen stimmen
Der Züchtungsfortschritt zeigt sich gerade auch im ständig steigenden Ertragsniveau, so auch bei den in 2004 und 2005 zugelassenen Sorten (Abb.2). Die Kornerträge, die die Sorten in den jeweils dreijährigen amtlichen Prüfserien erzielten, wurden auf die gleichen Bezugssorten umgerechnet (Bussard, BATIS, Drifter). Der Kornertrag der Neuzulassungen lag zwischen 106 und 115%. Erreichte der Futterweizen HERMANN (Zulassung 2004) mit 113% den höchsten Wert, so wurde dieser schon von der A-Sorte TUAREG (Zulassung 2005) auf 115% verbessert. Diese A-Sorte kann ertraglich also auch mit den ertragreichsten zugelassenen B- und C-Sorten konkurrieren.

Wegen der agronomischen Anforderungen (Mähdruscheignung, Strohmanagement) werden auch zunehmend die eher kürzeren und standfesten Sorten nachgefragt, die sich gut führen lassen. TOMMI und TUAREG besitzen auch diese Eigenschaften.

Optimierte Fungizidstrategien möglich

Abb. 3: Vergleich verbreiteter A-Sorten sowie der ertragsreichsten Sorten
Abb. 3: Vergleich verbreiteter A-Sorten sowie der ertragsreichsten Sorten
Höchste Ertragserwartung bei gleichzeitig sicherer Stresstoleranz – das sind weitere Sorteneigeneigenschaften, auf die der Weizenanbauer sich auch unter schwierigsten Bedingungen verlassen können muss. Diese Eigenschaften sind in starkem Maße z.B. in unseren Hybridweizensorten HYBRED und HYBNOS1 kombiniert. Umfangreiche praktische Anbauerfahrungen belegen das. Gute Resistenz gehört ebenfalls zwingend zu einer Hochleistungssorte. In Abb.3 wurden die verbreiteten A-Sorten CUBUS und TOMMI sowie die aktuellen (A-/B-/C-) Höchstertragssorten zusammengestellt. Bezüglich der Fußkrankheit Pseudocercosporella verfügen TOMMI, HYBRED und HERMANN über die besten amtlichen Einstufungen. Für die wichtigsten Blattkrankheiten haben wir einen Mittelwert gebildet. Danach hat TUAREG die beste Blattgesundheit, gefolgt von TOMMI, ANTHUS und HERMANN. Die Feldresistenz von TOMMI, die sich besonders in der Begrenzung oder in der verhinderten Ausbreitung von Anfangssymptomen zeigt, hat sich in den letzten Jahren immer wieder bewährt. Obwohl genetisch von TOMMI verschieden, verspricht auch TUAREG breite Feldresistenzen gegen Blattkrankheiten, u.a. gegen Blattseptoria. Damit hat TUAREG beste Voraussetzungen für eine optimierte Fungizidstrategie.

Und was ist mit DON?

Abb. 4: DON-Gehalte in produktionstechnischen Versuchen 2004
Abb. 4: DON-Gehalte in produktionstechnischen Versuchen 2004
In Ährenfusarium liegen HERMANN, HYBRED und TOMMI vorn (Abb. 3). Die Einstufung von TUAREG mit der Note 6 in Ährenfusarium wird eher als Makel angesehen, obwohl auch diesbezüglich eine Verbesserung gegenüber der Sorte RITMO (Note 7) vorliegt. Es besteht jedoch kein amtlicher Grenzwert für die zu erreichende Fusariumeinstufung, jedoch ein Grenzwert für den DON-Gehalt in Nahrungsmitteln. Fusarium ist daher hinsichtlich des eventuellen DON-Gehaltes zu bewerten. Dazu wurden im Jahr 2004 an acht Standorten im Bundesgebiet Versuche durchgeführt (Abb.4). Das Leittoxin DON wurde mit ELISA analysiert und diese Werte mit der HPLC-Methode überprüft. Die angegeben DON-Werte haben eine hohe Präzision (Abb. 4). In den Versuchsvarianten ohne Fusariumprophylaxe (Stufe 1 und 4) traten nur am Standort Irlbach, der für seinen extrem hohen Fusariumdruck bekannt ist, kritische DON-Werte auf. An allen anderen Orten lagen diese weit unterhalb möglicher Grenzwerte (Grenzwert laut EU-Vorschlag 1500 µg DON/kg Weizen ab Hof).

Abb. 4: Produktionstechnische Versuche 2004: Sorte TUAREG
Abb. 4: Produktionstechnische Versuche 2004: Sorte TUAREG
Ein weiterer Versuch befasste sich mit dem Einfluss der Behandlungen auf den Kornertrag und den DON-Gehalt. Die sieben Behandlungsstufen (Abb. 5) zeigen deutliche Effekte. In den Stufen 5 und 6 (mit Fusariumprophylaxe) wird - im Vergleich mit der extensiven Stufe 1 – ein starker Ertragszuwachs (um 36%) und zugleich eine deutliche Reduzierung des DON-Gehaltes (auf 73% bzw. 44%) erzielt.

Diese und weitere Experimente werden dazu dienen, dem Landwirt fundierte Anbauempfehlungen für die Sorte TUAREG zu geben, damit deren einmalig gute Kombination von Ertrag, Qualität und Blattgesundheit in eine hohe Wertschöpfung auf dem Acker umgesetzt werden kann.

Dr. Ralf Schachschneider, Nordsaat Saatzucht GmbH, Böhnshausen, Telefon: 03941 669-112

Stand: 01.04.2005