Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Mit AKRATOS und ALITIS hat die Saatzucht Strube1) gleich zwei hochinteressante A-Weizen am Start - AKRATOS war gleich im ersten LSV-Jahr 2004 Bundessieger im Ertrag! Hintergrund der sehr hohen Leistungsfähigkeit und Ertragstabilität dieser Sorte ist u.a. auch ihr hoher Gesundheitswert. sprach mit dem Weizenzüchter Dr. Andreas Spanakakis über seine Zielsetzungen in der Resistenzzüchtung.

Dr. Andreas Spanakakis, Weizenzüchter bei der Saatzucht Strube
Dr. Andreas Spanakakis, Weizenzüchter bei der Saatzucht Strube
Erhebliche Anteile ihres Züchtungsbudgets fließen in die Resistenzzüchtung, Herr Dr. Spanakakis! Sind Ihre Sorten immer noch nicht gesund genug?
In der Weizenzüchtung geht es nach wie vor um Steigerung der Erträge. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Resistenzzüchtung, die Sorte gegen den Angriff einer Vielzahl von Erregern zu schützen und somit das hohe genetische Ertragspotenzial zusätzlich zu sichern. Der Weizen wird von einer Vielzahl pilzlicher Erreger im Fuß-, Blatt- und Ährenbereich bedroht und stellt somit die am stärksten gefährdete Fruchtart dar. Zum anderen haben veränderte Rahmenbedingungen in der Weizenproduktion, wie hohe Anteile von Weizen und Mais in der Fruchtfolge, frühere Saattermine, höhere Bestandesführungsintensität - um einige zu nennen - mit dazu beigetragen, das Gefährdungspotenzial zu erhöhen. Die laufende Verbesserung des Gesundheitswertes der Weizensorten bleibt deswegen der Schwerpunkt unserer Investitionsbereitschaft in der Weizenzüchtung. In der Sortenentwicklung des Hauses Strube sind derzeit Resistenzprogramme gegen neun verschiedene Krankheitserreger integriert, neue Programme gegen Ophiobolus und bodenbürtige Viren sind in Vorbereitung.

Anteil der Genetik und einzelner PS-Maßnahmen am Gesamtertrag
Anteil der Genetik und einzelner PS-Maßnahmen am Gesamtertrag
Aber mit Resistenz allein wird sich der Landwirt nicht zufrieden geben. Er muss schließlich Geld verdienen.
Genau aus diesem Grund ist es unser erklärtes Ziel, den Ertrag nachhaltig zu steigern und damit ausreichende Resistenzeigenschaften gegen alle relevanten Krankheiten in eine Sorte zu kombinieren sowie die Dauerhaftigkeit der Resistenz zu verbessern. Dass dabei die Qualität auch stimmen muss, ist klar. Nur dann kann die SAATEN-UNION gesunde Sorten auch erfolgreich vermarkten! Die gesunde Sorte muss Ertrag, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit gewährleisten. Eine subventionsbedürftige Sortenresistenz bringt die Landwirtschaft nicht weiter. Dass dieses Ziel bei konsequenter Durchführung und entsprechender Investitionsbereitschaft erreichbar ist, haben wir in der Vergangenheit mehrfach mit Sorten wie BATIS und PEGASSOS und aktuell mit EPHOROS, AKRATOS, ALITIS bewiesen: Diese Sorten stehen für breiten Gesundheitswert, erfüllen hohe Stabilitätsstandards und verfügen in Verbindung mit einer vermarktungsfähigen B/A-Backqualität über ein hohes, anspruchsvolles Leistungspotenzial.

Was bringt dieses „anspruchsvolle Leistungspotenzial“ dem Praktiker? Sind anfällige Sorten nicht von Natur aus ertragreicher?
Wenn wir von wirtschaftlicher Ertragsleistung sprechen, mit Sicherheit nicht. Ein gutes Beispiel ist die Sorte EPHOROS. Sie belegte Spitzenplätze in den LSV sowohl 2003 als auch 2004, also in zwei extremen Jahren. In unseren Spritzfolgenversuchen erzielte sie vierjährig, von 2001 bis 2004, über 92 % ihres Ertragspotenzials ohne Fungizidmaßnahmen. Der Vorteil für die Praxis: eine unübertroffene Wirtschaftlichkeit bei deutlich reduzierten Fungizidmaßnahmen. Und es kommt schließlich auf die wirtschaftliche Umsetzung des sortenspezifischen Ertragspotenzials an. Sehr schön konnte man dies im Septoriajahr 2004 demonstrieren: Blattseptoria hat dieses Jahr in unseren Intensitätsversuchen entscheidend die Ertragsrelationen bestimmt: Anfällige Sorten fielen ertraglich ab, selbst bei intensivem Fungizideinsatz erreichten sie kostenkorrigiert nicht das Niveau gesunder Sorten. Ertragsstärkste A-Sorte sowohl in der unbehandelten wie in der behandelten Stufe war die Neuzulassung AKRATOS. Die ebenfalls neue Qualitätssorte ALITIS dagegen überzeugte wie zahlreiche weitere Sorten nur bei rechtzeitiger Septoriabehandlung. Auch dieses Jahr bestätigt also: Gesundheit kostet nicht Ertrag, Gesundheit bringt Ertrag!

EPHOROS-Stammbaum.
EPHOROS-Stammbaum.
Sie sprechen von einer rechtzeitigen Septoriabehandlung, aber das wird mit dem aktuellen Fungizidspektrum doch immer schwieriger!
Gerade die Problematik, die Sie ansprechen, nämlich die zunehmende Resistenz von Blattseptoria gegen Fungizide, unterstreicht die Bedeutung einer breit abgesicherten Sortengesundheit. Unter befallsprovozierenden Bedingungen wie Weizen nach Weizen, frühe Saattermine u.ä. kann man die derzeit schwächere Wirkung von bestimmten fungiziden Wirkstoffen nur mit geeigneten Sorten auffangen. Sorten, die eine ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen Blattseptoria aufweisen, wie z.B. AKRATOS, EPHOROS u.a. So können höhere Erträge wirkungsvoll abgesichert werden. Auch lassen fusariumtolerante Sorten ein deutlich verringertes Toxinrisiko erwarten und sind somit in Verbindung mit qualitätsbewusstem Produktionsmanagement unverzichtbar für die Bereitstellung eines gesunden Rohstoffes.

Es geht also nicht darum, allein Pflanzenschutzkosten zu sparen. Es ist viel mehr erforderlich, Synergieeffekte zwischen fungiziden Wirkstoffen und genetischer Sortenresistenz effektiv zu nutzen, um überhaupt eine nachhaltige Weizenproduktion zu gewährleisten.

Gibt es eine Änderung Ihrer Argumentation? Sie diskutieren gesunde Sorten heute intensiver im Hinblick auf High Input?
Die Frage nach der „richtigen“ Bestandesführungsintensität ist nur standortangepasst und betriebsorientiert vom Betriebsleiter selbst zu beantworten. Ohne Zweifel beeinflusst aber die Sortengesundheit maßgeblich die effiziente Verwertung des Stickstoffangebotes. Eine gesunde Sorte erweitert die Spielräume der Düngungsintensität. Zeitige Saattermine und eine verbesserte Stickstoffverwertung setzen Sorten mit einem gesunden Assimilationsapparat voraus. Und zwar um so mehr, je intensiver das gesamte Produktionssystem ausgelegt ist. Diesbezüglich ist jedoch nicht zu übersehen, dass überhöhte Stickstoffintensitäten in engen Weizen-/Mais-Fruchtfolgen die Sortenresistenz überfordern können. Ebenfalls mache ich mir große Sorgen über die zunehmend früheren Saattermine, die sich zu einer extremen Belastung der Sortengesundheit entwickeln.

Was erwarten Sie konkret, Herr Dr. Spanakakis?
Wir sollten lernen, mit dem vielfältigen Angebot gesunder Sorten vernünftig umzugehen Das betrifft phytopathologische und pflanzenbauliche genauso wie die vermarktungsrelevanten Aspekte. Die effektive Nutzung der Sortengesundheit in der Praxis ist aus meiner Sicht verbesserungsbedürftig. Deshalb wird es Aufgabe aller beteiligten Kreise sein - Versuchswesen, Beratung und Verwertung - darauf hinzuwirken, die Sortenresistenz effektiv in den Produktionsprozess einzubinden und entsprechende Impulse zu vermitteln.

Das Gespräch führte Sven Böse.

1) Der SAATEN-UNIONs-Gesellschafter Saatzucht Strube züchtet seit mehr als 125 Jahren landwirtschaftliche Nutzpflanzen und ist heute eines der erfolgreichsten privaten Züchterhäuser Europas.

Stand: 01.04.2005