Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Bei der Sortenwahl zur Herbstaussaat 2005 stehen Ertrag und Sicherheit vorne an! Der Landwirt trägt immer mehr Verantwortung, deshalb wird sein Handlungsspielraum zunehmend eingeschränkt - erinnert sei nur an das angedrohte „Reduktionsprogramm“. Gleichzeitig soll er sein Einkommen verstärkt über den Markt erwirtschaften, dieser wird jedoch vor dem Hintergrund enormer Ertrags- und Preisschwankungen schlechterdings unkalkulierbar.

Die SAATEN-UNION hat auf ihren Winterforen 950 Teilnehmer danach befragt, wie sie auf die Veränderung der Märkte, des Klimas und der Agrarpolitik reagieren werden. Das Ergebnis im Mittel über 14 Veranstaltungen:

  • 57 % der Befragten werden sich „vorrangig auf die Stabilisierung der Erträge und die Kostensenkung konzentrieren“.
  • 34 % der Landwirte streben noch höhere Erträge an und nutzten dafür "alle verfügbaren pflanzenbaulichen Möglichkeiten".
  • 9 % der Befragten schließlich sehen für sich "keine Möglichkeit eines rentablen Marktfruchtanbaus" mehr.

Klares Ergebnis: Was Landwirte jetzt am meisten brauchen, ist mehr Sicherheit bei geringeren Kosten. Das gilt in erster Linie für Anbauregionen mit begrenztem Ertragspotenzial im Osten und Süden (Abb. 1).

In Nordwestdeutschland setzen Praktiker hingegen auf weiter steigende Erträge. Dort haben die Witterungsunbilden der Jahre 2002 und 2003 weniger geschmerzt und Rekordernten wie 2004 sind nah der Veredelungsregionen und Häfen problemloser zu vermarkten.

Wie viel Sorten sind genug?
Mehr Sicherheit und mehr Ertrag und geringere Kosten gibt es allerdings nicht in einer Sorte! Sonst gäbe es nicht 150 eingetragene Weizensorten in Deutschland. Inklusive 46 EU-Sorten wird von etwa 140 Sorten Zertifiziertes Saatgut produziert! Jede Sorte wurde gezielt selektiert, jede versprach bei Zulassung eine verbesserte Merkmalskombination, jede Aussaat steht für die Erwartung eines hohen Gewinns.

Abb. 1: Besuchervoting Forum SAATEN-UNION
Abb. 1: Besuchervoting Forum SAATEN-UNION
Doch wie viel Sorten braucht das naturräumlich vielgestaltige Deutschland? Bei Roggen, Triticale oder Gerste reichen offensichtlich wenige Sorten. Beim anspruchsvolleren Weizen deckt die größte Sorte TOMMI gerade 9,5 % der Vermehrungsfläche ab, die zehn führenden Sorten nur die Hälfte des Anbaus und immerhin 70 Sorten erreichen mehr als 100 ha Vermehrungsfläche. Denn „die beste Sorte“ gibt immer nur für eine ganz spezifische Situation. Genau diese existiert in der Praxis jedoch nicht. Die Böden werden innerbetrieblich durch Zupacht heterogener, die Bestelltermine ziehen sich auseinander, das Wetter ist nicht vorherzusehen und das Krankheitsgeschehen auch nicht. Gefragt ist deshalb ein optimales Sortenportfolio für die konkrete Betriebssituation. Denn Ziel des Weizenanbaus ist die Maximierung des Profits bei höchstmöglicher Sicherheit. Deshalb ist es bei der Sortenwahl wie bei der Kapitalanlage sinnvoll, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern für das gleiche Ziel unterschiedliche Strategien einzuspannen.

Zwar bestellt fast jeder Landwirt seine Weizenfläche mit mehreren Sorten. Trotzdem ist das „Sortendepot“ häufig nicht ausreichend diversifiziert, weil alle Sorten mehr oder weniger dem Lieblingstyp des Betriebsleiters entsprechen. Sorten mit gleichem Wuchstyp, gleicher Ertragsstruktur, gleichen Resistenzgenen, gleichem Qualitätsverhalten bringen jedoch nicht mehr Sicherheit auf den Acker. Besser ist es, das angestrebte Produktionsziel mit möglichst unterschiedlicher Genetik anzusteuern.

Tab. 1: Anbaueignung von A-Winterweizensorten
Tab. 1: Anbaueignung von A-Winterweizensorten
Sorten mit pflanzenbaulichem „Passereffekt“
Beispielsweise soll in einer ertragreichen Marktfruchtregion A-Weizen produziert werden, weil dieser dort Ertrag und Qualität am lohnendsten kombiniert. Tab. 1 gibt einen Überblick über die aktuellsten A-Weizen der SAATEN-UNION - ohne die Neuzulassungen 2005. Von Interesse sind insbesondere die Schwerpunktsorten TOMMI und AKRATOS. Beide Sorten erreichen das gleiche Ziel – A-Qualität bei hoher Ertragsleistung - aber beide auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

  • TOMMI ist ein ausgeprägter Einzelährentyp mit sehr langer Wachstumszeit, resultierend aus einer sehr kurzen Vegetationsruhe und mittelspäter Reife. Die Sortenkreuzung aus ASTRON und HAVEN bringt von der Halbzwergseite ein gewaltiges Ertragspotenzial und ausgezeichnete Stroheigenschaften mit, die Resistenzen und die Qualitätseigenschaften sind gegenüber früheren Sorten dieses Typs deutlich verbessert.
  • Bei AKRATOS hingegen, dem A-Ertragssieger 2004, stand züchterisch die perfekte Adaption auch an raue Klimalagen, schwächere Böden, kurze Vegetationszeiten und Standorte mit hohem Fusariumdruck im Vordergrund. Die Sorte ist mittellang, früher reif und besitzt eine sehr ausgeglichene Ertragsstruktur mit Betonung einer sehr vollen Kornausbildung.

Die Frage ist nun nicht, ob TOMMI oder AKRATOS für die Aussaat 2005 die bessere Sorte ist. Beide zusammen – die bisher führende A-Sorte und der Ertragssieger 2004 – bringen den vollen Ertrag bei hoher Sicherheit – man achte nur auf das komplementäre Eignungsprofil in Tab. 1. Das ist nur ein Beispiel. Je nach Standort können auch andere Sortenkombinationen sinnvoll sein. Auf schwierigen Standorten wären das etwa die Weizenhybriden, als früher Stoppelweizen NOAH oder bei Spätsaaten die WeW®-Wechselweizen.

Standort und Anbaustrategie bestimmen die Sortenwahl
Standort und Anbaustrategie bestimmen die Sortenwahl
Sortvielfalt wird wichtiger
Mehr Ertrag und Sicherheit bei geringeren Kosten gibt es also nur mit Sortenvielfalt. Mit der Auswahl von Sorten unterschiedlicher Genetik und sich ergänzenden Merkmalsprofilen. Dies ist umso wichtiger, als die Fruchtfolgen immer enger werden, Weizen also auch auf leichten Böden oder als Rapsvorfrucht eingesetzt wird. Deshalb gibt es in der SAATEN-UNION für die großen Getreidearten jeweils mehrere, unabhängige Zuchtprogramme, die um die besten Lösungen ringen. In dieser -Ausgabe berichten drei der vier Weizenzüchter in der SAATEN-UNION über ihre Arbeit. Unterschiedliche Züchterpersönlichkeiten mit unterschiedlichen Kreuzungs- und Selektionsprogrammen, jedoch gleichem Ziel: Starke Sorten, die auch bei schwachen Preisen überzeugen.

Sven Böse, Telefon 0511 72666-251

Stand: 01.04.2005