Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Soll die Produktionstechnik auf das Notwendigste reduziert werden, um angesicht der knappen Erlössituation jeden Cent zu sparen? Oder muss sich die Anbauintensität jetzt erst recht auf Höchsterträge einschießen? Wie auch immer, für die richtige Entscheidung muss der Landwirt das Intensitätsverhalten seiner Weizensorte kennen. Die Inputversuche liefern dem Praktiker ein effektives Hilsmittel zur Sortenbeurteilung.

Wie reagiert die Sorte auf die Behandlungen?

Bildquelle: SAATEN-UNION
Bildquelle: SAATEN-UNION
Bei den Inputversuchen geht es um das optimale Zusammenspiel von Genetik und Behandlungsintensität um dem Anbauer kostspielige Eigenexperimente zu ersparen. Als Bezugsbasis für Prognosen müssen die Ergebnisse der Vorjahre im Kontext mit den Jahreseffekten und den aktuellen Preis/Kosten-Relationen diskutiert werden. Für die Berechnung des intensitätskorrigierten Geldrohertrags werden aktuelle Dünger- und Mittelkosten sowie 5 €/ha Durchfahrtskosten kalkuliert. Ausgehend von 10 €/dt Erlös für A-Qualität wurden für E-, B- und C-Qualitäten jeweils 0,50 €/dt Preisdifferenz berechnet, der Mehraufwand für die Hybriden mit 60 €/ha.

Abb. 1: Jahreseffekte der Inputvarianten auf den Kornertrag im Mittel aller Standorte und Sorten
Abb. 1: Jahreseffekte der Inputvarianten auf den Kornertrag im Mittel aller Standorte und Sorten
Ertragsvergleiche zwischen den Sorten sind aus den Ergebnissen nicht abzuleiten, hierfür sind mehrortige LSV aus der Region besser geeignet. Aus den Ergebnissen lässt sich die Reaktion der jeweiligen Sorte auf die Behandlungen erkennen. Die Relativerträge der vier Intensitäten werden daher in den Abbildungen 1 – 6 für jede Sorte und jedes Jahr gesondert ermittelt. Um von den Relativwerten des „korrigierten Geldrohertrages“ auf Eurobeträge schließen zu können, muss der Wert für 100 % festgelegt werden: Dieser lag im Mittel über alle Jahre, Sorten und Behandlungen bei knapp 700 €. Steigt also bei einer Behandlung der Geldrohertrag um 5 %, so ist der Vorteil mit 35 € zu kalkulieren.


So werden die Versuche durchgeführt
Die Inputversuche stehen bundesweit verteilt auf Prüfstandorten der SAATEN-UNION und Projektpartnern. Die Organisation und Verrechnung erfolgt durch die Versuchsstation Grünseiboldsdorf.

Die Inputvarianten 1 – 4 decken mit 120 bis 285 €/ha Aufwand für Stickstoff, Wachstumsregler und Fungizide einen sehr weiten Intensitätsbereich ab, die Mittelwahl- und Aufwandmengen werden ortspezifisch angepasst:
Stufe 1 zeigt die „nackte Sortenleistung“ bei einem Düngungsniveau von ca. 180 kg N/ha - ohne Fungizid- und Wachstumsregler-Einsatz.
Stufe 2 untersucht die Auswirkung einer einmaligen Fungizid/WR-Behandlung in EC 39 – 49 bei geringer Düngungsintensität (180 kg N/ha)
Stufe 3 macht den Effekt einer um 40 kg erhöhten N-Düngung im Schossstadium deutlich.
Stufe 4 analysiert den Nutzen einer zweiten, frühen Fungizidbehandlung um EC 32


Abb. 2: 2001: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 9 Standorten
Abb. 2: 2001: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 9 Standorten
2001: Viel bringt viel
Dem warmen Herbst 2000 folgte eine Vegetationszeit ohne Witterungsextreme - günstige Wachstumsbedingungen für den Weizen und seine Parasiten. „Viel bringt viel“ war das Erfolgsrezept für eine Rekordernte über alle Standorte und Sorten. Um 21 dt/ha stieg der Ertrag von Stufe 1 bis Stufe 4. 4,70€/ha wurden bereits mit der ersten Fungizidmaßnahme verdient! Dabei gab es allerdings beträchtliche Sortenunterschiede: Ihre höchste genetische Basisleistung (Stufe 1) im kostenbereinigten Ertrag realisierten die Sorten BATIS und TOMMI, die Behandlungen 2 – 4 waren mit 1,5 – 2,0 % jedoch mehr als kostendeckend. Anders die weniger gesunden Sorten Bandit, MAVERICK, Drifter und
HYBNOS 1, die Intensitätsmaßnahmen mit 12 – 16 % kostenbereinigtem Mehrerlös dankten.

Abb. 3: 2002: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 7 Standorten
Abb. 3: 2002: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 7 Standorten
2002: Spätes Fungizid entscheidet
Durch die Frühjahrsnässe war die Wurzelentwicklung in den Versuchen stark beeinträchtigt, die Hitzeperioden im Mai und Juni richteten deshalb großen Schaden an. Vielerorts wurde die Kornausbildung zusätzlich durch extremes Lager und hohen Fusariumbefall nach einem nassen, lichtarmen Juli begrenzt. Hoch wirtschaftlich war im Mittel aller Sorten nur die Vorährenbehandlung in EC 49, diese erhöhte den Ertrag um 9 dt/ha, kostenkorrigiert blieben im Sortenmittel 30 €/ha Mehrerlös! Bei Tommi war eine zweite Fungizidmaßnahme in Verbindung mit der erhöhten Schosserdüngung wirtschaftlich, beim sehr ährengesunden Resistenztyp BATIS wäre hingegen sogar der volle Fungizidverzicht wirtschaftlich gewesen. Ausgesprochen dankbar für die Ährenbehandlung war die anfälligere Sorte BANDIT, die Vergleichssorte Drifter reagierte am stärksten auf die zusätzliche Blattbehandlung.

Abb. 4: 2003: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 6 Standorten
Abb. 4: 2003: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 6 Standorten
2003: Nachher ist man immer schlauer!
Staunässe im Herbst, Eiseskälte im Winter und Dauerdürre von Februar bis Juni, die zweite Katastrophenernte hintereinander! Nicht einmal die Ährenbehandlung war mit 4 dt/ha Mehrertrag im Mittel der Sorten und Standorte voll kostendeckend. Weitere Maßnahmen belasteten das Nettoergebnis mit 40 €/ha - selbst bei weniger gesunden Sorten. Die höhere Schossdüngung verringerte sogar über alle Sorten und Standorte geringfügig den Kornertrag, lediglich die frühe Kurzstrohsorte Bandit erreichte hierbei knapp Kostendeckung.

Abb. 5: 2004: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 5 Standorten
Abb. 5: 2004: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 5 Standorten
2004: Sorteneffekte im Hochertragsbereich
Dem kühlen Oktober 2003 folgten sehr wüchsige Bedingungen bis zum April. Die darauf folgende kühl-trockene Witterung bot beste Voraussetzungen für hohe Bestandesdichten und gleichzeitig hohe Einzelährenerträge. Das Krankheitsauftreten war vergleichsweise gering, trotzdem bewirkte jede der beiden Fungizidmaßnahmen im Sorten- und Standortmittel einen Mehrertrag von 5 – 6 dt/ha, die höhere Schossergabe immerhin 3 dt/ha. Auch hier sind die Sorten jedoch nicht über einen Kamm zu scheren! Die sehr gesunden Sorten EPHOROS und AKRATOS benötigten ebenso wie die 2005er Neuzulassung TORRILD keine Unterstützung durch Fungizide und Zusatzstickstoff, sie erreichten ihre Rekordernte auch ohne Mehraufwand. Die späteren Sorten HYBRED und TUAREG profitierten mehr von der Ährenbehandlung. Bei der septoriaanfälligen Sorte ALITIS fällt der höhere Effekt der frühen Blattbehandlung auf, das gleiche gilt für die DTR-anfälligere E-Sorte QUEBON. Letztere ist genauso wie die Sorte TOMMI zu sehr hohen Proteinleistungen fähig und reagiert unter Hochertragsbedingungen etwas positiver auf die höhere N-Gabe in Stufe 3.

Abb. 6: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 5 Standorten
Abb. 6: Spezifischer Geldrohertrag (rel.) ausgewählter Sorten auf 5 Standorten
2005: Eine Behandlung muss sein!
Ausgedehnte Trockenphasen im Herbst, ausgangs Winter und im Juni ließen 2005 eher dünne Bestände heranwachsen. Der extrem trockene Juni verhinderte dann die Kompensation über ein hohes TKM. Fungizidmaßnahmen brachten aufgrund der feuchten Maiwitterung 7 (St. 2) bzw. 12 dt/ha (St. 4) mehr, die höhere N-Düngung war hingegen aufgrund der begrenzten Kornausbildung nicht ertragswirksam. Sortenreaktionen auf Fungizidmaßnahmen sind offensichtlich. Die rundum gesunden Sorten AKRATOS, NOAH und SKAGEN erreichten schon allein mit der Basisdüngung ihren größten Nutzen. Alle Sorten mit weniger ausgeprägter Septoriaresistenz lohnten dagegen eindeutig die Spätbehandlung, die zusätzliche frühe Behandlung war in den überwiegend dünnen Beständen jedoch bei keiner Sorte wirtschaftlich, eher schon die höhere N-Düngung.

Was folgt aus den Ergebnissen für 2006?
Natürlich können Standortmittelwerte aus zurückliegenden Jahren nicht 1:1 auf das Jahr 2006 übertragen werden, hier zählt die konkrete Praxissituationen vor Ort. Trotzdem machen die Ergebnisse Mut zu einem intensiven Weizenanbau mit vertretbaren Kosten. Der Standort mit seinem Ertragspotenzial und typischem Krankheitsdruck ist bekannt, auf das Jahr gilt es flexibel zu reagieren und die Sortenergebnisse zeigen doch bemerkenswerte Optimalkonstellationen!

  • So kam die führende Sorte TOMMI bei Pflug und Blattvorfrucht in allen fünf Jahren mit einer einmaligen Fungizidmaßnahme aus, 2004 sogar bei erhöhter N-Düngung! Das gleiche gilt (mehrjährig) für die Resistenztypen EPHOROS und AKRATOS sowie (einjährig) auch für die Neuzulassung TORRILD.
  • Anders sieht es aus bei Sorten mit lediglich mittlerer Septoriaresistenz aus, hierzu gehören die Hybridsorten HYBRED und HYBNOS1 sowie ALITIS. Diese reagieren sehr positiv auf die ein- oder sogar zweimalige Fungizidbehandlung, zumal Blattseptoria nur bei rechtzeitigem Fungizideinsatz wirkungsvoll verhindert werden kann.
  • Sorten mit Resistenzschwächen im Ährenbereich, z.B. TUAREG und QUEBON, empfehlen eine völlig andere Fungizidstrategie: Hier ist die Spätbehandlung mit einem Azol erst in EC 63 - 65 durchzuführen, so dass trotz ausgezeichneter Blattgesundheit ebenfalls eine Frühbehandlung zum Schossbeginn in den meisten Fällen unverzichtbar ist.

Sind die Ergebnisse auf Stoppelweizen übertragbar?
Wer die Gesundheit einer Sorte anbautechnisch fördert, kann sie auch fordern. Er kann Behandlungen einsparen und erreicht eine höhere Anbau- und Qualitätssicherheit. Wo Resistenzen allerdings durch sehr frühe Saattermine, reduzierte Bodenbearbeitung oder hochintensive N-Düngung „verbraucht“ werden, benötigen auch gesunde Sorten einen intensiveren Pflanzenschutz. Für diesen Beitrag wurden ausschließlich Versuche mit „gesunden“ Anbauverfahren - Blattvorfrucht, normaler Saatzeit und wendender Bodenbearbeitung - zusammengefasst. Ein weiterer Beitrag in der praxisnah wird die Erfahrungen mit Stoppelweizen und pfluglosen Anbauverfahren schildern.

Sven Böse

Stand: 01.01.2006