Aktuelle Ausgabe 02/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Steigende Energiepreise belasten die Wirtschaftlichkeit der Körnermaisproduktion. Einzelbetrieblich sollten daher alternative Produktionsverfahren ohne teure Trocknung wie Feuchtkonservierung, CCM oder die Verwertung als Biogassubstrat überprüft werden.

Bildquelle: SAATEN-UNION
Bildquelle: SAATEN-UNION
Ist die Entscheidung jetzt zugunsten des Körnermaisanbaus – zu dem es of keine Alternativen gibt - gefallen, müssen beim Anbau alle Maßnahmen zur Senkung der Trocknungskosten ergriffen werden. Anhand der Ergebnisse aus produktionstechnischen Versuchen, welche die SAATEN-UNION jährlich durchführt, beleuchtet Martin Munz nachfolgend die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

1. Mehr Erntefeuchte fordert mehr Ertrag

Neu überdacht werden sollte, welche Reife die anzubauende Sorte haben sollte. Dabei kann man sich an der Faustformel 1 % Erntefeuchte = 1 dt/ha Ertrag orientieren. Beispiel: Wird mit einer früheren Sorte eine Erntefeuchte von 30 % erreicht, darf diese gegenüber einer späteren, die z.B. mit 35 % geerntet wird, bei gleicher Wirtschaftlichkeit einen um 5 dt/ha geringeren Ertrag bringen.

Abb. 1: AVIATOR - im Wassergehalt eher mittelfrüh
Abb. 1: AVIATOR - im Wassergehalt eher mittelfrüh
Zu beachten ist allerdings, dass die Reifezahlen der Maissorten nicht immer den zu erwartenden Wassergehalt wiedergeben. Besonders die Sorten, die im Trockenjahr 2003 in den EU- und Wertprüfungen standen, sind nicht immer richtig eingestuft worden. Bei den hier vorliegenden geringen Erntefeuchten haben Zahnmaistypen durch ihre nach der physiologischen Reife zügigere Wasserabgabe eher zu frühe und Hartmaistypen zu späte Reifezahlen erhalten. Beispiel: Die Neuzulassung AVIATOR wurde zwar mit K 260 eingestuft, liegt im Wassergehalt jedoch auf dem Niveau der mittelfrühen Sorten (Abb. 1).

Tab. 1: Ackerbauliche Maßnahmen und ihre Bedeutung auf Kornertrag und Wassergehalt beim Körnermais
Tab. 1: Ackerbauliche Maßnahmen und ihre Bedeutung auf Kornertrag und Wassergehalt beim Körnermais
2. Frühe Saatzeit – geringere Wassergehalte

Den größten Einfluss auf die Erntefeuchte hat die Saatzeit und damit die zur Verfügung stehende Wärmesumme. Je nach Standort und Jahr sind durch die Wahl früher Saattermine zwischen 1% und über 5 % geringere Wassergehalte erzielt worden (Abb. 2).

Alle Maßnahmen der Bodenbearbeitung, die eine rechtzeitige Aussaat und einen zügigen Start begünstigen, sind daher zu optimieren. Hierzu gehören z.B. das Abschleppen der Winterfurche und der Einsatz einer Unterfußdüngung gerade auf schweren, kälteren Böden. Die Sortenreaktion auf die Saatzeit ist unterschiedlich (als besonders spätsaatverträglich erwies sich von den dreijährig geprüften Sorten ANJOU 219). Am Standort Moosburg hat im Jahr 2005 eine um 2 Wochen spätere Aussaat je nach Sorte einen Minderertrag zwischen 3,7 und 15,2 dt/ha gebracht.

3. Sortenerträge reagieren auf Bestandesdichte

Abb. 2: Frühe Saatzeit verringert die Erntefeuchte von Körnermais
Abb. 2: Frühe Saatzeit verringert die Erntefeuchte von Körnermais
Über den positiven Einfluss der Bestandesdichte auf den Kornertrag auf guten Standorten haben wir in früheren Ausgaben der praxisnah berichtet. Er hat sich auch in diesem niederschlagsreichen Jahr bestätigt.

Abb. 3 zeigt, dass ANJOU 219 und AVENTURA stärker auf die höhere Pflanzenzahl reagieren als AVIATOR. Der Wassergehalt ist kaum angestiegen. Eine Auswertung auf 3 Standorten im Mittel der Jahre 2003 – 2005 unterstreicht die Feststellung, dass der Einfluss der Bestandesdichte auf den Ertrag höher ist als auf die Erntefeuchte.

4. Mit dem Erntetermin kaum Reduzierungen der Feuchte möglich

Abb. 3: Mehrerträge durch höhere Bestandesdichten
Abb. 3: Mehrerträge durch höhere Bestandesdichten
Sind Wassergehalte um die 30 % erreicht, ist mit späteren Ernteterminen kaum noch eine weitere Reduzierung möglich. 3-jährige Ergebnisse vom Standort Moosburg verminderten im Mittel mehrerer Sorten bei 2 - 4 Wochen späteren Ernteterminen den Wassergehalt gerade mal um 1%, wobei das Hitzejahr 2003 mit 2,5 % noch den höchsten Wert brachte. Die Praxis zeigt, dass Erntefeuchten deutlich unter 30 % nur mit Zahnmaistypen in klimatisch besten Lagen zu erreichen sind. Auch steigt mit späten Ernteterminen das Risiko an Ertragsverlusten und des Befalls mit Mykotoxinen. Es stehen also einige wirkungsvolle „Schrauben“ zur Verfügung, mit denen im Körnermaisanbau an den Trocknungskosten gedreht werden kann.

Martin Munz

Stand: 28.01.2011