Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Sortenwahl und Produktionstechnik müssen sich konsequent am Nutzungsziel von Silomais orientieren – nur so kann man das betriebliche Optimum erreichen. Wie dies aussehen kann, beschreibt im nachfolgenden Beitrag Franz Unterforsthuber.
 

Beispiel für eine Sorte mit hoher Zellwandverdaulichkeit und hohem Stärkegehalt ist GOLDOSSE. Bildquelle: SAATEN-UNION
Beispiel für eine Sorte mit hoher Zellwandverdaulichkeit und hohem Stärkegehalt ist GOLDOSSE. Bildquelle: SAATEN-UNION
Wer Silomais produziert, tut dies in der Regel, weil....

  • ...er stärkereichen Silomais für einen Bullenmastbetrieb oder einen Milchviehbetrieb mit geringen Maisanteilen in der Ration benötigt.
  • ...er hochverdaulichen Silomais für seinen Milchviehbetrieb mit maisbetonter Ration produzieren will oder wei
  • ...Biomasse mit massenwüchsigem Silomais für die Verwertung in Biogasanlagen erzeugt werden soll.

Die drei Nutzungsrichtungen stellen grundlegend unterschiedliche Qualitätsanforderungen an das Produkt. Daher muss die geplante Verwertung das entscheidende Kriterium bei der Sortenwahl sein.

Tab. 1: Vorteile der frühen Saat bei Ertrag und Qualität
Tab. 1: Vorteile der frühen Saat bei Ertrag und Qualität
Nur geeignete Sorten schaffen geforderte Qualitäten
Hohe Stärkegehalte: Sorten mit hohen Stärkegehalten, die für Bullenmast oder grasbetonte Milchviehrationen gefordert sind, neigen zu einer schnellen Abreife der Restpflanze, da die leicht löslichen Kohlenhydrate aus Blättern und Stängel verstärkt in die Körner wandern und in Form von Stärke abgelagert werden.

Mit zunehmender Abreife jedoch leidet die Verdaulichkeit der Restpflanze und die Ernteflexibilität nimmt ab. Bei der bevorzugten Eigenschaft Stärkegehalt gilt es also Sorten zu wählen, bei denen die negative Beziehung Stärke/Verdaulichkeit Restpflanze weniger deutlich ausgeprägt ist. Gute Beispiele sind hier Sorten wie RAVENNA oder TANGO bzw. im mittelfrühen Reifebereich GOLDOSSE, mit hohem Stärkegehalt und gleichzeitig sehr guter Zellwandverdaulichkeit.

Hohe Verdaulichkeit: Die Stärke in Maissilagen wird im Pansen ähnlich schnell abgebaut wie bei Getreide und ist somit nicht mit getrocknetem Körnermais zu vergleichen (Thomas Engelhard, LfL Sachsen-Anhalt). Bei hohem Maisanteil in der Ration können daher Probleme durch Pansenacidose entstehen. Aus diesem Grund sollten Betriebe mit hohen Maisanteilen (ca. 65 %) in der Ration zu hohe Stärkegehalte vermeiden. Das Augenmerk bei der Sortenwahl ist hier mehr auf Energiedichte über eine gute Restpflanzenverdaulichkeit und natürlich auf den Energieertrag zu legen (z.B. AVENTURA, ATFIELDS, APOSTROF).

Abb. 1: Auf späte Saattermine reagiert Mais mit längerem Wuchs und stärkerem Lager. Bildquelle: SAATEN-UNION
Abb. 1: Auf späte Saattermine reagiert Mais mit längerem Wuchs und stärkerem Lager. Bildquelle: SAATEN-UNION
Massenwüchsigkeit: Die Biomasseproduktion mit Mais gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die zunächst häufig angebauten sehr späten Typen erfüllten aufgrund ihrer schwachen Jugendentwicklung und überwiegend ungenügenden Kolbenausreife (Ausnahme: sehr günstige Lagen) die Erwartungen meist nicht. Der Biomasse-Idealtyp ist daher eine Sorte mit guter Jugendentwicklung, lang grünbleibender Restpflanze und sicherer Kolbenausreife: Ein Typ, wie ihn ATENDO S 270 optimal verkörpert.

Angepasste Produktionstechnik – maximale Leistungsfähigkeit
Durch gezielte Produktionstechnik – wie Bodenstruktur, Bodenbearbeitung, ausgeglichene Nährstoffversorgung, gleichmäßige Saatgutablage - muss das Ertrags- und Qualitätspotenzial der Sorten gemäß ihrer Verwertungsrichtung bestmöglichst ausgeschöpft werden. Weitere ganz wesentliche Punkte sind aber auch Saatzeit und Bestandesdichte.

Abb. 2: Bestandesdichten - Stärkegehalt
Abb. 2: Bestandesdichten - Stärkegehalt
Saatzeit: Die schwächere Kolbenausbildung und den höheren Kolbenansatz später gedrillter Saaten sieht man oft erst auf den zweiten Blick, auffallender ist da schon der längere Wuchs und die damit verbundene stärkere Lagerneigung (siehe auch Abb.1). Wie die Tab. 1 zeigt, hat eine schwächere Kolbenausbildung niedrigere Stärkewerte und eine geringere Energiedichte zur Folge. Man sollte also Spätsaaten unbedingt vermeiden oder mindestens die Bestandesdichten reduzieren.

Bestandesdichte: Grundsätzlich werden zwei in ihrer Reaktion auf die Bestandesdichte sehr unterschiedliche Kolbentypen unterschieden.
Sogenannte „Fix-Kolben-Typen“ (z.B. AVENTURA S240) reagieren in der Kolbenausbildung kaum auf die Bestandesdichte, so dass Stärkegehalt und -ertrag mit zunehmender Pflanzenzahl sogar leicht steigen (s. Abb. 2). Die Energiedichte geht vermutlich wegen einer schwächeren Verdaulichkeit der Restpflanze leicht zurück.

AVENTURA: Fix-Kolben, Bildquelle: SAATEN-UNION
AVENTURA: Fix-Kolben, Bildquelle: SAATEN-UNION
Anders ist dies bei den „Flex-Typen“. Die Kolbenausbildung reagiert stark auf die Bestandesdichte, so dass die Stärkegehalte mit steigender Pflanzenzahl zurückgehen bzw. bei sinkender Pflanzenzahl ansteigen. Die empfohlenen Bestandesdichten liegen daher bei nur 7 – 8 Pfl./m2. GOLDOSSE entspricht zwar eher dem Flex-Typ, liegt aber absolut gesehen auch bei höheren Bestandesdichten mit den Stärkegehalten auf hohem Niveau.

Bei ausreichender Wasserversorgung bringen höhere Bestandesdichten unabhängig vom Sortentyp höhere Gesamttrockenmasseerträge. Mit 1 – 2 Pflanzen mehr sind Ertragseffekte von 10 % realisierbar. Für die Produktion von Biomasse ist es oft besser, die Bestandesdichte zu erhöhen als Sorten mit unsicherer Ausreife anzubauen, wobei die Grenzen durch die Standfestigkeit der Sorten gesetzt werden.

Stand: 01.01.2006