Aktuelle Ausgabe 04/2018

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In Deutschland herrscht in der Regel Unterversorgung an qualitativ hochwertiger Brauware (Abb. 1). Die Gründe dafür sind vielfältig: Die knappe Preisspanne zwischen Wintergetreide- und Sommerbraugerste setzt die Landwirte unter den enormen Druck, höchste Erträge produzieren zu müssen, um die Deckungsbeiträge von Wintergerste oder Winterweizen zu erreichen. Dabei darf natürlich die Qualität darunter nicht leiden.

Höchsterträge und beste Qualitäten: hohe Anforderungen an die neuen Sorten

Abb. 1: Braugerstenbedarf- und Produktion in Deutschland von 1995 bis 2005
Abb. 1: Braugerstenbedarf- und Produktion in Deutschland von 1995 bis 2005
Die Pflanzenzüchtung hat in den letzten Jahren sehr viel getan, um sowohl den Wünschen der Landwirte als auch den Wünschen der Mälzer und Brauer gerecht zu werden.
Die Sorten der neuen Sommerbraugerstengeneration, angeführt von der Sorten Marthe Belana, sind Hochleistungsprodukte, die ein Qualitätsniveau haben, das weit über die Erfordernisse der Mälzer und Brauer hinausgeht und zugleich auch für die Landwirte kaum mehr Wünsche offen lassen. Sie kombinieren beste Qualität mit Höchsterträgen.

Abb. 2: Ertragsvergleich zweizeilige Wintergerste zu Sommergerste
Abb. 2: Ertragsvergleich zweizeilige Wintergerste zu Sommergerste
Die Wintergerste steht deutlich länger auf dem Acker als die Sommergerste und hat daher mehr Zeit, ein größeres Wurzelwerk und mehr Biomasse zu bilden. Sie ist weniger anfällig gegen ungünstige Wetterbedingungen, da sie Kälte- und Trockenperioden im Frühjahr und im Sommer besser kompensieren kann. Infolgedessen erbringt die Wintergerste im Durchschnitt ca. 10–15dt/ha mehr Ertrag als die Sommergerste. Die Braugerstenproduktion beschränkt sich weitestgehend auf Süd- und Ostdeutschland und auf Beregnungsstandorte in Niedersachen. Aber selbst dort sind die Erträge bei der Wintergerste deutlich höher als bei der Sommergerste (Abb. 2).

An der Anbauwürdigkeit der Wintergerste zweifelt niemand mehr. Die Ertragssicherheit wurde durch die Einführung einer neuen Sortengeneration mit verbesserten Eigenschaften, wie Resistenz gegen den Gerstenmosaikvirus-Komplex und andere wichtige Krankheitserreger, Standfestigkeit, Winterfestigkeit und Kornqualität, deutlich erhöht. Konsequenterweise hat sich der Wintergerstenanbau dank dieser Erfolge der Pflanzenzüchtung in den letzten 20 Jahren bundesweit auf ca. 1,5 Mio. ha ausgedehnt.

Es gab immer schon Bestrebungen, die vorzüglichen Anbaueigenschaften der Wintergerste mit Brauqualität zu kombinieren. Die Zellwände im Malz müssen fast vollständig gelöst sein, damit Stärke und Eiweiß im Brauprozess bei der Bierherstellung optimal abgebaut und gelöst werden können. Die Futtergersten jedoch besitzen eine zu dicke Spelze und einen zu hohen Spelzenanteil, die eine einwandfreie Vermälzung verhindern. Somit sind herkömmliche Futtergersten als Braugerste nicht geeignet. Züchtungserfolge bei Winterbraugerste schaffen neue Perspektiven Die wichtigste Aufgabe der Züchter war folglich, die Kornform (Sortierung) und die Zellwandlösung in der Wintergerste zu verbessern.

Bildquelle: SAATEN-UNION
Bildquelle: SAATEN-UNION
Durch eine bauchige, runde Kornform erhöht sich der Mehlanteil im Korn. Vollgersteanteile von über 90 % sind ein wichtiges Qualitätskriterium, das die Lieferanten erfüllen müssen, damit ihre Ware überhaupt für eine Vermälzung angenommen wird. In der Abb. 3 ist der Vollgersteanteil der Sorten Malwinta (Winterbraugerste, Zulassung 2006) und Tiffany (Winterbraugerste, Zulassung 1996) in Abhängigkeit von der Korngröße (Tausendkornmasse – TKM) dargestellt. Der Zuchtfortschritt bei Malwinta ist enorm. Obwohl beide Sorten vom Bundessortenamt in die Ausprägungsstufe 7 = hoch eingestuft wurden, erbringt Malwinta im Durchschnitt 3% mehr Vollgerste und reagiert praktisch kaum auf die Korngröße, während Tiffany bei fallender Korngröße eindeutig weniger Vollgersteanteile bringt.

Abb. 3: Beziehung zwischen TKM und Vollgersteanteil der Sorten MALWINTA und Tiffany in der Wertprüfung 2003–2005
Abb. 3: Beziehung zwischen TKM und Vollgersteanteil der Sorten MALWINTA und Tiffany in der Wertprüfung 2003–2005
Auch die Brauqualität der Sorten wird vom Bundessortenamt in Ausprägungsstufen eingeteilt. Die Werte von 1 = sehr niedrig bis 9 = sehr hoch sind bei der Wintergerste und der Sommergerste nur bedingt vergleichbar. Denn die Einstufung erfolgt aufgrund der Ergebnisse der dreijährigen Wertprüfung, die bei der Sommergerste an die Anforderungen der Braugersten angepasst, während sie bei der Wintergerste futtergerstengerecht durchgeführt wird. Damit entspricht die Einstufung der Winterbraugersten nicht exakt der Leistungsfähigkeit der Sorten. Da die Züchter immer mehr Winterbraugerste für die Wertprüfung anmelden, wird ab Erntejahr 2006 eine sogenannte Braueignungsprüfung für diese Sorten parallel zur Wertprüfung angelegt, in der die Bestandesführung an die Anforderungen der Braugersten angepasst wird, um eine leistungsgerechtere Einstufung auch bei den Winterbraugersten zu erzielen.

Der Zuchtfortschritt bei den Winterbraugersten wird in der Abb. 4 deutlich. Hohe Friabilimeterwerte und eine geringe Viskosität deuten auf eine optimale Zellwandlösung hin.
Malwinta übertrifft in diesen Eigenschaften Tiffany und sogar Barke, eine der führenden Sommerbraugersten der letzten Jahre, deutlich.

Abb. 4: Zuchtfortschritt in der Brauqualität bei der Winterbraugerste
Abb. 4: Zuchtfortschritt in der Brauqualität bei der Winterbraugerste
Mit Malwinta gelang der Durchbruch in der Winterbraugerstenzüchtung: Diese Sorte verbindet optimale agronomische Eigenschaften mit einer hervorragenden Korn- und Brauqualität bei sehr hohen Erträgen. In den wichtigen Eigenschaften wie Friabilimeterwert, Viskosität und Würzefarbe ist sie sogar weit über dem bisher bekannten Niveau der Wintergerste auf Sommergerstenniveau angekommen.
Sie sichert damit nicht nur den Landwirten hohe Deckungsbeiträge, sondern liefert auch Mälzern und Brauern eine qualitativ hochwertige Brauware.

Winterbraugerste ist somit kein Kompromiss mehr, sondern zu einer echten Alternative zu Sommergerste geworden.

Dr. Lászlo Cselenyi

Stand: 01.04.2006