Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Schwefeldüngungsversuche zeigen, dass bei Ackerzahlen über 40 zurzeit nicht mit deutlichen Ertragszuwächsen zu rechnen ist. Wohingegen bei Ackerzahlen unter 40 tendenziell von einem zunehmenden Schwefelbedarf ausgegangen werden kann. Ist der Mangel mit dem bloßen Auge zu erkennen, ist bereits mit Ertragsverlusten zu rechnen. Eine Ausdehnung der Schwefeldüngung auf Winterweizen auf gefährdeten Standorten scheint besonders nach niederschlagsreicher Winterwitterung sinnvoll. 

Dabei sind in erster Linie industrieferne Regionen wie z.B. Ostwestfalen-Lippe betroffen, in denen der allgemein gesunkene Schwefeleintrag aus der Luft auf ein Niveau von unter 10 kg/ha S abgenommen hat. Mangel tritt vor allem auf leichteren Böden auf, in denen normalerweise das Wasserangebot den ertragsbegrenzenden Faktor darstellt. Diese Böden sind nicht zuletzt auf Grund der jahrelangen Gülledüngung, aber auch auf Grund eines guten Sortenangebotes für Winterweizen in bisher nicht für möglich gehaltene Anbau- und Ertragsregionen vorgestoßen. Gerade auf leichten Böden sind aber Nährstoffe besonders in regenreichen Wintermonaten stärker auswaschungsgefährdet. Wie für Nitrat gilt dies in gleichem Maße für Schwefel. Die Landwirtschaftskammer NRW hat auch im Weizen in den vergangenen Jahren an mehreren Standorten Schwefeldüngungsversuche durchgeführt. Abzusichernde Ertragssteigerungen durch eine mineralische Schwefeldüngung konnten dabei zwar nicht festgestellt werden, einige Standorte reagierten aber tendenziell mit Mehrerträgen, wie das Versuchsergebnis des Jahres 2004 zeigt.

Unbehandelte Vergleichsparzelle und nachgedüngte Fläche
Unbehandelte Vergleichsparzelle und nachgedüngte Fläche

Wachstumsstillstand trotz 120 kg N/ha
In der zweiten Aprilhälfte 2004 konnte man auf einigen Flächen folgende Beobachtung machen: Angebaut wurde die Winterweizen-Hybridsorte Hybnos1. Laut Sortenempfehlung erfolgte die Andüngung im März mit 90kg/N/ha. Schwefel wurde nicht gedüngt. Als die Bestände Mitte April „aufhellten“, wurde noch einmal nachgedüngt – so dass bereits Mitte April zwischen 120 und 140kg/N/ha mineralisch gedüngt waren. Allerdings wurde der Weizen nicht wie erwartet „dunkelblau“, sondern er reagierte stattdessen mit einer deutlichen „Gelbfärbung“ und einem Wachstumsstillstand. Dass es sich hierbei um Schwefelmangel handelt, wurde auf einem Schlag besonders eindrucksvoll demonstriert. Hier hatte ein Landwirt seine Spritze, die noch einen Rest von ca. 100 l AHL + ATS (flüssiger Schwefeldünger) enthielt, mit reiner AHL aufgefüllt. Dabei sah man anhand eines dunkelgrünen Weizenbestandes im Vorgewende, in der ersten und bis zur Mitte der zweiten Fahrgasse genau, wie weit der Schwefeldünger gereicht und ab wann nur noch reines AHL aus der Spritze kam.

Einzelpflanze, ohne Schwefel, typische Aufhellung am jüngsten Blatt.
Einzelpflanze, ohne Schwefel, typische Aufhellung am jüngsten Blatt.
Ist Schwefel erst einmal von der Pflanze aufgenommen („verarbeitet“), kann er nicht mehr verlagert werden. Eine sofortige Nachdüngung mit 15 kg/ha Schwefel auf der aufgehellten Restfläche zeigte nach wenigen Tagen einen deutlichen Effekt. In einer unbehandelten Vergleichs-Parzelle herrschte weiterhin Wachstumsstillstand. Offensichtlich hat das hohe Stickstoff-Angebot und gleichzeitig die geringe Schwefel-Nachlieferung aus dem Boden zu diesem massiven Schwefelmangel in der Pflanze geführt. Während auf vergleichbaren Flächen bei frühzeitiger Schwefeldüngung auch weit über 100 dt/ha geerntet werden konnten, war die Ertragsspitze auf den nicht mit Schwefel gedüngten Flächen gebrochen. Hier wurden aber immer noch Erträge zwischen 80 und 90dt/ha erzielt. Das häufig vorgebrachte Argument, der Schwefelbedarf sei schon durch die Frühjahrs-Gülledüngung abgedeckt, sticht leider nicht. Die Erfahrung auf Mangelstandorten zeigt eindeutig, dass selbst nach jahrelanger Gülledüngung beim Anbau von Raps und auch von Wintergerste Mangelsymptome auftraten und durch eine mineralische Schwefeldüngung erhebliche Mehrerträge erzielt werden konnten. Die Versuche in der Wintergerste zeigen, dass hierfür bereits 15 bis 20 kg/S/ha für den Höchstertrag ausreichend sind. Dies wird im Winterweizen wahrscheinlich nicht anders sein.

Auch wenn die oben beschriebenen Beobachtungen nicht verallgemeinert werden, muss die Notwendigkeit einer Schwefeldüngung zu Winterweizen in den kommenden Jahren vor allem auf leichten industriefernen Standorten anhand von Exaktversuchen weiterhin überprüft werden.

Henning Ehlers, LWK NRW, Kreisstelle Minden-Lübbecke 

Stand: 01.01.2005