Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In züchtereigenen Saatzeiten- und Intensitätsversuchen in Norddeutschland (Hohenlieth bei Eckernförde, S-H) werden seit vielen Jahren Linien- und Hybridsorten auf ihr Ertragsverhalten untersucht. Ebenso in Süddeutschland am Standort Grünseiboldsdorf bei Freising. Das Ziel dieser Versuche ist eine in den jeweiligen Saatzeiten „früh“, „mittel“ und „spät“ optimale Bestandesentwicklung, wie sie jeder Praktiker auch anstrebt.

Alle Saatzeiten werden stadienabhängig mit Triazolen im Herbst behandelt, allerdings die Frühsaaten bei Neigung zur Stängelbildung – je nach Jahreswitterung – auch zweifach. Ebenso wird bei den Spätsaaten verfahren: eine N-Düngung im Herbst (40 bis 60 kg/ha) wird nicht automatisch gegeben, sondern nur, wenn witterungs- und bodenbedingt das Wachstum gefördert werden muss.

Die Saatzeiten (Frühsaat: 10. bis 15.8., Normalsaat: 20. bis 25. 8 und Spätsaat: 3. bis 9.9.) werden mit 4 verschiedenen Intensitäten gefahren. Der Gesamtversuch wird einheitlich mit Herbiziden, Insektiziden und einer Blütenbehandlung behandelt.

Hybriden nutzen höhere Intensitäten effizienter
Tab. 2 zeigt, dass die in Süddeutschland geprüften Liniensorten im Mittel von 3, bzw. 4 Jahren nicht auf eine Intensitätserhöhung von Stufe 2 auf Stufe 3 reagieren. Die praxisübliche Intensität 2 mit ca. 180 kg N und jeweils einer Herbst- und Frühjahrsbehandlung mit Triazolen ist auch bei Spätsaaten optimal. Hingegen zeigen die geprüften Hybridsorten im Durchschnitt leicht höhere Erträge bei der Intensität 3. Sie können höhere N-Mengen auch in der Spätsaat eher verwerten.

In Norddeutschland reagieren die Liniensorten im Mittel von 5 Jahren ähnlich wie in Süddeutschland: Die Intensität 2 ist bereits optimal. Der leichte durchschnittliche Mehrertrag in der Spätsaat resultiert aus einem einzigen positiven Ergebnis der Ernte 2004. Die Hybridsorten

Tab.2: Saatzeiten-, Sorten- und Intensitätenversuch Winterraps
Tab.2: Saatzeiten-, Sorten- und Intensitätenversuch Winterraps
wie in Süddeutschland einen leichten Ertragsanstieg durch die höhere Intensität 3, der besonders in der Spätsaat (+ 0,9 dt/ha) positiv auffällt.

Damit bestätigen die Saatzeiten- und Intensitätsversuche, dass die „ortsübliche“ Intensität 2 in Nord- und Süddeutschland sowohl für Linien- als auch für Hybridsorten optimal ist. Hybriden reagieren insbesondere in der Spätsaat mit einem leichten Ertragszuwachs durch eine höhere N-Düngung der Intensität 3. Für die Spätsaat in Norddeutschland lässt sich sagen, dass in 3 von 5 Jahren eine höhere Intensität höhere Erträge brachte. Speziell die Hybriden erreichten in 3 von 5 Jahren ein vergleichbares Ertragsniveau wie Normal- und Frühsaaten.

Schlussfolgerungen für die Bestandesführung von Spätsaaten im Frühjahr 2005

  1. Jeder Rapsbestand, der mit mindestens 15 bis 20 Pflanzen pro/m2 überwintert hat, lohnt eine „volle ortsübliche Bestandesführung“. Keineswegs sollte voreilig an Düngung oder Pflanzenschutz gespart werden. Ein Ertragsverlust gegenüber Normal- und Frühsaaten tritt nicht automatisch ein: 2003/04 haben Spätsaaten in Nord- und Süddeutschland das gleiche Ertragsniveau wie die Normal- und Frühsaaten erreicht.
  2. Hybridsorten reagieren auf eine N-Erhöhung eher als Liniensorten. Also: gut entwickelte Hybridrapsbestände ausdüngen.
  3. Spät gesäte Rapsbestände können sich in manchen Frühjahren später regenerieren und in der Pflanzenlänge kürzer bleiben, speziell unter trockenen Bedingungen. Daher die erste Triazolbehandlung vorsichtiger bemessen, oder etwas später fahren, wenn der Bestand sicher in Gang kommt.3.Ein weiterer Sonderfall sind Spätsaaten mit erhöhter Bestandesdichte. Hier kann sich die sortentypische Standfestigkeit mindern, insbesondere bei sehr schneller Jugendentwicklung und guter Wasserversorgung (Niederschläge). Eine erhöhte - nicht zu frühe - Triazolgabe kann in diesen Fällen speziell bei Liniensorten aber auch bei Hybriden ratsam sein. Bei Hybriden kann ein Splitting der Triazolmenge sinnvoll sein, da so eine bessere Anpassung an die Frühjahrswitterung und die N-Düngung möglich ist. 
  4. Zur N-Verteilung stehen keine eigenen Exaktversuche zur Verfügung. Spätsaaten haben je nach Herbstentwicklung ein eher mittleres bis schwaches Wurzelsystem. Als Beispiel für mögliche Größenordnungen der Wurzelentwicklungen wurden im Herbst 2004 in Sachsen-Anhalt Wurzellängen von ca. 30 cm unter Spätsaaten, ca. 60 cm unter Normalsaaten und ca. 90 cm unter Frühsaaten ermittelt. Bei Trockenheit im Frühjahr haben kräftigere und längere Wurzeln Vorteile bei der Wasser- und Nährstoffaneignung. Daher sollte bei Spätsaaten die Frühjahrsandüngung betont und früh unter Ausnutzung der Winterfeuchte erfolgen.
  5. Die Wahl der Höhe des Triazoleinsatzes und der N-Düngung sollte auch dazu dienen, speziell in frühen Jahren die Jugendentwicklung im Frühjahr zu verzögern: kurze, zu früh blühende Rapsbestände gehören nicht zu den Beständen, die durch hohe Erträge aufgefallen sind. Deshalb sollte die N- und Triazolmenge in frühen Jahren gezielt zur Blühverzögerung genutzt werden. Schwächere Bestände sollten bei der Blütenbehandlung noch zusätzlich eine N-Menge von 20 bis 30 kg erhalten.

Die Versuchsergebnisse zeigen, dass Spätsaaten durchaus gute Erträge realisieren können. Besonders gefordert sind hier die Betriebsleiter, die ihre Bestandesführung an vielfältige Faktoren anpassen müssen.

Andreas Baer, Norddeutsche Pflanzenzucht, Hohenlieth

 

Rapool-Fachtagungen 2005
Auch in 2005 wird der RAPOOL-RING an 19 Standorten in den wichtigsten Rapsanbaugebieten seine traditionellen Fachtagungen durchführen.
Dabei werden ackerbauliche Themen wie z.B. kostenorientierte Mulchsaatverfahren ebenso erörtert wie Standort-, Düngungs- oder Klimaauswirkungen auf Ertrag und Qualität. Vor allem aber sollen auch die Zukunftsperspektiven für deutsche Rapsanbauer auf den Weltmärkten, die Chancen von Raps im food- und non food-Bereich sowie die optimale Nutzung der Züchtungsfortschritte intensiv dargestellt werden. Im Mittelpunkt dieses Themenkomplexes werden Hybridsorten wie TRABANT, TITAN, ELEKTRA oder TALENT sowie die erfolgreichen Liniensorten VIKING und OASE stehen. Darüber hinaus wird die neuzugelassene MSL-Hybride TAURUS vorgestellt. Weitere Informationen unter www.rapool.de 

Stand: 01.01.2005