Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Die Fruchtfolge ist bei der konservierenden Bodenbearbeitung noch wichtiger als bei der konventionellen Bewirtschaftung. Ein Wechsel von Wintergetreide mit Sommergetreide oder Blattfrüchten ist die wichtigste Voraussetzung. Autor Bernd Hirschbeck erhielt für seine Bewertung angepasster Fruchtfolgen 2004 den Rimpau-Preis der DLG.

Preissenkungen verstärken den Druck in Richtung Kosteneinsparungen (Fixkosten, Kosten der Arbeitserledigung) und leistungsstarke Fruchtarten. Der Weizen leistet die höchsten Beiträge zur Rotationsleistung einer Fruchtfolge. Doch mit steigendem Weizenanteil in der Fruchtfolgen sinken die Erträge und die variablen Kosten nehmen zu.

Meine beste Erbse!
Selten hat es in den letzten Jahren so sprunghafte Verbesserungen der Sorten gegeben wie bei Futtererbsen. Mit den Sorten HARNAS und Jutta beginnt eine völlig neue Sortengeneration. Beide Sorten wurden vom Bundessortenamt mit der Bestnote 2 für die Lagerneigung eingestuft. Damit sind beide Hochertragssorten auch in schwierigen Jahren ausgezeichnet dreschbar. Seit der Ernte 2000 überzeugt HARNAS mit hervorragenden Ergebnissen. In unserem Zuchtprogramm ist in jedem Fall die Standfestigkeit, verbunden mit hohem Korn- und Proteinertrag das Zuchtziel Nr. 1. Das ist auch der Grund, warum ich nicht nur meinem Ehemann sondern auch meinen Freunden HARNAS zur Vermehrung empfohlen habe.

Dr. Hanna Meier zu Beerentrup, Erbsenzüchterin W. v. Borries-Eckendorf

Klarheit durch Systemvergleich
Allein durch den Deckungsbeitrag der Fruchtfolge erhält der Unternehmer keine genaue Angabe über deren tatsächlichen Wert. Mit Hilfe des Roheinkommens1) ist es möglich, verschiedene Fruchtfolgen unter Einbeziehung des jeweiligen Bodenbearbeitungssystems zu vergleichen. Da beim Roheinkommen die fixen Maschinenkosten und die Lohnaufwendungen mit erfasst sind, lässt sich auch ein Vergleich von unterschiedlichen Ackerbausystemen bzw. Fruchtfolgesystemen durchführen. Denn Einsparpotenziale im Ackerbau sind bekanntlich insbesondere bei den Arbeitserledigungskosten möglich.

Die Daten der einzelnen Fruchtfolgesysteme wurden von landwirtschaftlichen Forschungsanstalten und aus Landessortenversuchen erhoben. Um ein möglichst praxisnahes Ergebnis zu erhalten, werden in den folgenden Berechnungen die Aufwendungen für Düngemittel und Pflanzenschutzmaßnahmen genau dem jeweiligen Fruchtfolgesystem angepasst. Als Berechnungsgrundlage für die Direktkosten und Kosten der Arbeitserledigung wird ein 300 ha großer Marktfruchtbaubetrieb zugrunde gelegt, so dass auch die Maschinenkosten durch die optimale Auslastung eine weitgehende Degression erfahren.

Die beachtlichen Vorfruchtwirkungen von Winterraps und Körnerleguminosen finden in den Berechnungen Berücksichtigung. Ebenso zeigte sich, dass sich ein Fruchtfolgefehler durch eine Erhöhung der Stickstoff-Gesamtzufuhr oder höheren Pflanzenschutzmittelaufwand nicht völlig kompensieren lässt.

Modellbetriebe aus Einzeldaten
Der Vergleich der einzelnen Fruchtfolgesysteme basiert auf der praxisüblichen Annahme, dass auch der konventionelle Modellbetrieb nach Raps und Erbsen den Weizen pfluglos bestellt. Die einzelnen Daten für den konservierend wirtschaftenden Betrieb stammen ausschließlich von Betrieben oder aus Versuchen, wo schon seit längerer Zeit kein Pflug mehr eingesetzt wird. Bei der Maschinenausstattung verfügt der konventionelle Betrieb über einen Grubber, einen Pflug mit Packer und einer Kreiseleggen-Drillkombination. Der Maschinen-Neuwert beträgt 1.429 €/ha. Die Maschinenausstattung des Mulchsaatbetriebes setzt sich ähnlich zusammen. Der pfluglose Betrieb verfügt über einen höherwertigen Grubber und hat keinen Pflug mehr. Anstelle der Kreiseleggen-Drillkombination wurde eine Universaldrillmaschine angeschafft. Beim Mulchsaatbetrieb ergibt sich ein Maschinenneuwert von 1.347 €/ha, also etwa 80 €/ha weniger.

1) Im Unterschied zur reinen Deckungsbeitragsrechnung werden die festen Maschinenkosten und die Lohnaufwendungen inklusive der Lohnansprüche der nicht entlohnten Familien - Arbeitskräfte mit erfasst. Vom Roheinkommen müssen nur noch Boden- (Pacht), der Zinsansatz für Gebäude- und Maschinenkapital und die Gemeinkosten entlohnt werden, gegebenenfalls auch noch die Quotenkosten.


Übersicht 1: Vergleich der Fruchtfolgensysteme bei konventioneller und konservierender Bodenbearbeitung anhand des Roheinkommens* in ha - Dreifeldrige Fruchtfolgen
Übersicht 1: Vergleich der Fruchtfolgensysteme bei konventioneller und konservierender Bodenbearbeitung anhand des Roheinkommens* in ha - Dreifeldrige Fruchtfolgen

Übersicht 1: Fünffeldrige Fruchtfolgen
Übersicht 1: Fünffeldrige Fruchtfolgen

Übersicht 1: Sechsfeldrige Fruchtfolgen
Übersicht 1: Sechsfeldrige Fruchtfolgen

* Beim Roheinkommen der Sommergerste wurde mit 45 % des Ertrages als Braugerste und 55 % des Ertrages als Futtergerste gerechnet.


Pflanzenbauliche Gesichtspunkte und betriebswirtschaftliche Auswertung

Meine beste Lupine!
Von allen Leguminosen mag ich die Lupinen ganz besonders. Sie sehen nicht nur schön aus, sondern können auf Böden mit wenig Nährstoffen, niedrigen pH-Werten und wenig Wasser vergleichsweise hohe Kornerträge bringen. Das Korn ist wegen seines hohen Eiweißgehaltes sehr wertvoll. Unsere Sorte ARABELLA war in den Landessortenversuchen der letzten 3 Jahre immer unter den besten zu finden. Sie hat einen hohen Proteingehalt im Korn und ist relativ kurz im Wuchs. Außerdem ist sie resistent gegen den Echten Mehltau. Wenn ich einen landwirtschaftlichen Betrieb hätte, würde ich sie anbauen!

Dr. Peter Römer, Leguminosenzüchter Südwestdeutsche Saatzucht
  • Mehrere an verschiedenen Instituten durchgeführte Versuche haben ergeben, dass nach pflugloser Bodenbearbeitung die Erträge von Getreide, Raps und Leguminosen im Mittel der Versuchsjahre vergleichbar waren mit den Erträgen bei ständigem Pflügen. Allerdings schwanken die Erträge bei konservierender Bodenbearbeitung stärker als bei der konventionellen Bodenbearbeitung. Bei der betriebswirtschaftlichen Analyse werden daher einheitlich von allen Erträgen bei der pfluglosen Variante 2 % abgezogen, um diese Schwankungen monetär zu bewerten.
     
  • Die häufig genannten „Mulchsaat-Risiken", wie Problemungräser, Ausfallgetreide, Ährenfusarien lassen sich bei Berücksichtigung der bekannten und bis heute gültigen Fruchtfolgeprinzipien weitgehend ausschalten bzw. in Grenzen halten. Grundsätzlich gilt, dass Weizen ertraglich auf die direkten Vorfrüchte am stärksten reagiert. Mit Erhöhen des Anteils von Getreide oder Raps sinkt das Ertragsniveau. Hierbei beeinflusst eine Veränderung in der Fruchtfolge gleichermaßen Ertragsbildung, Ertragsstruktur und somit die Ertragshöhe aller in einer Rotation angebauten Kulturarten. Langzeitversuche auf dem Versuchsgut Hohenschulen der Universität Kiel zeigten, dass bei der Fruchtfolge Raps-Winterweizen-Winterweizen weniger Weizen nach Raps gedroschen wird als bei der Fruchtfolge Raps-Winterweizen-Wintergerste.
     
  • Der Winterweizen wird in der Anbaukonzentration weiter steigen. Beim Anbau von Stoppelweizen stehen einem erhöhten Auftreten von DTR, Ungräsern und Fusarien, weniger Probleme mit Durchwuchs nach pflugloser Bestellung und leichtere Vermarktung gegenüber. Weil aber bei der Fruchtfolge Raps-WW-WW kein befriedigendes monetäres Ergebnis erzielt wird, sollte eine Auflockerung der Fruchtfolge in jedem Fall stattfinden. Durch das Einbringen von Sommerungen und/oder Blattfrüchten lassen sich Ungräser besser bekämpfen und mögliche Resistenzen gegenüber Herbiziden als auch Fungiziden vermeiden. In Wintergetreidefruchtfolgen stellt Getreidedurchwuchs wegen der kurzen Zeitspanne zwischen Ernte und Aussaat der Hauptkulturen ein Problem dar. Der nachfolgende Anbau von Sommerungen und Leguminosen kann hier entschiedene Vorteile bringen. Gerade die gestiegenen Düngerpreise lassen den Anbau von Leguminosen noch interessanter erscheinen. Zudem stellt eine vielseitige Fruchtfolge mit häufigem Wechsel zwischen Winter- und Sommerfrüchten und das Abspritzen bzw. Einarbeiten von Ausfallgetreide und Unkräutern im Herbst eine effektive Bekämpfungsmaßnahme dar, um Mäusen und Schnecken die Nahrung zu entziehen. Bei Fruchtfolgesystem mit einem hohem Erbsenanteil ist neben einer fünfjährigen Anbaupause besonders auf Sclerotinia zu achten, da Erbsen Wirtspflanzen dieser Rapskrankheit sind.

Wie die Ergebnisse der Kalkulationen zeigen, sind sowohl bei den konventionellen Verfahren als auch bei den konservierenden „längere" Fruchtfolgen im Vorteil. Hinzu kommt die folgende Erkenntnis: Wegen der knappen Zeitspannen zwischen Ernte und Bestellung kann sich in der dreifeldrigen Fruchtfolge die rechnerische Gleichheit des Stoppelweizens gegenüber der Wintergerste kaum noch behaupten. In der Realität ist in größeren Ackerbaubetrieben mit knapper Maschinenkapazitäts- und Arbeitskraftausstattung diese Fruchtfolge als Pflugvariante nicht mehr durchführbar. Das zeigen Fruchtfolgeanalysen in größeren Ackerbaubetrieben, in denen außer Winterweizen keine andere Kultur den 20%igen Anbauanteil an der Ackerfläche überschreitet.
 

Bernd Hirschbeck, Gut Stifterhof, Odenheim
Telefon: 0170 8953995

Stand: 01.01.2005