Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Die jüngsten Kleffmann-Umfragen belegen es: Körnermais wird in der Anbaufläche 2008 um geschätzte 12 % oder 28.000 ha zulegen, weil viele Landwirte von den absehbar festen Körnermaispreisen profitieren wollen.
 

Die Anbauausdehnung im Körnermais ist ein echter Flächenzuwachs und keine bloße Umwidmung von Silo- zu Körnermais. Wie bei jeder Änderung im Anbau, stellt sich die Frage nach der optimalen Sortenstrategie. Denn u.a. mit der richtigen Sortenwahl lassen sich Trocknungskosten effektiv minimieren.


Das rasche Ausbleichen und Abheben der Lieschblötter ermöglicht eine schnelle Abreife bis 30% Kornfeuchte
Das rasche Ausbleichen und Abheben der Lieschblötter ermöglicht eine schnelle Abreife bis 30% Kornfeuchte
Trocknungskosten wirksam reduzieren
Die Trocknungskosten sind unabhängig vom Marktpreis der Ware. Ihr prozentualer Anteil an der Minderung des Deckungsbeitrags nimmt zwar bei steigenden Marktpreisen ab, doch sie zeigen im generellen Umfeld ansteigender Energiepreise eine anwachsende Tendenz. Ein Hektar Körnermais bringt ca. 90 dt trockene Ware. Bei 30 % Erntefeuchte und einem Trocknungssatz von 10 Cent/% Kornfeuchte und dt fallen Trocknungskosten in Höhe von etwa 322 € an. Jedes Prozent Erntefeuchte lässt diese Kosten um rund 9 €/ha steigen!

Die Wahl einer frühreifen Sorte ist somit die logische Vorgehensweise. Weitere Vorteile sind: • Die bessere, raschere Ausreife lässt weniger Raum für Kolbenfusarium und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die Maisblüte in eine Trockenperiode fällt. 

  • Die Ernte kann früh erfolgen, falls die Fruchtfolge das erfordert. Andernfalls kann man abwarten und reizt so die Trocknung auf dem Stängel aus.
  • Mit einer guten Ausreife ist auch die gerade bei hochwertigen Verwertungszielen wichtige Druschqualität verbunden. Dabei geht es um einen möglichst niedrigen Bruchkorngehalt und einen rissfreien Mehlkörper.

Dry-Down Körnermais
Dry-Down Körnermais
1. Sortentypische Abreife optimal nutzenNeben dem klaren Einfluss der Sorte spielt der Ausreifegrad bei diesen Fragen die Hauptrolle. Dry-Down ist der englische Schlüsselbegriff für den Verlauf der Trocknungskurve auf dem Feld. Er wird oft falsch verwendet und hat nichts zu tun mit der Abreifegeschwindigkeit der Blätter. Diese werden mit dem Begriff Stay-Green umschrieben. 

Das Dry-Down wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

  1. Weiblicher Blühtermin
  2. Die sortentypisch etwas unterschiedlich lange Kornfüllungsphase.
  3. Im frühen Abreifezeitraum spielen die Lieschblätter eine Rolle. Lange und vollständig ge­schlossene Lieschblätter schützen zwar den Kolben, verhindern aber die direkte Abgabe von Feuchtigkeit aus den Körnern in die Luft. Je rascher die Lieschblätter sich ein Stück weit vom Kolben abheben, um so schneller geht die Reise in Richtung 32 bis 30 % Kornfeuchte.Eine nicht vollkommen gefüllte Kolbenspitze ist mit Blick auf die Abreife ein Vorteil. Sie ermöglicht den direkten Übergang von Feuchtigkeit aus der Spindel in die Luft. 

Den richtigen Korntyp wählen
Der Korntyp ist die wichtigste Eigenschaft in Bezug auf das Dry-Down. Je dicker, runder und glasiger das Korn ist, um so schwieriger wird die Feuchteabgabe unterhalb 30 %. Die glasige Kornstruktur charakterisiert den Hartmais oder Flint (z.B. ARTIST). Wasser wandert nur langsam aus einem solchen Mehlkörper an die Außenfläche. Allerdings: Dieser Korntyp ist beispielsweise in der Trockenmüllerei sehr begehrt, weil er große und hochwertige Grießpartikel er­möglicht. Dem steht der Zahnmaistyp oder Dent gegenüber (z.B. SUDOKU). Sein undurchsichtiger Mehlkörper gibt Feuchtigkeit leichter ab. Erstreckt sich diese Struktur des Mehlkörpers bis an die Kornkappe, unterstützt sie sehr wirksam die Abreifegeschwindigkeit. 

Die Korngröße bestimmt die Strecke, welche die Feuchtigkeit zurücklegen muss: Je größer, um so weiter.

Ein letzter Faktor, der erst im Trockner zum Tragen kommt, ist die Kornform. Je runder das Korn ist, um so weniger Oberfläche stellt es für die Abgabe der Feuchtigkeit bereit. Ein längliches, eckiges Korn wie das von SUDOKU trocknet also rascher als ein kugelrundes wie z.B. bei ARTIST.

Als Beispiel der Dry-Down-Versuch der SAATEN-UNION (Abb.1): ARTIST blüht etwas früher und öffnet rasch die Lieschen. Damit erreicht er schnell die 35 % Kornfeuchte. Im Bereich 30 % wird er von SUDOKU überholt, der im weiteren Verlauf seinen Vorsprung ausbaut. Eine einzige Reifezahl sagt also nicht alles aus: Die relative Frühreife der Sorten verändert sich, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt gedroschen wird. Während für die CCM-Ernte die Hartmaissorten häufig früher dran sind und die Zahnmais- oder Denttypen hinterher hinken, dreht sich die Sache beim spätherbstlichen Drusch um.

PTV Körnermais, Kornertrag und Bestandesdichte
PTV Körnermais, Kornertrag und Bestandesdichte
3. Die Bestandesdichte ist wichtig
Für den erfolgreichen Anbau kommt es auf die optimale Be­standesdichte an. (Abb.2). Es gibt Sorten, die unter optimalen Versuchsbedingungen im relevanten Bereich der Bestandesdichten zwischen 7 und 13 Pfl./m2 einen verlockend stabilen Zuwachs beim Ertrag zeigen. In der Praxis stoßen sie oft wegen unzureichender Standfestigkeit oder Wassermangels an Grenzen lange bevor sie ihr Optimum zeigen können.

Es gibt aber auch ertragsstabile Sorten, wie SODUKU und ARTIST, die mit Hilfe einer durchhaltenden Standfestigkeit ihr Potenzial voll ausfahren. Ihr Ertrag nimmt zunächst von 7 über 9 bis zum Optimum bei 11 Pfl./m2 zu, um bei 13 wieder abzufallen. Bei beiden Sorten wäre für trockenheitsgefährdete Lagen ein Abschlag von 1 bis 2 Pfl./m2 angezeigt; auf guten Böden sind die 11 Pflanzen in jedem Falle vorzuziehen.

Fazit:
Über eine sich an dem Verwertungszweck und Druschzeitpunkt orientierende Sortenwahl in Kombination mit der sortenspezifischen Bestandesdichte lassen sich sehr wirkungsvoll Trocknungskosten reduzieren.

 

Dr. Andreas Groß

Stand: 02.01.2008