Aktuelle Ausgabe 02/2018

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2007 war das Maisjahr schlechthin – da stimmte fast alles. Besonders die reichlichen, gleichmäßig verteilten Niederschläge ab Mitte Mai sorgten gerade auf leichten Böden für Spitzenerträge. Rückblickend sind die Jahre witterungsbedingt allerdings sehr unterschiedlich verlaufen, so dass 2007 eher die Ausnahme denn die Regel ist.

Deshalb profitiert man langjährig besonders von ertragsstabilen und widerstandsfähigen Sorten. Franz Unterforsthuber berichtet von den Maisversuchen der Versuchsstation Moosburg.


2005 war geprägt durch hohe Niederschläge im April, was die Aussaat in den günstigeren Anbaulagen um 2-3 Wochen verzögerte. Hier war die Jugendentwicklung der Sorten gefordert! Der Mais konnte den schwachen Start während der gesamten Vegetation nicht mehr ausgleichen und büßte Erträge ein (Abb. 1).

2006 hatten wir Winterwetter bis in den April. Trotzdem war die Maisaussaat ab 20. April möglich. Die Entwicklung wurde zwar durch eine Kälteperiode Anfang Juni etwas gebremst, der anschließend sehr warme und trockene Sommer glich die Entwicklung wieder aus. Hier konnten besonders die Sorten trumpfen, die gut mit den Trockenstressbedingungen fertig geworden sind.

Aventura Fixkolbentyp
Aventura Fixkolbentyp
2007 – das Maisjahr schlechthin! Der April präsentierte sich sehr trocken mit vorsommerlichen Temperaturen, was sehr frühe Saattermine und eine zügige Jugendentwicklung ermöglichte. Entscheidend war eine exakte Ablage von 7-8 cm Tiefe mit Anschluss ans Bodenwasser. Zu flach abgelegter Mais lief zum Teil mit vier Wochen Verzögerung auf. Diese Zeit fehlte in der Vegetation und führte zu Ertragseinbußen. Frühsaaten lohnten 2007 besonders. In diesem für Mais stressfreien Jahr, konnte man gut die Ertragspotenziale der Sorten miteinander vergleichen. Das zeigen mehrjährige produktionstechnische Versuche. Seit einigen Jahren führt die SAATEN-UNION am Standort Moosburg produktionstechnische Versuche durch, bei denen Saat- und Erntetermine und Bestandesdichten in ihrer Wechselwirkung untersucht werden. Bei mehrjähriger Betrachtung ergeben sich folgende Ergebnisse:

1. Die richtige Bestandesdichte für Fix- und Flextypen
Generell verringert sich mit zunehmender Bestandesdichte die Energiedichte. Grund dafür sind steigende Rohfasergehalte. Somit liegt das Optimum der Gesamttrockenmasse 1-2 Pfl/m2 über dem des Energieertrages, der für die Futterproduktion relevant ist. Die Sortenunterschiede zeigen sich besonders deutlich an zwei Beispielen: Der „Fixkolbentyp“ AVENTURA reagiert jedes Jahr ähnlich positiv auf höhere Bestandesdichte, bei großer Errtragsstabilität. Daher auch hier die Empfehlung der höheren Saatstärke mit 10 Pfl/m2. Beim „Flex-Kolbentyp“ (z.B. SUBITO) sieht dies anders aus. Die Bestandesdichte-Empfehlung für diese Sorte wird je nach Standortvoraussetzung stärker variieren, von 7-9 Pfl./m2. Frühe Saattermine setzen höhere Bestandesdichten besser in Ertrag um. Bei späten Saatterminen ab 5.­ Mai kann die Bestandesdichte um 1-2 Pfl./m2 reduziert werden.

Ertragsvergleich
Ertragsvergleich
2. Bei Spätsaaten auf die frühe Reife achten!
Generell gilt: Frühe Saaten bringen mehr Ertrag! Der Effekt ist umso stärker, je günstiger die Witterung für den Mais in der Jugendentwicklung ist. Ein warmes Frühjahr wie 2007 bringt eine rasche Anfangsentwicklung und damit einen deutlicheren Entwicklungsvorsprung mit sich.

Stärkegehalt und Energiedichte
Stärkegehalt und Energiedichte
Bei späten Saatterminen wird der Ertragsvorsprung spätreiferer, leistungsfähiger Sorten geringer. Daher ist bei Spätsaaten auf die Reife und nicht nur auf das Leistungspotenzial zu achten. Spätere Saatzeit bringt schwächere Stärke- und höhere Rohfasergehalte mit sich. Folglich fällt die Energiedichte etwas geringer aus.

3. Die Nutzungsrichtung bestimmt den Erntetermin!
Mit zunehmender Abreife wird Zucker zum Korn transportiert und dort als Stärke abgelagert. Damit sinkt der Zuckergehalt und der Stärkegehalt steigt. Die Anteile an Rohprotein und Rohfett gehen mit zunehmender Abreife leicht zurück. Auch die Zellwandverdaulichkeit verringert sich, während die Energiedichte sich nur geringfügig verändert. Für die Nutzungsrichtung hat dies folgende Auswirkung:

  • Biogasbetriebe benötigen Maissilage mit hoher Zellwandverdaulichkeit und möglichst hohem Fett- und Proteingehalt. Somit sind die idealen Erntetermine die mit eher geringeren TS-Gehalten von 30-32 %.
  • Auch in Milchviehrationen mit höheren Maisanteilen (ca. 50 %) im Grundfutter muss mehr Wert auf Zellwandverdaulichkeit gelegt werden. Stärke ist hier genügend vorhanden. Der richtige Erntetermin liegt daher bei 32-34 % TS.
  • Nur Bullenmastbetriebe und Milchviehbetriebe mit geringen Maisanteilen in der Ration sollten den Stärkezuwachs nutzen und erst bei etwa 34-36 % TS den Mais ernten. Vor allem bei weniger gesunden Sorten darf der Bogen nicht überspannt werden, da mit einsetzender Stängelfäule die Energiedichte deutlich sinkt.

Beobachtungen zur Maisqualität Zellwandverdaulichkeit für Milch- und Betonkühe
Bei den Versuchen fallen Sorten auf, die trotz geringer Stärkegehalte hohe Energiedichten erreichen. Ein Beispiel dafür ist die Sorte BREDERO (Abb. 3), bei der die Energie weniger aus einem hohen Kolbenanteil als vielmehr aus einer hervorragenden Verdaulichkeit der Restpflanze resultiert. Er wurde speziell als Silomais selektiert und ist aufgrund der guten Zellwandverdaulichkeit auch als früher Mais (S 230) für die Biogasanlage sehr gut geeignet.

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Fettgehalt Saattermin
Fettgehalt Saattermin
ettgehalt für mehr Methan
Fett liefert mit etwa 850 l/kg org. TM die höchsten Methanerträge in der Biogas-Produktion und verbessert die Methanausbeuten der Maissilagen (Tab. 1). Daher wurden 2007 erstmals die Sorten auf Fettgehalt untersucht (Abb. 4). 

Fett und Methangehalt
Fett und Methangehalt
Die Sorten schwanken in ihrem Fettgehalt zwischen 2 und 3 %, wobei AVENTURA und SUBITO die Spitze bilden. Der späte Aussaattermin kostet 0,5 % Fett und damit rechnerisch ca. 78 €/Hektar. Jedes Prozent mehr Fett in der Maissilage sind etwa 155 € je ha Silomais wert. Es lohnt sich daher, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.
 

Franz Unterforsthuber

Stand: 21.12.2007