Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Im Extremjahr 2007 erschienen, über alle Kulturen hinweg, einige Sorten in einem anderen Licht. Waren wir sonst konstante Leistungen von ihnen gewohnt, 2007 wurden wir enttäuscht. Ein Beispiel hierfür ist die Wintergerste LAVERDA, die seit Jahren stabil hohe Erträge lieferte, 2007 jedoch deutlich abfiel.

Woran das gelegen hat und warum die Praxis aber gerade jetzt diesen Sortentyp braucht, erläutert Dr. Eberhard Laubach.

LAVERDA ist im deutschen mehrzeiligen Wintergerstensortiment ein bis heute einzigartiger Sortentyp. In der Halmlänge ist sie deutlich kürzer als die großen Marktsorten Lomerit, Fridericus, Alinghi, Merlot, Naomie oder vor allem als neu zugelassene Sorten Leibnitz und Highlight. Auch schiebt sie die Ähren deutlich früher als die bekannten Marktsorten. In der Reife sind die Unterschiede nicht so deutlich, LAVERDA hat das längste postflorale Stadium bis zur Reife, ist aber immer noch die früheste Sorte. Diese Konstellation hat im außergewöhnlichen Jahr 2007 mit seiner extremen Witterung und der erschwerten, zu späten Ernte LAVERDA jedoch überdurchschnittlich benachteiligt.

Laverda
Laverda
Das optimale Prüfverfahren: Mit Halmlängendifferenzierung
Ganz wichtig für das Ergebnis einer Sorte in den offiziellen Prüfungen ist das Prüfverfahren. Bisher wurden in den Parzellen lange und kurze Sorten nebeneinander geprüft. Deutlich kürzere Sorten sind in einer Prüfung mit deutlich längeren Nachbarparzellen jedoch klar benachteiligt. Dies kann sehr eindrucksvoll durch die Zusammenstellung (s. Tab. 1) für die Sorte LAVERDA belegt werden. In den Wertprüfungen des Bundessortenamtes wurde sie 2007 im Sortiment 1 und 2 differenziert nach Halmlänge geprüft. Im Sortiment 3 hingegen wurden Lange und Kurze gemeinsam geprüft. Das Ergebnis ist überdeutlich: Wird LAVERDA nach Halmlänge differenziert geprüft, sind die Erträge gegenüber Lomerit, Naomie und Fridericus um 10 % höher als in Sortiment 3 ohne Halmlängedifferenzierung!

Sortiment 3 der Wertprüfung des Bundessortenamtes entspricht den Landessortenversuchen der Länder. Lange und späte Sorten wie Highlight und Leibnitz haben diesen beschriebenen Effekt in den Landessortenversuchen noch verstärkt. Wenn nicht nach Halmlänge differenziert wird, steigt der Versuchsfehler. Damit nehmen auch die Leistungsschwankungen innerhalb einer Sorte deutlich zu.

Laverda im Vergleich
Laverda im Vergleich
Das Halm- und Ährenknicken ist bei LAVERDA deshalb nicht wegzudiskutieren. Von der Genetik her ist diese Sorte schon etwas mehr betroffen als vergleichbare große Marktsorten. Aber das Beispiel der Prüfung mit einer Differenzierung nach Pflanzenlänge zeigt, dass bei einem anderen Ansatz die negative Wirkung von Halm- und Ährenknicken nicht so zum Tragen kommt. Frühe und kurze Sorten sind allerdings in einem Erntejahr wie 2007 extrem benachteiligt.

LAVERDA hat den Zuchtfortschritt im Kornertrag, in der Frühreife und der hervorragenden Gesundheit. Mit WENDY wurde eine weitere Sorte dieses Typs zugelassen, denn der Markt braucht diese hochertragreichen, frühen und gesunden Sorten, um die Wintergerste in der Fruchtfolge attraktiv zu halten.

Dr. Eberhard Laubach

Stand: 02.02.2008