Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Biogas-Produzenten denken über Fruchtfolgen nach. Silomais ist die stärkste Kulturart, das ist klar – aber die Grenzen der Maiskonzentration heißen Humusbilanz und Cross Compliance.Die Suche nach Alternativen führt zu Ansätzen mit zwei Ernten im gleichen Jahr.

Hier ist es nicht mehr so leicht, von einer Haupt- und Nebenfrucht zu sprechen. Von beiden möchte man in Summe maximal profitieren. In erster Linie geht es um Wintergetreide als spät räumende GPS oder um Gras bzw. früher räumenden Grünroggen mit einer daran anschließenden Einsaat von Mais oder anderen Sommerungen.

Was leistet Mais in Zweitfruchtstellung?

REVOLVER
REVOLVER

Noch ist die Zahl konkret bezifferter Erfahrungen gering. In niedersächsischen Versuchen der Jahre 2005 und 2006 ergaben Varianten mit Weidelgräsern oder Grünroggen als Vornutzung im Mittel dreier Standorte einen TM-Ertrag von knapp 60 dt/ha. Der darauf folgende Silomais brachte 180 dt/ha. Im Projekt SunReg 1 (Benke, 2007) kommt der Silomais am Standort Celle 2006 nach Grünroggen (54 dt/ha) auf 158 dt/ha TM-Ertrag. In Werlte hingegen waren es lediglich 80 dt/ha, nach 47 dt/ha des Grünroggens. Damit lag das Zweifruchtsystem am einen Ort 23 % über dem Ertrag von Mais als Alleinfrucht, am anderen 30 % darunter.

60 dt/ha für die Vornutzung
Den Wert von ca. 60 dt/ha für die Vornutzung bestätigen auch Ergebnisse des Verbundprojekts EVA (Dr. A. Vetter, TLL Dornburg, 12.3.2007) für Futterroggen und Landsberger Gemenge. Man betont indessen die wichtige Rolle ausreichender Niederschläge bzw. Bewässerung, um einen Maisertrag von 130 bis 140 dt TM/ha abzusichern. In Versuchen aus 2003 und 2004 findet die LfL Freising am Standort Frankendorf einen gewissen ertraglichen Ausgleich zwischen Vornutzung und Zweitnutzung. Im Vergleich zu 202 dt/ha TM für Mais als Alleinfrucht brachte die Aussaat am 18. Mai 2004 Erträge zwischen 123 und 158 dt/ha, während die Vorfrucht zwischen 24 dt/ha für Wintererbsen und 102 dt/ha für Winterroggen schwankt.

Nicht ohne Zusatzdüngung und Bewässerung?
Immer ist die Zusatzdüngung, häufig die Zusatzbewässerung notwendig für ökonomisch lohnende Erträge, (Schittenhelm et al., 2007). In den bereits angesprochenen Versuchen der LfL Freising war das Zweifrucht-System in seiner Summe bei Bewässerung der alleinigen Hauptfrucht Mais ertraglich um 25 % überlegen. Ohne Bewässerung lagen beide Systeme ertraglich gleichauf.

Vegetationszeit, Wasser und Wärmesumme sind unsere Hauptthemen. Leicht übersehen wir aber, dass auch die schwerer greifbaren Einflussgrößen wie Tageslänge, Mineralisierung des Stickstoffs, Schwankungsbreite der Temperatur und Luftfeuchtigkeit feste Bestandteile der Anpassung unserer Kulturpflanzen sind. Entfernen wir uns mit dem Saatzeitpunkt zu weit von der Welt, für die unsere Kulturen/Sorten ursprünglich optimiert wurden, können wir Überraschungen erleben. Auch eine ausreichende Wärmesumme und vorhandenes Bodenwasser bewahren nicht unter allen Umständen die Physiologie der Kulturpflanze vor dem Absturz.

Auch Abreife und Inhaltsstoffe bewerten
Führt man den Mais an seine Grenzen und darüber hinaus, lohnt es sich, den Blickwinkel TM-Ertrag um Abreife und Inhaltsstoffe zu erweitern (Abb. 1). Bei der Fachhochschule in Rendsburg am Nordostseekanal wurden 2007 in einem Versuch der SAATEN-UNION zwei Maissorten mit S 230 und S 260 um 4, 7 und 11 Wochen verspätet gelegt. Schon die vierwöchige Verzögerung löste Abreifeprobleme aus, was am Kanal zumindest bei der Sorte mit S 260 nicht verwundern darf. Die Verdaulichkeit war noch akzeptabel; der zu schwache Beitrag der Stärke aus den Körnern war schon erkennbar. Bei der Ernte der Juli-Aussaat wird es dann unübersehbar: Dem TM-Ertrag von knapp 70 dt/ha steht eine Verdaulichkeit gegenüber, die wegen extremer Rohfasergehalte mit ca. 57 % miserabel ausfällt. Ein „extrafrischer“ TS-Gehalt von 12 bis 14 % vervollständigt das betrübliche Bild. Fazit: Man kann das Blatt Spätsaat auch überreizen. Spätestens ab dem Monatswechsel Mai/Juni sollte man mit extrem frühreifen Sorten wie z.B. REVOLVER S 160 auf Nummer Sicher gehen. Aussaaten im Juli sind für Mais nicht mehr sinnvoll, da keine normale Blühphase mehr eingeleitet wird.

Nachteile bei Spätsaat minimieren
Die Kosten der zusätzlichen Aussaat müssen mit etwa 80 €/ha für das Maissaatgut veranschlagt werden. Bei der Düngung (Kalk, KAS, PK und Fermentergülle) kommt man für einen Zielertrag von 150 dt TM/ha auf ca. 250 €/ha, beim Pflanzenschutz auf ma­ximal 50 €/ha.

Bei der späten Saat kommt alles darauf an, die Entwicklung an sämtlichen verfügbaren Stellschrauben zu be­schleunigen. Dazu kann auch eine Unterfußdüngung zählen, die nicht das Phosphat, sondern den Stickstoff zum Schwerpunkt hat. Der Mais muss in der Summe für 150 dt TM/ha bei Aussaat Ende Mai 150 kg Stickstoff haben, dies allerdings nicht als späten Versorgungsschub Ende September, sondern mit Schwerpunkt Mitte August. Fermentergülle ist grundsätzlich gut geeignet, wenn sie unmittelbar nach Ernte der Erstfrucht gegeben wird und in ihrer Gesamtmenge nicht so hoch liegt, dass sie die Abreife der Zweitfrucht verzögert. Beim Herbizid kann man etwas einsparen, denn es muss nicht so lange durchhalten, wie bei Normalsaat. Im Hochsommer durchwächst der Mais seine

Kinderstube im Eiltempo. Verzögert sich die Aussaat auf Ende Juni, reduziert sich die Er­tragserwartung auf maximal 100 dt TM/ha.

Spätsaat, GTM, ELOS, Stärke
Spätsaat, GTM, ELOS, Stärke
Bei Spätsaat ist Mais etwas besser geeignet als Hirse
Im Unterschied zur Sorghumhirse ist Mais als Zweitfrucht zum Einen etwas robuster, was eine Aussaat im Juni angeht. Zum Anderen ist die Auswahl an Herbiziden beim Mais ungleich größer. In den Punkten Saatgutkosten, Düngung und Ernte­erwartung sind sich beide dagegen recht ähnlich.

Die Züchtung greift bei der Frage nach Spätsaat-Maissorten auf besonders früh blühendes und reifendes Sortenmaterial zurück. Versuche, in denen Anfang Juni gesät wird, finden erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Sortenentwicklung statt, in der Regel nach Zulassung. In einer Anzahl von Versuchen durchleuchtet die SAATEN-UNION pflanzenbauliche und physiologische Hintergründe, um deren Erkenntnisse dann in die Praxis und Selektion einfließen zu lassen. So wird das geeignete Sortenspektrum Zug um Zug erweitert.


  

 

Dr. Andreas Groß

Stand: 18.04.2008