Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Roggen hat sich in den letzen beiden Jahren vom „Interventionsgetreide“ zu einer sehr interessanten Marktfrucht entwickelt. Nachdem die Anbaufläche bereits zur Ernte 2007 deutlich ausgedehnt wurde
(+ 24 % zum Vorjahr) ist der Roggenanbau zur Ernte 2008 nochmals deutlich gestiegen. Mit + 11 % ist der Roggen in diesem Jahr die Getreideart mit der stärksten Flächensteigerung.

Verschiebungen in den klassischen Roggengebieten
Traditionell wächst Roggen auf leichten Sandstandorten in Nordwest- und Nordostdeutschland. Vor allem dort hat er von der Abschaffung der Flächenstilllegung profitiert, indem ertragsschwache Stilllegungsflächen wieder in Kultur genommen wurden. Gewonnen hat der Roggen aber vor allem auch auf den leichten Übergangsböden mit 30-40 Bodenpunkten, auf denen in den letzten Jahren mit nur wechselhaftem Erfolg Raps oder Weizen angebaut wurde. 

Roggen
Roggen
Darüber hinaus konnte der Roggen aber auch gegenüber der Wettbewerbskultur Triticale Anbauflächen gewinnen. Bei regionaler Betrachtung liegen die größten Roggenflächen weiterhin in Brandenburg und Niedersachsen, die relativ größte Anbauausdehnung mit + 37 % zum Vorjahr gab es allerdings in Mecklenburg-Vorpommern. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern jetzt den dritten Platz der wichtigsten Roggenländer vor Sachsen-Anhalt eingenommen.

Preisentwicklung
Maßgebende Bedeutung für den gestiegenen Roggenanbau hat die Preisentwicklung der letzten beiden Jahre, die diese Kultur auch auf den Übergangsstandorten zu einer echten Alternative zu Weizen und Triticale macht. Zudem sind die Roggen-Interventionsläger inzwischen aber geräumt und die Verarbeiter haben teilweise Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Roggen. Diese Nachfrage stützt jetzt den Roggenpreis am Markt.

Vermarktung
Wie kaum eine andere Getreideart ist Roggen sehr vielseitig einzusetzen und zu vermarkten: als hochwertiges Lebensmittel oder Futter, als Rohstoff für die Biokraftstoffherstellung oder die thermische Nutzung. 

Roggenanbauflächen
Roggenanbauflächen
Wenn auch der Absatz des Brotroggens seit Jahren schon stagniert, stieg in den letzten Jahren die Akzeptanz als Futtergetreide. In den Futtermarkt fließen die größten Mengen, da Roggenrationen mittlerweile vor allem in der Schweinemast und Rinderfütterung sehr wirtschaftlich sind. Mischungen von 40 % im Schweinefutter sind längst praxisreif und die negativen Diskussionen gehören der Vergangenheit an. 
Die Verarbeitung zu Bioethanol ist zwar gegenwärtig zum Erliegen gekommen, dafür ist Roggen als Ganzpflanzensilage nach Mais heute die zweitwichtigste Frucht in Biogasbetrieben. Auch von dem sich abzeichnenden „Strohboom“ wird dieses massenwüchsige Getreide profitieren können. 

Perspektive des Roggenanbaus
Als besonders robuste, produktive und energiesparende Frucht wird Roggen auf leichten und mittleren Böden dringend gebraucht. Der züchterische Fortschritt bei Roggen ist enorm und es stehen für alle Nutzungsrichtungen und Standortbesonderheiten geeignete Sorten zur Verfügung.

Viele Produzenten denken nicht nur über eine Erweiterung der Roggenflächen nach – oder haben diese bereits realisiert – sondern auch über eine Intensitätssteigerung. Denn die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten öffnen dem Roggen verschiedene Vermarktungskanäle, was auch in den nächsten Jahren zu einer Stabilisierung der Roggenpreise führen wird. Damit ist und bleibt der Roggen eine hoch interessante Kultur für den Anbau und die Vermarktung. Anbauflächen von über 900.000 ha, wie bereits in den 90er Jahren, sind dadurch in Deutschland mittelfristig wieder möglich.

Sönke Koop

 

 

     

Stand: 02.04.2008