Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Auf die Frage, was den Landwirten bei der Weizenproduktion besonders wichtig ist, kommt von den Praktikern eine eindeutige Antwort: Ertrag und Sicherheit. Mit diesem Thema beschäftigten sich daher die Referenten auf dem 25. Strube-Weizentag in Schlanstedt.

Vier Teilmengen auf Termin verkaufen
Um die Rahmenbedingungen für die Vermarktung der Ernte 2008 festzustecken, gab der Agrarjournalist und Marktexperte Jan Peters einen Überblick über den aktuellen Weizenmarkt.

Die hohen Weltmarktpreise seien im letzten Jahr besonders auf veränderte Anbaustrategien in den USA zurückzuführen. Aufgrund der Ausdehnung des Maisanbaus für Bioenergie seien in den USA über 30 % der Getreideexportmengen weggefallen. Zusammen mit den niedrigeren weltweiten Ernten 2007 habe dies die Grundlage für den hohen Preisanstieg bei Getreide gelegt. Seiner Einschätzung nach werde diese Entwicklung in den USA anhalten, und so den Markt weiter entlasten.

Die Schwarzmeerregion hat in diesem Jahr eine besonders hohe Ernte eingebracht, in der Ukraine wurde erstmalig die 40 dt/ha-Grenze übertroffen. Laut Peters drücke der dadurch entstandene Exportüberschuss besonders auf den Erzeugerpreis bei Futterweizen. Gute Marktaussichten bestünden aber wegen der weltweit hohen Nachfrage bei Qualitätsweizen. Entscheidend für den Vermarktungserfolg sei es, die besten Verkaufszeitpunkte zu finden. Peters gab den Bauern den Rat, die Ernte in vier Teilmengen auf Termin zu verkaufen. Auf diese Weise ließe sich das erhöhte Risiko in volatilen Märkten begrenzen.

Zum Ölsaatenmarkt bemerkte Peters, dass die Nachfrage weiterhin extrem hoch sei. China im­portiere mittlerweile 31 Mio. t Sojabohnen pro Jahr. Früher belief sich die Einfuhrmenge nur auf
6 Mio. t. Diese Verschiebung hingegen sei nur darauf zurückzuführen, dass China mehr auf den Anbau von Weizen und weniger auf den Anbau von Soja setze. „China kauft derzeit mehr Ölsaaten als Deutschland produziert.“

Hinsichtlich des verbreiteten Anbaus von gentechnisch veränderten Rapssorten weltweit fand Peters kritische Worte, die den Widerspruch zwischen Reden und Handeln hierzulande aufdecken: „Deutschland ist der größte Gegner der Gentechnik, weltweit jedoch der größte Importeur gentechnisch veränderter Produkte.“

Gesundheit nicht allein der Chemie überlassen
Der Weizenzüchter der Fr. Strube Saatzucht GmbH, Dr. Günter Welz, zeigte auf, dass trotz einiger Rückschläge in den letzten 20 Jahren ein leichter Ertragszuwachs zu messen ist. Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigten jedoch, dass bei den Erträgen weiter mit stärkeren jährlichen Schwankungen gerechnet werden müsse. Die Resistenzzüchtung ist bei Fr. Strube Saatzucht eine wesentliche Stütze der Ertragssicherheit. So konnte in Versuchen z. B. nachgewiesen werden, dass es in Befallsjahren eine eindeutige Korrelation zwischen Braunrost bzw. Septoria und dem Kornertrag gibt. „Je gesünder eine Sorte, desto höher ist der Ertrag“, lautete die einfache Formel des Züchters. Der Zusammenhang zwischen Ertrag und Krankheitsanfälligkeit konnte sowohl in der unbehandelten als auch in der behandelten Stufe nachgewiesen werden. „Ohne Resistenzen sind keine sicheren hohen Erträge möglich”, bemerkte Welz. Er stellte klar, dass die Züchter dieses Betätigungsfeld auch in der Zukunft nicht allein der Pflanzenschutzindustrie überlassen wollen.
Wie 2008 wieder festzustellen war, müsse man bei sehr hohen Erträgen in der Regel mit unterdurchschnittlichen Rohproteingehalten rechnen. Niedrigere Eiweißgehalte ließen aber seiner Aussage nach nicht automatisch auf ein schwächeres Backvolumen schließen. Hier gebe es deutliche Sortenunterschiede. „Es ist kein Problem, mit bestimmten Sorten auch mit nur 11 % Eiweiß qualitativ gute Brote zu backen“, stellte der Züchter klar.

Nach Angaben des Sortenexperten der LWK Niedersachsen, Gerhard Freimann, sei die Ablösung des umstrittenen Rohproteinwerts bei der Vermarktung bisher jedoch gescheitert. Es fehlte bisher ein Schnelltest, mit dem eine schnelle und exakte Qualitätseinstufung der angelieferten Partien möglich ist. „Wir brauchen ein belastbares neues Nachweisverfahren an der Gosse“, forderte Freimann in der Runde.

Korndichtetypen in Hochertragsjahren vorn
Hybridweizenzüchter Dr. Ralf Schachschneider von der Nordsaat Saatzucht GmbH führte die Ertragssteigerung in 2008 auf mehrere Faktoren zurück. So habe sich die Witterung über das Jahr sehr günstig auf die Entwicklung der Ertragsanlagen ausgewirkt. Entscheidend sei auch gewesen, dass es vielerorts gerade immer noch rechtzeitig geregnet habe, sodass die Pflanzen kaum unter Trockenstress gelitten und reduziert haben. Dies drücke sich insbesondere in der guten Kornausbildung und dem hohen Tausendkorngewicht aus, das viele Experten überrascht habe.
Die Züchtung von Hybridweizen beurteilt Schachschneider insofern als wichtig, als damit die Ertragsstabilität und die Stresstoleranz entscheidend verbessert werden. Die Hybriden hätten diese Vorteile besonders unter ungünstigen Wachstumsbedingungen bereits häufig nachgewiesen, entsprechend steige die Nachfrage. Da in diesem kleinen Segment dicht am Bedarf produziert werde, waren nach Produktionsausfällen in Frankreich 2008 einige Hybridsorten schon sehr früh ausverkauft.
Laut Schachschneider schließen sich Ertrag und Qualität mit den Neuzüchtungen nicht mehr generell aus. In normalen Jahren oder weniger ertragreichen Jahren können die A-Sorten durchaus mit den ertragstarken B- und C-Weizensorten mithalten. Nur in Hochertragsjahren wie 2008 würden die noch immer bestehenden Ertragsunterschiede deutlicher erkennbar. Dann zeige sich die genetisch verankerte höhere Leistungsfähigkeit dieser Sorten. Diese führte Schachschneider besonders auf die hohe Korndichte bei den B- und C-Sorten zurück.

Ertragssicherheit beginnt bei der Sortenwahl
Über Ertrag und Sicherheit in der Praxis und in Landessortenversuchen berichtete Dr. Gerhard Hartmann, von der LLFG Bernburg. Er stellte fest, dass die Erträge in Abhängigkeit des Bodens, der Jahreswitterung und der Bewirtschaftung extrem stark schwanken können. Aus diesem Grund sollten sich die Landwirte immer an mehrjährigen Sortenversuchsergebnissen orientieren. Einjährige Ergebnisse von nur einem Standort seien nicht übertragbar und würden ein hohes Risiko in sich bergen. Die Wahl solle auf ertragsstabile Sorten fallen, die über mehrere Jahre zumindest den ortsüblichen Durchschnittsertrag bringen. „Mit dieser Strategie wird zwar in Hochertragsjahren Geld verschenkt, anderseits ist man mit solchen Sorten aber vor unkalkulierbaren Ertragseinbrüchen gefeit“, bemerkte der Sortenexperte. Es gebe Sorten, die z. B. bei der Variante pfluglos ertraglich besser abschneiden. Daher sollte die Sortenfrage auch nach dem Bodenbearbeitungsverfahren (z. B. mit Pflug oder pfluglos) entschieden werden.
Auch für die verschiedenen Anbauverfahren wie Stoppelweizen oder Mulchsaaten differieren die Sortenempfehlungen. Darauf sollte unbedingt ge­achtet werden, wenn man die Ertragssicherheit im Auge habe. Ferner riet Hartmann den Landwirten, mehrere Sorten anzubauen, da eine Sorte nicht unter allen Bedingungen sichere Erträge bringen könne. Durch eine hohe Sortenvielfalt könnten zudem einzelne Hochertragssorten länger im Anbau gehalten werden. Es sei falsch, nur einseitig auf den Ertrag zu achten, ohne auch die Qualität bei der Sortenauswahl zu berücksichtigen. So gehören Sorten mit bester Stresstoleranz oder Hybridweizen eher auf schwächere Standorte, Allroundsorten und anspruchsvollere Qualitätsweizen dagegen mehr in Hochertragsregionen.
 

Werner Raupert
 

Stand: 10.10.2008