Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Da Mais inzwischen in nahezu allen Regionen Deutschlands in bedeutendem Umfang angebaut wird, müssen sich andere Sommerkulturen in erster Linie mit dieser Fruchtart messen. Preise für Körnermais als leicht handelsfähige Ware sind zuverlässiger zu ermitteln als für Silomais. Dr. Herbert Funk, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, hat seine Vergleichsrechnung zu den Sommerkulturen deshalb auf Körnermais bezogen.

Wegen der überraschend hohen Getreideernte kamen die Futtergetreidepreise im Sommer 2008 unter erheblichen Preisdruck. Das wirkte sich auch auf den Körnermaismarkt aus. Ende August war für Oktober 2008 mit Körnermaispreisen je nach Region von etwa 170-180 €/t zu rechnen. Zur gleichen Zeit lagen die Terminkurse von Weizen und Mais und damit die allgemeine Preiserwartung für Herbst 2009 um 5-10 €/t über denen für Herbst 2008.

Wettbewerbsfähigkeit Sommerungen zu Mais
Wettbewerbsfähigkeit Sommerungen zu Mais
Braugerste mindestens 1 €/dt über Körnermais
Bei einem für Herbst 2009 angenommenen Körnermaispreis von 190 €/t müsste der Braugersteerlös bei annähernd 200 €/t liegen, damit Braugerste wirtschaftlich mit Körnermais mithalten kann. (Selbstverständlich kann sich die Marktsituation in einem Jahr aber wieder anders darstellen.) Dabei ist ein Ertrag von 90 dt/ha für Körnermais und von 50 dt/ha für Sommergerste unterstellt. Für Sommergerste wurde zu 80 % Braugerste- und zu 20 % Futtergerstequalität (40 €/t weniger Erlös) angenommen. Mit dieser Aufteilung soll nicht nur dem Sortierabgang, sondern besonders auch dem Risiko Rechnung getragen werden, dass in manchen Jahren überhaupt keine Braugerstequalität erreicht wird. Wenn es gelingt, mit einem Beregnungsaufwand von 100 €/ha einen Mehrertrag von 10 dt/ha zu erzielen, kann auch ein um einige €/t niedrigerer Braugersteerlös zur Wettbewerbsfähigkeit reichen. Bei stark erhöhten Kosten der Beregnung ist das aber nur in günstigen Fällen möglich.

Hohe Trocknungskosten begünstigen Sommergetreide
Noch stärker belasten den Körnermais die gestiegenen Energiekosten wegen des sehr hohen Trocknungsaufwands. Sommergerste, Hafer und auch Erbsen sind von höheren Trocknungskosten viel weniger betroffen. Ihre Wirtschaftlichkeit hat sich deshalb gegenüber dem Körnermais durch die Energieverteuerung seit einem Jahr zunächst relativ verbessert. Allerdings begünstigt der hohe Ölpreis in gewissem Umfang die Umwidmung von Körnermais zu Silomais. Dies gilt besonders, falls sich der Mais 2009 weniger üppig entwickeln sollte als in diesem Jahr. Denn der Silomaisbedarf zur Futternutzung und zur Biogaserzeugung ist recht stabil und damit weitgehend vorgegeben. Je höher der voraussichtliche Silomaisanteil ist, umso weniger fallen in der Summe die den Maisanbau besonders belastenden Energiekosten ins Gewicht. Dort, wo die übrigen Sommerkulturen in erster Linie mit Silomais konkurrieren, werden also eher höhere Erlöse für Braugerste, Hafer etc. erforderlich sein als dort, wo sie voraussichtlich mit Körnermais im Wettbewerb stehen.

Welche Preise für die übrigen in Betracht kommenden Sommerkulturen notwendig sind, wenn sich der Maispreis verändert, ist aus der Abb. 1 zu entnehmen.

Gleichgewichtspreis Sommungen in Abhg. vom preis Körnermais
Gleichgewichtspreis Sommungen in Abhg. vom preis Körnermais
So wirken sich Energiepreisänderungen aus
Die in der Grafik dargestellten Relationen ergeben sich bei den im Sommer 2008 aktuellen Energiepreisen. Unterstellt man einen möglichen Rückgang um 20 % für Diesel und Heizöl bei ansons­ten unveränderten Annahmen (Tab. 1), dann senken sich die variablen Kosten bzw. erhöht sich der Deckungsbeitrag entsprechend für Erbsen nur um 15 €/ha, für Braugerste und Hafer um 24 €/ha, für Körnermais aber um 104 €/ha. Sinkende Energiekosten würden also den Körnermais wieder viel mehr begünstigen als die anderen Kulturen. Allein die Entlastung durch geringere Trocknungskosten würde in diesem Fall mit 86 €/ha zu Buche schlagen.

Die zur Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Körnermais erforderlichen Mindestpreise erhöhen sich im Falle von um 20 % niedrigeren Energiekosten damit entsprechend.

Bei Leguminosen auch den Vorfruchtwert berücksichtigen
Die Erzeugerpreise für Braugerste (ohne vertragliche Bindung) lagen zur diesjährigen Ernte meist zwischen 185 und 200 €/t und damit in der Regel etwas unterhalb der aktuellen Wettbewerbsschwelle gegenüber Mais. Auch Hafer erreichte zuletzt nur im Ausnahmefall annähernd das zur Wettbewerbsfähigkeit notwendige Niveau. In der Regel war es nur dann möglich, wenn ein hoher Anteil in Schälmühlenqualität mit einem Naturalgewicht von mindestens 55 kg/hl oder wenn Futterhafer auf kurzem Weg direkt abgesetzt werden konnte.

Erbsen können bei einem Preis von über 205 €/t konkurrieren, wenn ihnen ein Vorfruchtwert von 150 €/ha (50 kg/ha N-Einsparung und 4 dt/ha Mehrertrag bei der Folgefrucht) zugutegehalten wird. Aufgrund des geringen Anbaus ist es in vielen Regionen leider nicht immer möglich, verlässliche Preise zu ermitteln. Die wenigen verfügbaren Informationen über Erbsenpreise frei Lager bewegen sich zwischen 200 und 230 €/t. Im ökologischen Landbau dürften Erbsen und andere Körnerleguminosen ihren Stellenwert ohnehin behalten.

Wenn die Preisrelationen der wichtigsten Sommerkulturen bis zum kommenden Frühjahr so bleiben, wäre davon auszugehen, dass der Maisanbau erneut zulegen kann und die anderen Kulturen eher wieder Anbaufläche verlieren werden. Besonders bei nachgebenden Energiepreisen, werden im Anbaujahr 2009 zum Teil höhere Er­zeugerpreise für Sommergerste, Hafer und Erbsen erforderlich sein, um mit dem Maisanbau mithalten zu können. Denn entsprechend geringere Trocknungskosten würden den Körnermais überproportional begünstigen. Bei Silomais wirken sich sinkende Energiepreise kaum aus, auch weil die Nachfrage sowohl aus dem Futtersektor als auch aus dem Biogasbereich weitgehend konstant bleiben wird.

Dr. Herbert Funk

Stand: 15.10.2008