Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Früher oder später ist die Finanzkrise ausgestanden. Nach den überfälligen Bereinigungsprozessen wird die Konjunktur wieder anziehen damit auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Bis dahin heißt es allerdings: aufpassen, die Gemengelage ist gefährlich! Nie zuvor schwankten bei Marktfrüchten die Erträge und gleichzeitig die Preise so stark wie heute, die Kosten für Betriebsmittel notieren trotz Korrektur immer noch auf Rekordniveau.

Bei hohen Ertrags-, Kosten- und Preisrisiken ist die Anbauplanung für 2009 von besonderer Unsicherheit behaftet. „Gewinn gleich Ertrag mal Preis minus Kosten“ – gleich zwei Faktoren dieser Gleichung sind für 2009 Unbekannte.

Erbse
Erbse
Drei Ziele stehen jetzt im Fokus: Die Erträge sind zu stabilisieren, die Direktkosten im Griff zu behalten und die Festkosten zu senken. Ohne Sommerungen geht das nicht, sie sind unverzichtbar …

  • für gesunde Fruchtfolgen: mit einem geringeren Ungras, Schädlings- und Krankheitsdruck
  • für geringere Arbeitserledigungskosten: aufgrund verbesserter Arbeitsverteilung und höherer Maschinenauslastung
  • für die Bodenfruchtbarkeit: Sommergetreide spart Bodenwasser und verbessert die Humusbilanz, Leguminosen stimulieren die Ertragsfähigkeit eines Standorts weit über die N-Akkumulation hinaus!
  • für die Ertragsoptimierung: Späte Sommerungen wie Rüben, Kartoffeln und insbesondere die C4-Pflanze Mais nutzen das hohe Wasser- und Lichtangebot im Juli und August sehr effizient, die Erträge der Fruchtfolge werden gesteigert und stabilisiert.

Beispiel Verungrasung
In vielen Fruchtfolgen wird die Vergrasung mit Windhalm, Ackerfuchsschwanz und Trespen zum Problem, zumal sich zunehmend Resistenzen gegenüber Herbiziden entwickeln und keine neuen Wirkstoffgruppen absehbar sind. Nur ackerbauliche Lösungen, Sorten mit starker Konkurrenzkraft (z.B. AKRATOS) und „echte“ Fruchtfolgen helfen. Schon Roggen oder frühräumende Wintergerste statt Weizenmonokultur nehmen Druck weg. Mit Sommerungen in der Fruchtfolge ist das Problem am besten in den Griff zu bekommen.

Die Kosten im Griff
Fruchtfolgen dürfen nicht nur unter einjährigen Deckungsbeitrags-Gesichtspunkten diskutiert werden. Durch eine bessere Arbeitsverteilung und damit geringere Arbeitserledigungskosten, eine höhere Bodenfruchtbarkeit und geringere Pflanzenschutzaufwendungen kann der Betriebsgewinn nachhaltig steigen.

Hinzu kommt, dass durch die immer längere Herbstvegetation die spätere Ernte der Sommerungen kein Nachteil mehr ist. Wintergetreide muss in milden Lagen ohnehin etwas später gesät werden. Auch die Hybridrapssorten können später gesät werden und passen perfekt nach Körnererbsen, die ihrerseits als zweite Blattfrucht sehr enge Rapsfruchtfolgen auflockern können.

Welche Sommerung sich im Einzelfall lohnt, hängt vom Standort ab, von den Verwertungsmöglichkeiten und natürlich vom Know-How des Betriebsleiters.

Direktkosten Sommerungen
Direktkosten Sommerungen
Abb. 1 gibt einen Überblick über die Produktionskosten der verschiedenen Sommerungen ohne Zinsen und Pachten. Die Werte können natürlich im Einzelfall beträchtlich schwanken, zumal z.B. die Kosten für Dünger und Treibstoffe im aktuellen Marktverlauf kaum zutreffend zu kalkulieren sind. Am geringsten sind die Produktionskosten für Hafer und Leguminosen, am höchsten für Grün- und Körnermais, in diesem Vergleich allerdings kalkuliert mit reiner Mineraldüngung.

Für die vergleichende Rentabilitätsbetrachtung der Sommerungen gibt es verschiedene Möglichkeiten. In Tab. 1 wurde die Rentabilitätsschwelle auf den Kornertrag bezogen.

Die langfristige Rentabilitätszahl beschreibt den notwendigen Kornertrag zur Deckung aller Produktionskosten inklusive der Entlohnung von Boden, Arbeit und Kapital. Die kurzfristige Rentabilitätszahl berücksichtigt die variablen Kosten, ebenfalls korrigiert um den unterschiedlichen Vorfruchtwert und spezielle Ausgleichszahlungen für Protein- und Energiepflanzen. Je eher diese Rentabilitätsschwelle für eine Fruchtart einzelbetrieblich zu überwinden ist, umso vorteilhafter ist diese für den Betriebsgewinn.

Leguminosen so wirtschaftlich wie lange nicht
Sehr gut sieht die Rechnung bei Leguminosen aus. Die Produktionskosten sind dank eingesparter N-Düngung sehr niedrig, außerdem profitieren sie von der Proteinpflanzenprämie und einem herausragenden Vorfruchtwert. Dieser resultiert aus 4 dt/ha Mehrertrag der Folgefrucht bei gleichzeitig 50 kg/ha Stickstoffersparnis (Funk 2008) und wird hier für 2009 mit 130 €/ha kalkuliert. Auf mittleren bis besseren Standorten ist mit den modernen Sorten die langfristige Rentabilitätsschwelle von 34 dt/ha leicht zu erreichen. Bei entsprechenden Verwertungsmöglichkeiten sind Erbsen, Bohnen und auch Lupinen so wirtschaftlich wie lange nicht mehr.

Rentabilitätsschwelle
Rentabilitätsschwelle
Sommerraps drischt im langjährigen Mittel gut 20 dt/ha, Sonnenblumen etwa 10 % mehr. Beide Fruchtarten erreichen damit nur unter günstigeren Bedingungen die langfristige Rentabilitätsschwelle.

Sommergetreide: Ab 50 dt/ha wird Geld verdient
Bei Hafer, Braugerste und Durum sind nach der vorgestellten Kalkulation ab 50 dt/ha alle Kosten bezahlt. Allerdings nur, wenn über eine herausragende Produktqualität entsprechende Preise erzielt werden. Zur Berechnung der Rentabilitätsschwelle ist ein Mischpreis anzunehmen, der sich aus dem zu erwartenden Anteil an der hochpreisigen Absatzware ergibt.

Bei Durum sind Spitzenqualitäten am ehesten auf tiefgründigen Böden in Trockenregionen zu erreichen, bei Hafer und Braugerste eher in späteren Lagen. Letztere zudem vor allem auf Standorten mit geringer N-Nachlieferung. Sommerfuttergerste passt bei hoher Ertragsleistung vor allem in Veredelungsregionen, Sommerweizen mit Wechselweizeneignung sind hochwirtschaftlich vor allem bei Spätherbstaussaat.

Mais: Mehr Produktivität für jede Fruchtfolge
Mais ist der Gewinner des Klimawandels, als C4-Pflanze profitiert er ertraglich von höherer Einstrahlung genauso wie vom höheren Temperaturangebot und von steigenden CO2-Werten. Hinzu kommt ein enormer züchterischer Fortschritt und damit verbunden auch mehr Ertragssicherheit auf raueren Lagen. Vor allem Betriebe, die nicht schon mit Rüben oder Kartoffeln das hohe Wasser- und Wärmeangebot im Juli und August nutzen, können mit Mais die Produktivität ihrer Fruchtfolge nachhaltig erhöhen. Auch Marktfruchtgebiete nutzen das hohe Biomassepotenzial und vermarkten heute Frischmais ab Feld. Das lohnt sich, sofern sie bei Preisen von beispielsweise 8 €/dt TM mindestens 120 dt TM abrechnen können. Hierbei ist allerdings keine Nährstoff(rück)lieferung über die Gülle kalkuliert, sondern der Vergleichbarkeit wegen wie bei den anderen Früchten der monetäre Nährstoffentzug. Körnermaisanbau lohnt sich bei den angenommenen Kostenstrukturen ab 90 dt/ha Ertragsniveau. Der Anbau ist deshalb vor allem auf Standorten mit günstiger Abreife wirtschaftlich (geringe Trocknungskosten) und wird interessanter mit den gegenwärtig sinkenden Energiekosten und als Feuchtkornsilage.

Sven Böse
 

Stand: 13.01.2011