Aktuelle Ausgabe 04/2018

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In vielen Regionen Deutschlands hat Sorghum zur Biomasseproduktion seinen Platz gefunden. Sehr gut etabliert hat sich Sorghum als Folgefrucht nach Grünroggen bzw. nach Roggen-GPS. Entscheidend für die Erträge sind die Faktoren Aussaatzeitpunkt und verfügbares Wasser zum Zeitpunkt der Jugendentwicklung.

In einem Fruchtfolgeversuch an den Standorten Moosburg (Bayern) und Rendsburg (Schleswig-Holstein) konnten dazu interessante Ergebnisse gewonnen werden. Angebaut wurden die beiden Sorghumsorten GOLIATH und BOVITAL zu vier verschiedenen Aussaatzeitpunkten nach Grünroggen (erster und zweiter Saatzeitpunkt) und Roggen-GPS (dritter und vierter Saatzeitpunkt).

In Moosburg wurde Grünroggen mit 6,3 t TM/ha bei 19 % TS und Roggen-GPS mit 8,9 t TM/ha bei 32 % TS geerntet. Das Niveau war geringer als 2007.

Erträge Rendsburg
Erträge Rendsburg
Am Standort Rendsburg (Schleswig-Holstein) wurde die N-Düngung dem geplanten Erntezeitpunkt angepasst: Grünroggen erhielt 120 kg N/ha und Roggen-GPS 140 kg N/ha. Die Ernte erfolgte unmittelbar vor der Aussaat der Folgefrucht Sorghum. Je später diese erfolgte, desto höher der TM-Ertrag des Roggen bis hin zu einer Verdreifachung (siehe Abb. 1).

Die Trockenheit im Mai bis Mitte Juni in Schleswig-Holstein beeinflusste entscheidend die Jugendentwicklung beim Sorghum. So konnten die frühen Aussaattermine die Zeit nicht zur Bildung von Trockenmasse nutzen. Die erzielbare Gesamtbiomasse war somit für die ersten 3 Aussaattermine ähnlich hoch. Zwischen den beiden eigentlich sehr unterschiedlichen Sorghumsorten konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden (siehe Abb. 2).

Ganz das Gegenteil konnte man im Süden beobachten. Der frühe Aussaattermin T1 (9. Mai) war dem späten Termin T4 (2. Juli) bei beiden Sorten um das 1,5 fache überlegen (siehe Abb. 2).

Biomasse Saatzeit
Biomasse Saatzeit
Die Sorte Goliath erreichte eine Wuchshöhe von mehr als 4 m. Die verhaltene Düngung von 120 kg N/ha (inkl. Nmin) einheitlich für alle 4 Aussaattermine führte dazu, dass trotz starker Niederschläge im September kein Lager auftrat.

Im Süden die bessere Leistung
Die Ergebnisse beider Standorte charakterisieren sehr gut die Situation in den entsprechenden Regionen. Insbesondere der südliche Standort zeigt das große Potenzial eines 2-Kultur-Nutzungssystems wenn genügend Wasser zur Verfügung steht. Bei dieser Voraussetzung kann das Niveau durch entsprechend aufeinander abgestimmte Sorten weiter gesteigert werden. Regional spezifische Versuche können für die Biogasanlagen in der Region wertvolle Hinweise für die Biomasseproduktion geben. Insbesondere die Trockensubstanz bei der Folgekultur ist abhängig von den Witterungsbedingungen im September. Genügend Wasser und Wärme, wie in Süddeutschland, führt zu einer Bevorzugung der späten Sorten, wie GOLIATH aber mit geringerem Trockensubstanzgehalt (siehe Abb. 3). Dieses zeigt sich insbesondere unter den Stressbedingungen in Schleswig-Holstein. Auffällig ist, dass die gewünschten 25 % TS-Gehalte im Norden nicht realisiert werden konnten. Im Süden war dies nur zu den beiden „frühen“ Aussaatzeiten (9.5. und 27.5.) möglich.

TS-Gehalt Saatzeit
TS-Gehalt Saatzeit


Auf das Wasser kommt es an
Festzuhalten bleibt, dass Fruchtfolgesysteme auf mangelnde Wasserversorgung besonders bei der Sommerkultur empfindlich reagieren. Standort angepasste Bodenbearbeitung – z. B. Grubber statt Pflug – kann hier etwas ausgleichen, das fehlende Wasser aber nicht ersetzen. Als Winterzwischenfrucht ist Grünroggen besonders flexibel in der Nutzung: Durch ein späteres Beernten etwa in Stadium EC 71 können Trockenperioden sehr gut überbrückt werden. Daher ist Grünroggen in Gebieten mit häufiger Frühsommertrockenheit ideal.
Biomasseertrag
Biomasseertrag


Insbesondere Roggen als Winterzwischenfrucht oder auch als GPS hat sich in den meisten Versuchen und auch in der Praxis am besten bewährt. Die Aussaatflexibilität und die gut an die Verwendung angepassten Pflanzenschutz- und Düngungsmaßnahmen helfen, die Kosten zu minimieren. Seine Erträge bestimmen maßgeblich den Gesamtbiomasseertrag der Gesamtfruchtfolge (Abb. 4).

Dr. Heinrich Wortmann

Stand: 17.12.2008