Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Kurt Horst ist landwirtschaftlicher Quereinsteiger und hat sich im Laufe der Jahre zum passionierten Ackerbauern entwickelt. Mit dem Anbau des Stoppelweizens MULAN hat er 2007 begonnen und erlebte in zwei Anbaujahren „eine Achterbahn der Gefühle“. Ein ungewöhnlicher Erfahrungsbericht.

Der Betrieb von Kurt Horst liegt in dem kleinen Dörfchen Rüber in der Nähe von Koblenz. Mildes Klima, fruchtbare Böden und ausreichende Niederschläge sind Kennzeichen der als Maifeld bekannten Ackerbauregion. Neben Zuckerrüben, Raps und Gerste baut Horst dort knapp 50 Hektar Weizen an, rund 35 Prozent davon entfallen auf Stoppelweizen.

Kurt Horst
Kurt Horst

„Lange Jahre säte ich auf diesen Flächen nur eine einzige Sorte aus“, erläutert Horst. „Das wurde mir auf Dauer zu risikoreich. Deshalb suchte ich nach einer zweiten, winterharten Sorte. Ich habe mich 2007 dann dazu entschieden, auf rund fünf Hektar die Sorte MULAN zu testen.“

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Die Bestände, ausgesät mit 280 Körnern je Quadratmetern, entwickelten sich prächtig, „bis zum Frühjahr“, schränkt Horst ein. „An den Pflanzen zeigten sich plötzlich undefinierbare braune Flecken, wie ich sie so an anderen Sorten noch nie gesehen hatte. Ich bekam Angst, dass mir die Sorte total wegbricht.“ Fungizidbehandlungen brachten keine Besserung, die Auskünfte der Pflanzenschutzberatung („Das wächst sich wieder aus“) beruhigten Kurt Horst nur wenig. Nach dem Bestocken hatte der Bestand zudem weniger Triebe als gewohnt gebildet. „Was soll da nur rauskommen?“ Diese Frage stellte sich Horst fast täglich. Doch die Sorge war unbegründet: Im Mai trennten sich die Getreidepflanzen vom unteren, braunen Blattapparat und zogen los. Der obere Blattapparat entwickelte sich kerngesund und die Blattscheide brach schon auf, als die zweite Sorte noch im EC 37 stand. „Von da an bin ich wieder gerne zu den Flächen gefahren“, erinnert sich Horst. „Die Ährenanlagen waren super entwickelt, der Bestand war leicht zu führen und kam gut mit den Nährstoffen zurecht. Und obwohl die Sorte etwas länger ist, überzeugte MULAN mich durch seine Standfestigkeit.“

Der Schrecken des Frühjahres in in den unteren Blattetagen noch zu erkennen
Der Schrecken des Frühjahres in in den unteren Blattetagen noch zu erkennen
Mit der Ernte sehr zufrieden
Auch die Ernteergebnisse stimmten. „MULAN stand auf mageren, oft wechselnden Böden, Flächen, auf denen 80 dt/ha nicht selbstverständlich sind. Er brachte dort 86 dt/ha bei guten Qualitäten und das einige Tage früher als gewöhnlich.“ Die „Schrecken des Frühjahrs“ waren vergessen und Horst säte im Herbst 2008 12 Hektar MULAN aus, diesmal mit 300 Körnern. „Und wieder trieb mich dieser B-Weizen an den Rand des Wahnsinns“, erinnert sich Horst und lächelt. Denn inzwischen weiß er, dass die Aufregung erneut umsonst war. Der plötzliche Wechsel von einem harten Winter zu einem sehr warmen und trockenen Frühjahr versetzte die Bestände in eine extreme Stresssituation. MULAN reagierte prompt mit den bereits bekannten Stressflecken auf den unteren Blättern. Fungizidbehandlungen, der Einsatz von Wachstumsreglern, eben das normale Programm, führten zu keinen sichtbaren Ergebnissen. Auch der späte Regen Ende April änderte zunächst wenig.

Anfang Mai passierte es dann wieder. Die Sorte trennte sich vom unteren Blattapparat und der zunächst nicht so üppig wirkende Bestand entwickelte sich rasant. „Weniger Blattmasse bedeutet auch, dass für die Kornausbildung mehr Wasser zur Verfügung steht. Und das mündet in einen guten Ertrag“, weiß Kurt Horst heute, der inzwischen viel Freude an diesem Weizen hat, trotz oder gerade wegen der physiologischen Besonderheiten. „Im B-Weizenbereich gibt es für mich derzeit keine Alternative, zumal ich mit der relativ frühen Sorte auch Arbeitsspitzen brechen kann. In diesem Jahr werde ich die Fläche noch einmal ausweiten. Mal sehen, wie meine Nerven das verkraften.“

 

Friederike Krick

Stand: 23.09.2006