Aktuelle Ausgabe 03/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Impressum

Datenschutzerklärung

Im vergangenen Jahr wurden durch die Beratungsringe in Schleswig-Holstein in  1.197 Milchviehbetrieben Vollkostenauswertungen erstellt. Die Ergebnisse werden in der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zusammengefasst und ausgewertet. Die 25 % erfolgreichen Betriebe haben 2008 im Vergleich zu den 25 % weniger erfolgreichen Betrieben nicht nur größere Herden und eine deutlich bessere Leistung pro Kuh.

Mit 11 Cent pro ECM* fallen auch deutlich geringere Grundfutterkosten an. Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein erläutert, wo die Ursachen liegen und wie Betriebe – nicht nur in Schleswig-Holstein – ihre Grundfutterkosten optimieren können. Einsparungen bei den Grundfutterkosten und qualitätive Optimierungen der Silagen sind wesentliche Stellschrauben.


Im Durchschnitt wurden auf schleswig-holsteinischen Betrieben 86,6 Kühe je Betrieb gehalten, die durchschnittliche Milchleistung lag bei 8.265 kg ECM. Die Berechnungen erfolgten nach dem DLG-Vollkostenschema (s. Kasten). 

   Vollkostenberechnung nach DLG:

  • Die Bereiche Milchproduktion, die Jungviehaufzucht und der dazu gehörige Futterbau werden getrennt ausgewertet und am Ende
  • zu einem Betriebszweig zusammengefasst.
  • Alle Leistungen und Kosten dieses Betriebszweigeswerden auf 1 kg Milch bezogen.
  • In die Kostenermittlung gehen sowohl die Be triebsausgaben, als auch die Abschreibungen und die Faktoransprüche für die
  • geleistete Arbeit der Betriebsleiterfamilie, der Pachtanspruch für die Eigentumsfläche sowie ein Zinsanspruch für das eingesetzte Eigenkapital ein.

Die so ermittelten Vollkosten lagen im Durchschnitt bei 38,6 Cent je kg ECM. Die Summe der Leistung je kg ECM lag bei 43,6 Cent. 38,3 Cent davon stammen aus dem Milchverkauf, weitere 5,3 Cent aus den Nebenerlösen durch Altkuh- und Kälberverkäufe und der Bestandaufstockung. Wenn man vom Erlös von 43,6 Cent die Vollkosten von 38,6 Cent abzieht, verbleibt ein positives kalkulatorisches Betriebszweigergebnis (kalk. BZE) von 5,0 Cent je kg. Dieses Ergebnis wird aufgrund des Milchpreisverfalls wohl in absehbarer Zeit nicht wiederholt werden können.

Gute Betriebe erwirtschaften 11 Cent je kg mehr
Aufschlussreich ist die Auswertung der Betriebe nach ihrem Wirtschaftserfolg, hier gemessen am kalk. BZE je kg ECM. Die Differenz zwischen den Vollkosten der 25 % erfolgreichen Betriebe gegenüber den 25 % weniger erfolgreichen Betrieben betrug fast 11 Cent je kg ECM.

Woran liegt das?  Zum einen waren die Herden der erfolgreichen Betriebe mit durchschnittlich 101 Kühen um etwa 29 Kühe größer. Zum anderen kommt hinzu, dass die Tiere mit 9.099 kg fast 1.160 kg mehr produzierten als die Kühe der weniger erfolgreichen Betriebe. Dadurch ergeben sich schon in vielen Kostenblöcken erhebliche Degressionsvorteile.

Unterschiede in den Grundfutterkosten sind erheblich
Betrachtet man die Zusammensetzung der Vollkosten (s. Abb. 1), stellt man fest, dass das Futter in allen Betriebsgruppen nahezu 50 % der gesamten Kosten verursacht. Etwa 40 % der Differenz von 11 Cent sind durch unterschiedlich hohe Futterkosten verursacht. Die Kraftfutterkosten, die je kg ECM im Mittel 7,8 Cent betragen, variieren zwischen den besseren Betrieben und den weniger erfolgreichen Betrieben nur um 1 Cent je kg. Bei den durchschnittlich bei 11,2 Cent/kg ECM liegenden Grundfutterkosten sind die Unterschiede zwischen den Betrieben mit einer Differenz von 3,8 Cent deutlich größer.

Kostenstrukur Milchproduktion
Kostenstrukur Milchproduktion
In der Auswertung wurden die Grundfutterkosten vorab zu Vollkosten berechnet. Abschreibungen der eigenen Maschinen, Zinsansatz für Maschinen- und Umlaufvermögen, Lohnanspruch für die Familienarbeit und Pachtanspruch für die Eigentumsflächen zählen zu den direkten Ausgaben (Saat, Pflanzenschutz, Düngung, Maschinen, Diesel, Lohnunternehmer, anteilige Pachten etc.). Einzelbetrieblich interessiert natürlich, worin diese große Differenzen begründet sind. Nur wenn man die Ursachen kennt, hat man auch Möglichkeiten, sich zu verbessern.

Qualität und Menge bestimmen Grundfutterkosten
Die Auswertungen des Futterbaues zeigen die Überlegenheit des Silomaises bei den Felderträgen, der Energiekonzentration und den Kosten je 10 MJ NEL (Tab. 1). In den Milchviehrationen werden deshalb mindestens 6 kg bis 8 kg Trockenmasse Silomais angestrebt. Bei der Grassilage ist die Qualität von besonderer Bedeutung. Im ersten Schnitt sollten mindestens 6,4 MJ NEL und in den Folgeschnitten mindestens 6,2 MJ NEL je kg Trockenmasse erreicht werden. Sowohl bei der Gras- als auch bei der Maissilage gibt es bei den ermittelten Vollkosten je Hektar nur geringe Unterschiede.

Ergebnis grundfutter 2007/2008
Ergebnis grundfutter 2007/2008
Bei Ertrag und Qualität trennt sich die Spreu vom Weizen
Die Unterschiede bei den Felderträgen und der Futterqualität sind sehr viel größer. Dies trifft insbesondere auf die Grassilage zu. Hier schwanken die Trockenmasseerträge von 70 und 130 dt je Hektar. Die Energieerträge bei der Grassilage reichen sogar von 44.000 bis zu 78.000 MJ NEL je Hektar. Neben Wasserzufuhr und Bodenqualität hat die Bewirtschaftung einen entscheidenden Einfluss auf die Ertragsbildung. Es beginnt bei der Zusammensetzung der Grasnarbe und endet in der Sorgfalt der Silierung. Oft wird der Einfluss der Zusammensetzung der Grasnarbe unterschätzt: Auf Dauer reicht es nicht aus, nur darauf zu achten, dass keine Lücken in der Narbe entstehen und Unkraut zu bekämpfen.

Die Ergebnisse aus den Betrieben, die regelmäßig neue leistungsstarke und ernteelastische Gräser oder Grasmischungen einsetzen, zeigen deutlich, wie leistungsfähig Grasnarben heute sein können.

Die großen Kostendifferenzen in der Ration sind zum größten Teil auf die Qualität des Grundfutters und hier insbesondere der Grassilage zurückzuführen. Nur mit qualitativ hochwertigen Gras- und Maissilagen kann eine hohe Grundfutteraufnahme erreicht werden – der Grundstein für eine leistungsfähige und kostengünstige Ration. Wenn diese Grundration dann mit den passenden Einzelkomponenten oder einem entsprechenden Mischfutter in der Menge korrekt ergänzt wird, können sowohl hohe Milchleistungen als auch niedrige Futterkosten erreicht werden.

Fazit
In Zeiten niedriger Milchpreise müssen die Betriebe hohe Milchleistungen mit niedrigen Futterkosten erreichen. Mit Hilfe der Beratung sollten deshalb zunächst die Futterkosten ermittelt und Schwachstellen aufgedeckt werden. Denn das Geld wird im Stall nur verdient, wenn bei der Grundfutterproduktion sowohl auf dem Feld als auch bei der Silierung konsequent auf Qualität hingearbeitet wird.

Bald werden die Eckpunkte für die Futterproduktion des nächsten Sommers und für die Fütterung des nächsten Jahres gelegt. Die Werbung von Qualitätsgrundfutter steht dabei an erster Stelle. 

Johannes Thomsen

* ECM=Energy corrected Milk, 4 % Fett, 3,4 % Eiweiß

Stand: 23.06.2009