Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Die Fallzahl (FZ) ist ein wichtiges Kriterium bei der Vermarktung. Sie misst die Aktivität der stärkeabbauenden Enzyme im Weizenkorn. Bei sehr niedrigen Fallzahlen lassen sich die Partien aufgrund schlechter Backqualität oft nicht mehr als Backweizen vermarkten. Dr. Ralf Schachschneider und Manuela Heinze entwickelten ein neues Verfahren zur Ermittlung der Fallzahlstabilität. Denn...

...bisher war die einzige Orientierungshilfe die Einstufung des Bundessortenamtes. Besonders nasse Erntejahre zeigen jedoch: Diese Groborientierung bezüglich der Fallzahlhöhe reicht nicht aus!

Niederschläge kurz vor der Ernte gehen zu Lasten der Fallzahl
Niederschläge kurz vor der Ernte gehen zu Lasten der Fallzahl
Die Höhe der FZ wird vorwiegend von der Sorte und dem Zusammenwirken von Sorte und Wetter während der Kornfüllungsphase und der Ernte beeinflusst. Unter „normalen“ Bedingungen – keine Kältephasen während der Kornfüllung, kein Lager und eine trockene Ernte – liegt die FZ oberhalb kritischer Werte, mit deutlichen Sortenunterschieden. „Ungünstige” Bedingungen wie Nächte mit geringer Temperatur während der Kornfüllungsphase oder feucht/nasse Erntebedingungen können die FZ stark reduzieren: Die Keimruhe des heranwachsenden Keimlings sinkt und die Enzymaktivität steigt.

Das Zusammenwirken von Sorte und Witterung ist vom physiologischen Zustand des Bestandes abhängig. Auf gleiche Einflüsse können die Sorten somit an verschiedenen Standorten unterschiedlich reagieren. Das macht es unmöglich, die FZ im Voraus zu berechnen.

Allerdings kann man beobachten, dass relativ oft frühere Sorten stärker auf ungünstige Bedingungen reagieren als späte. Im Rahmen der Wertprüfung des Bundessortenamtes wird die FZ vor allem unter normalen Reife- und Erntebedingungen bestimmt und in Ausprägungsstufen (APS) von 1 bis 9 bewertet. Als kritisch sind Sorten mit relativ niedriger FZ (APS < 3) anzusehen, weil diese auch unter normalen Bedingungen die geforderten FZ-Werte oft nicht erreichen.

Fallzahlstabilität über die Orte
Fallzahlstabilität über die Orte
In der Praxis ist unter normalen Bedingungen die Einstufung in der Beschreibenden Sortenliste (BSL) ein hinreichendes Kriterium für die Sortenwahl. In der Praxis besteht dringender Bedarf, Parameter für die Fallzahlstabilität (FZS) der Sorten unter „ungünstigen“ Bedingungen zu erhalten. Damit ließen sich die Risiken der Produktion besser einschätzen. Dazu bedarf es einer Methode, die sehr ungünstige Bedingungen wiederholbar simuliert, die dadurch entstehende FZ misst und diese als FZS bewertet.

Die Methode: kompliziert, aber aufschlussreich
Die Entwicklung dieser Methodik erstreckte sich über drei Jahre, hier werden die Ergebnisse aus der Ernte 2008 dargestellt.

Als Methode zur Simulation ungünstiger Erntebedingungen mit hoher Luftfeuchte (Regen, Lager) wurde die „Weiche unter definierten Bedingungen“ (W) entwickelt. Die FZ, die sich nach der Weiche einstellt (FZ n.W.), wird zur Bewertung der FZS verwendet. In aufwändigen Vorversuchen aus der Ernte 2007 und 2008 mit einem Sortiment aus repräsentativen Sorten, konnte die Zeitspanne ermittelt werden, bei der die Weiche eine optimale FZ-Differenzierung der Kornproben im kritischen Bereich von Fallzahl 150 s bis 250 s ermöglicht. An den meisten Orten führte die Weiche über 24 h zu optimaler Differenzierung. Andere Zeiten der Weiche (12 h bzw. 30 h) waren nur an wenigen Orten erforderlich (Tab. 1).

Bei der Umrechnung der sortenspezifischen FZS in APS werden zwischen dem niedrigsten und höchsten Wert (APS 1 bzw. 9) Klassen gleicher Breite festgelegt, woraus sich die sortenspezifische Ausprägungsstufen der FZS ergeben. Zur besseren Interpretation werden aus den Einzeldaten mit Hilfe der statistischen Parameter die Wahrscheinlichkeiten dafür berechnet, dass bei der hier angewendeten Methode eine FZ n.W. > 180 s erreicht wird. 

Fallzahlstabilität über die Sorten
Fallzahlstabilität über die Sorten
Ergebnisse
Welche Faktoren beeinflussen maßgeblich die FZS?

Wie Tab.1 zu entnehmen ist, zeigen die Versuchsorte „normale“ Werte für die Fallzahl vor der Weiche, die am unbehandelten Erntegut ermittelt wurde (Zeile 4 bis 7). Die Ortsmittelwerte über die Sorten schwankten zwischen 291 s bis 364 s (Zeile 7), wobei die Unterschiede zwischen den Sorten 143 s bis 255 s betrugen (Zeile 6). Nach der Weiche über die angegebene Zeit sinkt die Fallzahl stark ab (Zeile 9 bis 12), wobei dieser Abfall ortsspezifisch unterschiedlich ist (Zeile 14). Der Mittelwert der Sorten liegt mit einer Ausnahme im kritischen Bereich unter 200 s (Zeile 12). Die Festlegung der angegebenen Weichzeiten erfolgte nach Vorversuchen.

Besonders interessant ist die Korrelation zwischen der Fallzahl vor und nach der Weiche, die über die Sorten gerechnet stark schwankt. Über den Ortsmittelwert gerechnet ist r = 0,03 (Zeile 15).

Das heißt: Man kann von der Fallzahl einer Sorte, die nach der Ernte unter normalen Bedingungen ermittelt wurde, nicht auf die Fallzahl schließen, die sich bei einer Ernte unter ungünstigen Bedingungen ergibt!

Die Genetik einer Sorte hat Einfluss auf die Fallzahlstabilität bei ungünstigen Bedingungen.

In Tab. 2 werden die Werte für die Sorten, die sich aus der Auswertung über die 7 Versuchsorte ergeben, zusammengefasst. Der Mittelwert der Fallzahl vor der Weiche liegt bei 329 s und nach der Weiche bei 181 s. Sind die Werte der einzelnen Sorten vor der Weiche im unkritischen Bereich, so fallen sie nach der Weiche bei allen Sorten in den kritischen Bereich ab. Bei der Bewertung der Fallzahlstabilität in APS intern (Spalte 4) wird berücksichtigt, ob die Ortseinzelwerte der Sorte innerhalb oder unter- bzw. oberhalb des kritischen Bereichs liegen. Die FZS-Einstufung intern der Sorten schwankt zwischen APS 1 = sehr gering und APS 9 = sehr hoch. Erwartungsgemäß ergibt sich kein Zusammenhang mit der amtlichen FZ-Einstufung nach BSL.

Sorten mit hoher FZS sind TARKUS, KREDO, SKAGEN und MULAN.

Je höher die APS-FZS intern, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei der hier angewendeten „sehr harten“ Untersuchungsmethode nach der Weiche eine FZ > 180 s erreicht wird. Die Korrelation beträgt hierfür r = 0,97. 

Fazit
Mit dieser Methode können zukünftig aus mehrjährig erhobenen Proben die Daten ermittelt werden, die für eine verlässliche Bewertung der Fallzahlstabilität erforderlich sind. Sie dient ferner dazu, der Züchtung auf Fallzahlstabilität eine messbare, reproduzierbare Grundlage zu geben. Nach Ernte 2009 werden weitere Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Sorteneinschätzung veröffentlicht werden.

 

Dr. Ralf Schachschneider und Manuela Heinze

Stand: 23.06.2009