Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Trotz der Preis-Achterbahnfahrt wächst der Bedarf an Rohstoffen für Biogas kontinuierlich, das wird allen Prognosen nach auch so bleiben. Es mehren sich aber auch die Stimmen gegen die zunehmenden Biogasmonokulturen – dies lenkt den Blick auf spezielle Biogasfruchtfolgen und inzwischen verstärkt auf Rüben.

In diesem Zusammenhang kommen auch die Gehalts-Futterrüben in den Fokus, die eine Reihe von günstigen Eigenschaften mitbringen: gute Rode- und Lagermöglichkeiten, Konkurrenzfähigkeit auf schwächeren Standorten bis hin zu 30 BP, gute Vergärbarkeit etc.

Ertragreich, anpassungsfähig und leicht vergärbar
Ertraglich kann sich die Rübe gegenüber anderen Kulturen gut behaupten (Abb. 1). Wenn es auch noch möglich ist, das Blatt mit einzubringen, steigt die Vorzüglichkeit noch weiter an.

Biogaserträge
Biogaserträge

Besonders die Gehaltsrüben haben eine hohe Anpassungsfähigkeit und bringen auch noch in für Mais ungünstigen Lagen, hohe Erträge. In den „Hochzeiten“ der Futterrübe zeigte sich diese Kultur auch auf diesen Standorten ertragsstark und stabil, denen man sonst keine intensiven Kulturen anvertraute. An Zuckerrübenanbau dachte man hier schon gar nicht. In der Zwischenzeit hat sich hier vor allem der Mais sehr stark ausbreiten können, was vor allem durch enorme Züchtungsfortschritte und die hohe Mechanisierung möglich war. Auf diesen Standorten kann auch heute die ertragsstarke Futterrübe wieder interessant sein: Besonders, wenn es auch um Auflockerung der Biogasfruchtfolgen gehen soll. Für die Biogasanlagen ist die kontinuierliche und hohe Gasleistung von zunehmender Bedeutung. Die leichte und schnelle Vergärbarkeit von Rüben wirkt deshalb wie Kraftfutter für die Biogasanlage. Sobald also die Gasausbeute abfällt, kann man mit Zugabe von Rüben Vergärung und Gasausbeute sehr schnell wieder anheben. Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Stunden ein und beruht auf den in der Rübe schnell verfügbaren Kohlehydraten. Das fördert nicht nur die Abbaugeschwindigkeit, sondern führt auch zu einem sehr hohen Abbau der organischen Substanz. Während Rüben durchaus zu 95 bis 100 % abgebaut werden, geht der Abbaugrad bei Mais nur auf ca. 70 %.

Es gibt auch Engpässe

Futterrübe als Energierübe
Futterrübe als Energierübe

Vor allem der schlechte Mechanisierungsgrad ist dafür verantwortlich, dass die Futterrüben bisher noch nicht so großen Einsatz in Biogasanlagen gefunden haben. Das heißt nicht, dass es keine Lösungen gäbe, aber es gibt keinen ausgereiften Standard für die Eingliederung von Rüben in den Verwertungsprozess der Biogasanlage.

Eine vieldiskutierte Frage ist: Sollen die Rüben vor der Verarbeitung gewaschen werden oder nicht? Allein diese Frage macht deutlich, wie weit nicht nur die Meinungen zur Mechanisierung, sondern auch die Erfahrungen auseinander gehen. Etliche Betriebe, die ihre Rüben vor der Einspeisung nicht ausreichend säubern konnten, hoffen auf die Rübenwäsche und sehen dann alle Probleme gelöst. Andere wiederum, die die Rübenwäsche verfolgt haben, beschäftigen sich wieder intensiver mit trocken arbeitenden Reinigungsverfahren.

Mechanisierung muss optimiert werden

MZA Fa. Willibald zur Verarbeitung von Biogassubstraten
MZA Fa. Willibald zur Verarbeitung von Biogassubstraten

Tatsächlich müssen die Verfahren zur Reinigung der Rüben weiter entwickelt werden. Dabei gibt es sowohl geeignete Rübenroder als auch Verfahren aus dem Kartoffelanbau, die genutzt werden können. Einen großen Effekt erreicht man bereits, wenn ganz gezielt die Miete als Zwischenlager eingeplant wird, denn nach Antrocknen des Erdanhangs lässt sich dieser besonders leicht abscheiden. Aber selbst dann ist der Arbeitsaufwand bei Futterrüben gegenüber anderen Kulturen schon alleine durch den notwendigen Transport und das Zwischenlager größer.

Wo kann man Futter-Energierüben anbauen?
Auf den so genannten „rübenfähigen“ Böden stellt sich die Frage nicht. Auf allen anderen Standorten lohnt ein Blick in die Vergangenheit: Es gibt kaum eine Region, in der nicht Futterrüben angebaut wurden. Auch Standorte mit 30 Bodenpunkten liefern noch gute Ergebnisse. Neben den Gebieten, in denen die Rüben aus Gründen der Fruchtfolge wieder in den Anbau kommen, bieten Rüben auch in Übergangs- oder Höhenlagen, in denen Mais durch frühe Fröste gefährdet ist, eine interessante Alternative.

Lagerung ist bis zum Frühjahr möglich
Bei der Rodung ist zu beachten, dass auch noch Blattreste am Kopf bleiben und so den Ertrag erhöhen. Ob die Rüben dann erst in eine Miete gehen oder direkt in den Fermenter, hängt von der Konzeption der Anlage ab. Wenn die Organisation es erlaubt, bietet die Miete die Möglichkeit, Erdanhang besonders wirkungsvoll abzuscheiden. Für die Lagerdauer in einer Miete ist von Interesse, dass die Gehaltsrüben hier gegenüber den Zuckerrüben im Vorteil sind und sich daher für die längere Lagerung besser eignen. Zuckerrüben sollten demgegenüber rascher verarbeitet werden. Die Lagerung von Gehaltsrüben bis in das Frühjahr hinein ist problemlos möglich.

Wo es klimatisch und arbeitstechnisch zusammenpasst, lassen sich Rüben und Mais in einer Mischanlage zusammenführen und problemlos wie Maissilage einspeisen.

Zunehmend gute Erfahrungen werden mit der Silierung im Silo gemacht. Die Rüben werden, ob aus der Miete oder direkt aus der Ernte, nach der Reinigung geschnitzelt oder gemust und in den Behälter gepumpt. Dort silieren sie, sind lagerstabil und können das ganze Jahr hindurch leicht in die Anlage eingespeist werden und der Steuerung dienen. Für das Zerkleinern wie für das Pumpen und Lagern gibt es bereits zunehmend mehr Anbieter und die Hersteller von Biogasanlagen verfügen über gute Referenzen.

Das zunehmende Interesse an Futterrüben zur Energiegewinnung hat natürlich auch die Züchter in diesem Feld aktiviert. Es ist deshalb auch zu erwarten, dass spezielle Angebote der Züchter mit speziellen Futterrübensorten zur Energiegewinnung auf den Markt kommen. Von dem Haus W. von Borries-Eckendorf wird neuerdings ein spezielles Sortiment von Eckendorfer® EnergieRüben angeboten.

Christian Börries

Stand: 20.10.2009