Aktuelle Ausgabe 03/2018

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 Eine der effektivsten Maßnahmen die Kosten pro erzeugtem Liter Milch zu senken ist die Optimierung der Grundfutterleistung. praxisnah sprach mit Stefan Kummert und Kerstin Beese vom Milchhof Blumenthal in Mecklenburg-Vorpommern über die Intensivierung der Grünlandwirtschaft als eine Möglichkeit, mehr Leistung aus dem Grundfutter zu generieren.

Frau Beese, wie viel Liter melken Sie aus dem Grundfutter?
Beese: Wir haben es jetzt geschafft, dauerhaft die 10.000-Liter-Marke zu knacken, ohne dabei die Fruchtbarkeitsparameter oder Tierarztkosten negativ zu beeinflussen. Gut 5.000 Liter stammen aus dem Grundfutter. Aber damit, denke ich, ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Wie haben Sie die 5.000 Liter Grundfutterleistung hinbekommen?

Beese und Kummert
Beese und Kummert

Kummert: Grundsätzlich muss man bei der Erzeugung von Grassilage genauso sorgfältig arbeiten wie bei jeder anderen Kultur auch. Regelmäßige Kontrollen der Bestände gehören genauso dazu wie regelmäßige Kontrolle der Silage. Vor drei Jahren haben wir die Grünlandwirtschaft massiv intensiviert …

Beese: … und die Herdenleistung konnte um 1.000 Liter gesteigert werden.

 1.000 l mehr Milch durch Intensivierung der Grünlandwirtschaft? Wie geht das?
Kummert: Grünlanderneuerung sah bei uns früher so aus, dass wir, wie in dieser Region üblich, langjährige Grünlandflächen im Sommer umgebrochen haben. Dann kam Raps auf die Flächen und im folgenden Herbst wurde dann wieder Gras gedrillt. Seit drei Jahren haben wir auf einem Teil der Flächen – ca. 115 ha –  eine „Wechselwirtschaft“. 3-jährig steht bei uns TETRASiL®-Acker Trio und danach gehen diese Flächen in die betriebsübliche Marktfrucht-Fruchtfolge – Getreide-Getreide-Raps – ein. Damit bekommen wir phytosanitäre Probleme sehr gut in den Griff. Wir können bis zu vier Schnitte realisieren, wobei wir relativ früh und auch relativ hoch schneiden. D. h., hier erfolgt der Schnitt so um den 20. Mai auf 7 cm. Natürlich hat man dann nicht den maximalen Ertrag/Schnitt, aber man erhöht die Energiedichte und legt den Grundstein für einen zügigen Wiederaustrieb. Da die ersten beiden Schnitte für die Hochleistungskühe sind, ist das sehr wichtig. Trotzdem liegt der Durchschnittsertrag über alle intensiv geführten Standorte und Jahre bei 250–300 dt TM/ha.

Die Düngung erfolgt erstschnittbetont, besonders auf den Niedermoorflächen ist eine ausreichende Kaliversorgung sehr wichtig. Gülle ist auf Grünlandflächen aus hygienischen Gründen natürlich tabu! Wir haben auch Flächen mit einjähriger Grasnutzung, eher die trockeneren Standorte. Hier steht TETRASiL®-Acker Multi. Hinzu kommen extensive Grünlandflächen für die Mutterkuhhaltung.

Wie oft erfolgt eine Nachsaat?

Ernte Ackerfutter
Ernte Ackerfutter

Kummert: Nach- und Übersaaten erfolgen regelmäßig. Wir kontrollieren regelmäßig, besonders aber im Frühjahr, die Bestände. Wenn notwendig, erfolgt eine Nach- oder Übersaat.

Beese: Im Schnitt ist jede Fläche alle zwei Jahre mal fällig. Das ist aber auch notwendig, sonst geht die Qualität zurück und die Leistung der Tiere fällt ab. 

TETRASiL®-Mischungen sind ja relativ zuckerhaltig – gibt es da beim Silieren keine Probleme?
Beese: Diese Mischungen sind in der Tat energiehaltiger als andere übliche Mischungen und dieser höhere Energiegehalt ist auch im dritten Schnitt noch da. Wir brauchen bei der hohen Herdenleistung aber auch bei der Mast diese hohen Energiegehalte – über 6,5 MJ NEL/kg TM. Aber das muss man natürlich beim Silieren berücksichtigen. Wir haben mit dem Siliermittel „Bon Silage“ sehr gute Erfahrungen gemacht und mit dem Hersteller auch einige Versuche durchgeführt. Die Silage „kippt“ nicht und die Energie bleibt nachweislich bis zum Trog erhalten.

Die zuckerhaltige Silage gelingt mit Siliermitteln
Die zuckerhaltige Silage gelingt mit Siliermitteln
Sie füttern auch Grassilage in der Bullenmast?
Beese: Ja, das klappt sehr gut. Zurzeit bekommen die Schwarzbunten Bullen den ersten bis dritten Schnitt, weil sie mit weniger energiereichem Futter nicht das Mastziel erreichen – anders als die robusteren Rassen der Mutterkuhhaltung. Wir haben es eine Zeitlang mit dem vierten Schnitt probiert, aber der Leistungsabfall war deutlich. In Zukunft wird die Bedeutung in der Bullenmast zunehmen, weil wir bei dem momentanen Milchpreis nicht die notwendigen Investitionen im Milchviehbereich verantworten können.

Das heißt...
Kummert: … dass wir die Milchproduktion leider einstellen und dafür die Mast erweitern werden. Unternehmerisch war eine große Investition in Melk- und Stalltechnik bei den anhaltend traurigen Preisen nicht zu verantworten. Und – an Wunder glauben wir nicht mehr. Die Grünlandflächen aber werden wir so intensiv weiterführen, denn wir brauchen auch in der Mast hochwertiges Futter. Außerdem gehört Grünland hierhin.

Kommt jetzt die „Stahlkuh“ ins Spiel?
Kummert: Mal sehen, wir denken über den Einstieg in die Biogasproduktion durchaus nach. Das könnten wir uns gut vorstellen, aber das ist alles noch offen. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dr. Anke Boenisch.

Stand: 20.10.2009