Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Die Beschreibende Sortenliste gibt wertvolle Informationen für die Sortenwahl. Relevante Eigenschaften wie Saatzeit und Vorfruchtanspruch sind hier jedoch nicht zu finden. Die produktionstechnischen Versuche der SAATEN-UNION zu Winterweizen wurden daher vor drei Jahren neu ausgerichtet.

Die Versuchsfrage konzentriert sich seitdem auf eben diese Sorteneigenschaften. Dieser Beitrag diskutiert – rechtzeitig zur Anbauplanung – den Fungizideinsatz in Wechselwirkung zu Saatzeit und Sorte. 

Ein neues Versuchskonzept
Um den Versuchsumfang zu begrenzen, werden die Fragestellungen in drei Aussaatkonstellationen kombiniert.

  1. „Frühsaat": Zwei Wochen frühere Saat nach Winterweizen als Mulchsaat
  2. „Normalsaat": Standortoptimaler Saattermin i.d.R. nach der Vorfrucht Raps – gepflügt oder gegrubbert
  3. „Spätsaat": Zwei bis drei Wochen späterer Saattermin nach einer Blattfrucht und immer mit Pflugfurche

Die drei Aussaatkonstellationen wurden als Exaktversuch mit einfachem und doppeltem Fungizideinsatz getestet. Federführend für die Organisation des Projekts ist die SAATEN-UNION Versuchsstation in Grünseiboldsdorf bei Moosburg. Insgesamt konnten in den vergangenen drei Jahren neun Versuche zu dieser Fragestellung ausgewertet werden. Die Ertragsniveaus auf den fünf Versuchsstandorten variierten zwischen 125 dt/ha bei der Normalsaat 2008 in Granskewitz (Rügen) und 67 dt/ha bei den frühen Stoppelweizen 2007 in Langenstein (Ostharz).

Zunächst der Überblick

Wechselwirkung Sorte Behandlung Normalsaat 2007
Wechselwirkung Sorte Behandlung Normalsaat 2007

Als „Stufe 1" war auf allen Standorten eine standortoptimale Abschlussbehandlung vorgegeben, in „Stufe 2“ zusätzlich eine frühe Fuß-/Blattbehandlung in EC 30–32. Diese wurde ebenso wie die Spätbehandlung hinsichtlich Termin, Aufwandmenge und Mittel vor Ort entschieden und schlug durchschnittlich mit 35 €/ha Mehrkosten zu Buche. Die Ertragsunterschiede der Sorten werden vom Bundessortenamt sowie den LSV umfassend beschrieben und sind nicht Gegenstand dieser Ausführungen. Um die sortenspezifischen Effekte der Fungizidmaßnahme herauszustellen, wurde für jede Sorte der kostenkorrigierte Ertrag über beiden Anbaustufen gleich 100 % gesetzt. Der unterschiedliche Verlauf der Linien beschreibt also die relative Reaktion der Sorten auf das zu­sätzliche Fuß-/Blatt-Fungizid in Stufe 2 – immer bezogen auf den kostenkorrigierten Erlös. Dabei ist 1 % kostenkorrigerte Erlösdifferenz auf Hochertragsstandorten mit 10 €/ha gleichzusetzen, auf mittleren Standorten mit etwa 8 €/ha.

Aus Platzgründen können an dieser Stelle nur wenige Versuche und diese auch nur über jeweils zwei Saattermine dargestellt werden, die Ergebnisse sind also lediglich exemplarisch zu verstehen.

2007 – sehr milder Herbst und Winter

Wechselwirkung Sorte Behandlung Spätsaat 2007
Wechselwirkung Sorte Behandlung Spätsaat 2007

Im Erntejahr 2007 war die Witterung vom Herbst bis in den Juni hinein insgesamt äußerst mild und nach einer ausgeprägten Apriltrockenheit bis zur Ernte durchgehend feucht. Ideales „Pilzwetter“ also, deshalb waren auf den meisten Versuchsstandorten deutliche Fungizideffekte zu beobachten. „Normalsaaten“ entsprachen 2007 entwicklungsphysiologisch gesehen äußerst gestressten Frühsaaten, Spätsaaten waren weniger überwachsen und brachten meist die höchsten Erträge. So lag die Spätsaat am Beispiel des Standorts Langenstein mit 86 dt/ha um 6 dt/ha über der Normalsaat und sogar um 19 dt/ha über der Frühsaat zum Wintergerstetermin (siehe Abb. 1a und 1b). Rostanfällige Sorten und solche mit geringer Septoriaresistenz wie Cubus, Dekan oder Akteur fielen ohne Frühbehandlung (EC 30–32) ertraglich um bis zu 17 dt/ha, kostenbereinigt um bis zu 28 % ab. Ähnlich verhält es sich mit Türkis und Tuareg. Weniger ausgeprägt waren die Fungizideffekte bei den den blattgesunden Sorten Kredo, Skagen und Akratos, den Hybriden Hymack und Hyland sowie Mulan. Die Spätsaaten entwickelten sich auffallend gesünder. Das frühe Fungizid war jedoch auch hier mit Ausnahme der Sorte Skagen bei allen Sorten wirtschaftlich.

2008 – geringe Standort- und Sortenunterschiede

Wechselwirkung Sorte Behandlung Frühsaat 2008
Wechselwirkung Sorte Behandlung Frühsaat 2008

Nach einem trockenen Frühsommer waren dank ausreichender Niederschläge zur Kornfüllung bundesweit hohe Kornerträge möglich. Aufgrund der vergleichsweise geringeren Standortunterschiede konnten für die Abb. 2a und 2b drei Standorte aus Nord- Ost- und Süddeutschland zusammengefasst werden. Kostenbereinigt war im frühen Stoppelweizen ein früher Fungizideinsatz bei den meisten Sorten mit bis zu 30 €/ha Plus wirtschaftlich.

Wechselwikung Sorte Bahndlung Spätsaat 2008
Wechselwikung Sorte Bahndlung Spätsaat 2008
Beim späten Saattermin können Sortenunterschiede auch im Hinblick auf Reifeunterschiede interpretiert werden. Bei später Aussaat könnte die doppelte Fungizidbehandlung dazu beigetragen haben, die im Juli endlich wieder einsetzenden Niederschläge besser zu verwerten. Späte Sorten wie T* profitierten von diesem Effekt mehr als die früheren Genotypen Cubus oder Hyland.


 2009 – das Jahr der Unterschiede
Die Erträge waren trotz des äußerst trockenen Frühjahrs insgesamt gut, jedoch von großen Standortunterschieden geprägt. Es macht deshalb wenig Sinn, Standorte zu mitteln, die Ergebnisse zweier Saattermine des Standorts Söllingen stehen beispielhaft für einen Versuch mit vergleichsweise sehr hoher Ertragsleistung (siehe Abb. 3a und 3b). Beim früh gesäten Stoppelweizen war hier eine Schossbehandlung bei allen Sorten mehr oder weniger wirtschaftlich, die Mehrerlöse reichten von lediglich 3 % beim fußgesunden Manager bis hin zu 18 % bei Türkis. Ging es beim frühen Saattermin vorrangig um die Gesunderhaltung des Wurzelwerks, zählte beim späten Saattermin die Blattgesundheit. Hyland, Tuareg und auch Genius (E+) hätten auf eine frühe Behandlung verzichten können. Manager, Hystar und Akteur hingegen dankten die Maßnahme mit 4 % Mehrerlös, entsprechend etwa 40 €/ha.

Wechselwirkung Sorte Behandlung Frühsaat 2009
Wechselwirkung Sorte Behandlung Frühsaat 2009
Wechselwirkung Sorte Behandlung Spätsaat 2009
Wechselwirkung Sorte Behandlung Spätsaat 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus den dreijährigen Versuchsergebnissen weiterer Anbauerfahrungen können folgende Sortenempfehlungen abgeleitet werden:

T* CK
Dieser Massenweizen ist nicht nur die ertragreichste, sondern hinsichtlich Mehltau (1), Gelbrost (2), Braunrost (2) und Blattseptoria (3) auch die gesündeste Sorte des deutschen Weizensortiments! 2008 hat diese Sorte über mehrere Standorte selbst bei früher Aussaat am wenigsten auf frühe Behandlungen reagiert, zumal DTR in den Versuchen keine Rolle spielte. Jedoch empfehlen die Bonituren bei früher Aussaat eine Spezialbeizung gegen Schwarzbeinigkeit.

Mulan B
Die positive Reaktion auf frühe Fungizidmaßnahmen ist neben der Mehltau- und Gelbrostkontrolle auch auf physiologische Wirkungen zurückzuführen: Bei Trockenstress ist die früh einsetzende Reduzierung des Vegetationsapparats und die geringe Bildung überzähliger Bestockungstriebe ein besonderes Anpassungsverhalten zur Wassereinsparung. Fungizide zum Schossbeginn verzögern in ihrer „Fernwirkung“ die Abreife der Sorte um einige Tage – auf besseren Standorten begünstigt dies die sortentypisch sehr gute Kornausbildung.

Kredo B
Diese außergewöhnlich wüchsige und blattgesunde Sorte („Vitalweizen“) benötigt zwar weniger Blattfungizide, reagierte in Einzelversuchen mit höherem Halmbruchbefall dennoch sehr positiv auf die Frühbehandlung. Eine späte Azol-Blütenbehandlung gegen Fusarium käme als alleinige Maßnahme für eine gesunde Abreife zu spät. Insbesondere nach Körnermais empfiehlt sich deshalb auch bei Kredo eine frühe Maßnahme.

Tommi A
Die mittlerweile hohe Braunrostanfälligkeit dieser Sorte wird meist durch rechtzeitig in EC 49 platzierte Abschlussbehandlungen kontrolliert. Frühe Behandlungen bei dieser ansonsten blatt- und fußgesunden Sorte bringen daher nicht immer kostendeckende Mehrerlöse. Wo jedoch die mittlere Fusariumresistenz der dichtbekörnten Sorte durch eine späte Blütenbehandlung unterstützt wird, ist eine frühe Fungizidmaßnahme unerlässlich. Dasselbe gilt für sehr milde Jahre, in denen der temperaturliebende Braunrost sich bereits im Frühjahr explosiv entwickelt.

Akratos A
Die stabile Blatt- und Ährengesundheit dieser Sorte ermöglicht seit Jahren einen minimierten Fungizideinsatz. Akratos wird besonders auf Standorten mit rascher Abreife (D-Ost, Südbayern) angebaut. Gerade dort sollte die zügige Umlagerung der Assimilate ins Korn nicht unnötig durch eine hochdosierte Abschlussbehandlung gebremst werden. Als früher Stoppelweizen war eine zeitige Fuß-/Blattbehandlung hingegen auf den besseren Standorten dieser Versuchsreihe stets kostendeckend.

Skagen E
Die ausgezeichnete Gesundheit dieser Sorte ermöglicht im Vergleich zur septoriaanfälligen Wettbewerbssorte Akteur einen sehr sparsamen Fungizideinsatz. Nur als Stoppelweizen ist eine frühe Fungizidmaßnahme notwendig, die vorrangig auf Pseudocercosporella abzielen sollte.

Hybridsorten
Es fällt auf, dass die blattgesunde Sorte Hyland – trotz höherer Halmbrucheinstufung – als Stoppelweizen über alle drei Versuchsjahre am ehesten auf frühe Behandlungen verzichten konnte. Für die fußgesunde Sorte Hymack galt das zumindest für 2008. Die frühe Hybride Hystar hat sich einjährig als früher Stoppelweizen bewährt, sollte jedoch gegen Halmbruch behandelt werden. Eine Wurzelschutzbeize gegen Schwarzbeinigkeit ist aufgrund der frühen Aussaat und der geringen Saatstärken bei Hybriden generell zu empfehlen.

Fungizideinsatz bei sinkenden Preisen
Wie alle kostenwirksamen Maßnahmen ist auch der Fungizideinsatz jährlich neu im Hinblick auf die Preiserwartung zur Ernte zu überprüfen.

Sven Böse

Stand: 16.12.2009