Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Lohnunternehmer und Ackerbauer Thorsten Bank kann über manche Berechnungen zu Fruchtartvergleichen nur den Kopf schütteln. Seiner Ansicht nach wird der Braugerste oft Unrecht getan, weil diese Kultur sich ökonomisch nicht ausschließlich über Qualitäten und Erträge bewerten lässt. Für ihn ist Braugerste trotz der momentan schlechten Preise die Kultur, die in der Vollkostenrechnung am besten abschneidet – vor Winterraps und Winterweizen.

Thorsten Bank bearbeitet mit seinem Team dauerhaft die Flächen einer Kommanditgesellschaft von acht Betrieben. Sein Unternehmen bietet über die klassischen landwirtschaftlichen Dienstleistungen hinaus auch fast alles an, was in den Bereich Landschaftspflege fällt. Um diesen höchst unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, wird das Team Bank und gegebenenfalls auch der Maschinenpark über Externalisierung erweitert. Das in den letzten 20 Jahren aufgebaute Netzwerk hat sich bestens bewährt. Neben der ständigen Optimierung der Netzwerke wird auch die Arbeitswirtschaft immer wieder auf den Prüfstand gestellt.

Thorsten Bank
Thorsten Bank
Flächentausch und Blockanbau
Die hessische Region im Großraum Gießen ist durch klein strukturierte Flächen geprägt. Felder kleiner als ein Hektar sind hier nicht selten. Wenn man unter diesen Bedingungen wirtschaftlich arbeiten will, muss man vor allem schonungslos rechnen, um eine ausreichende Entlohnung der Arbeitskräfte zu erzielen und die Maschinen optimal auszulasten.

„Zunächst haben wir über den freiwilligen Flächentausch Flächen zusammengelegt. Darüber hinaus betreiben wir Blockanbau, das heißt, dass in Blöcken zu 40 ha dieselbe Kultur angebaut wird. Wenn möglich mit Sorten, die dasselbe Reifeverhalten zeigen“, erläutert Bank. „So können wir Bodenbearbeitung, Pflege und Ernte zeitsparend in „einem Rutsch“ erledigen.“ 

Bild: Bank
Bild: Bank
Des weiteren schwört Bank auf teilflächenspezifische Bewirtschaftung. „Erstens können wir z.B. mit dem N-Sensor Düngerkosten einsparen. Zweitens bekommen wir mit teilflächenspezifischer Bewirtschaftung auch deutlich gleichmäßigere Bestände hin. Das wiederum verbessert den Drusch, so dass wir Druschkosten senken und auch noch bessere Qualitäten ernten.“ Bank ist zu sehr Kaufmann, als dass er ohne fundierte Absicherung eine solchen Aussage treffen würde. Um sein Unternehmen, die Erträge und Qualitäten etc. fachlich einordnen zu können, nutzt er unterschiedliche Beratungsinstitutionen: Dem Vergleich mit anderen Betrieben stellt er sich im Beratungsbüro Göttingen. Dessen Beratung schätzt er zwar hoch ein, nimmt aber zusätzlich auch die Offizialberatung in Anspruch und tauscht sich auch regelmäßig fachlich mit der RWZ Rhein-Main aus. „Es ist wichtig, sich immer wieder einzuordnen und zu vergleichen. Nur so weiß ich, ob ich in die richtige Richtung marschiere. Abgesehen davon, bringt dieser Austausch auch jede Menge Kontakte und Anregungen für die Arbeit."

Marthe
Marthe

Braugerste profitiert von „Synchronisationseffekten"
Mit der Braugerstenproduktion ist Bank im Qualitätsprogramm „Gutes aus Hessen“ eingebunden, das von der Funkstädter Brauerei betrieben wird. 100 % seiner Braugerste laufen in dieses Programm, in dem Anbauvorschriften und Qualitätsauflagen angemessen entlohnt werden. Ein weiterer Mehrwert besteht in der Vermarktungssicherheit und zudem in der zusätzlichen Qualitätssicherung und Beratung.

Das Programm ist für Thorsten Bank aber nicht der einzige Aspekt, der Braugerste für ihn so interessant macht. „Ich halte auch aus ackerbaulichen und arbeitswirtschaftlichen Gründen der Braugerste die Treue: Diese Kultur profitiert mehr als andere von Synchronisationseffekten. Sie hat einen sehr geringen Investitionsbedarf über einen kurzen Zeitraum von nur 100 Tagen und sie kompensiert auch spätere Fröste und Frühjahrstrockenheit.“ Letzteres gilt besonders für die Sorte Marthe, die er seit Jahren mittlerweile als einzige Sommergerste anbaut und die ihm auch die im Programm „Gutes aus Hessen“ geforderten Qualitäten problemlos liefert.

Ihn ärgert, dass Braugerste in Veröffentlichungen gegenüber anderen Kulturen seiner Ansicht nach viel zu schlecht wegkommt. „Braugerste wird oft regelrecht kaputt gerechnet. Erstens wird von einem viel zu geringen Durchschnittsertrag ausgegangen. Ich jedenfalls halte 55 dt/ha für die typischen Braugerstenregionen für überholt. Zweitens geht man meist von zu geringen Braugerstenanteilen an der Kultur Sommergerste aus. Und drittens werden Vorteile wie leichtere Druschfähigkeit und geringere Arbeitszeiten monetär nicht oder unzureichend bewertet.“

Kulturen ehrlich berechnen – und Konsequenzen ziehen
In seiner Vollkostenrechnung, in der alle ermittelbaren Kosten und Prämien/Einnahmen berücksichtigt werden, steht die Sommergerste/Braugerste so gut da, dass die Wintergerste in der kommenden Vegetation erst einmal aus der Fruchtfolge genommen wurde. „Der durchschnittliche Gewinn von über 500 Euro/ha im Durchschnitt der letzten 5 Jahre sinkt natürlich mit jedem Jahr, in dem wir so bescheidene Preise wie 2009 haben. Daher erfolgt die kritische Prüfung der Kulturen jährlich aufs Neue.“ Das ist ein Grund dafür, dass Bank sich durchaus auch mit den Alternativkulturen wie Leguminosen und Hafer kritisch auseinandergesetzt hat. „Schon aus ackerbaulichen Gründen und Fruchtfolgeeffekten fände ich diese Kulturen sehr interessant. Aber weder für Hafer noch für Erbsen gibt es hier einen Markt“, bedauert er.

67 dt/ha marktfähige Ware – über alle Flächen
Daher bleibt er bei Braugerste und versucht hier zu optimieren, wo immer es möglich ist. „40 kg N gebe ich mit der ersten Gabe, den Rest dann mit dem N-Sensor, so dass es in der Summe ca. 60 kg werden. Der N-Sensor ist hier ein überaus bewährtes Instrument: Er sichert mir gleichmäßige Bestände und verbessert den bei Sommergerste ohnehin leichten Drusch noch weiter.“ Zusätzlich erhält die Gerste noch Phosphor, eine Fungizid-, eine Insektizid- und eine Wachstumsreglergabe. Auch Wachstumsregler wird ausschließlich nach Bedarf gegeben – zwischen 0,1 und 0,42 l Moddus/Hektar waren es 2009.

„Ich versuche, dieses Management laufend zu optimieren. Was ich mir nicht leisten kann, sind unzuverlässige Sorten. Ich baue zurzeit auf der gesamten Fläche von 200 ha Marthe an, die mit einem Hektolitergewicht von 64, Rohproteingehalten von 10,9 % und durchschnittlich über alle Fläche 67 dt/ha verkaufsfähige (!) Ware auch in diesem Jahr überzeugte.“

„Preise werden sich 2010 vermutlich erholen!”
„Meiner Ansicht nach wird und muss der Vertragsanbau besonders bei Braugerste zunehmen. Allerdings funktioniert eine solche Zusammenarbeit nur auf einer partnerschaftlichen und mittel- bis langfristigen Ausrichtung, von der alle Beteiligten profitieren. Die Branche muss weg von einseitigen, kurzfristigen Geldgeschäften.

Ich glaube, dass aufgrund der Tatsache, dass viele aus der Braugerstenproduktion aussteigen werden, sich 2010 die Preise wieder erholen werden.“

Das Gespräch führte Dr. Anke Boenisch

Stand: 16.12.2009