Aktuelle Ausgabe 04/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Impressum

Datenschutzerklärung

Seit einigen Jahren dominiert der Anbau von Hybriden den deutschen Rapsanbau. Zur Ernte 2010 ist ihr Anteil auf 65 % gestiegen,auf nunmehr fast 950.000 ha .Eine Umfrage des marktforschungsinstituts Kleffmann klärt, welche Rolle dabei Praxiserfahrungen der Landwirte spielen.

Seit nunmehr sechs Jahren befragt das Marktforschungsinstitut Kleffmann Praktiker – bisher insgeamt ca. 7.000 – nach ihren Erfahrungen im Hybridraps-Anbau.

Hybridraps Anbauanteil Ernte 2010
Hybridraps Anbauanteil Ernte 2010
Die Fragestellung umfasst dabei ein weites Spektrum von Saattermin über Bodenbearbeitung und N-Düngung bis hin zum Ertrag. Eine exakte wissenschaftliche Auswertung ist zwar nicht möglich, dennoch werden über die hohe Anzahl der Praxiserfahrungen deutliche Trends sichtbar, die zudem recht gut mit den Resultaten aus Exaktversuchen übereinstimmen. Die wichtigsten Ergebnisse sollen in diesem Artikel kurz dargestellt werden.

Gibt es regionale Anbauschwerpunkte für Hybridsorten?
Die klare Antwort lautet: ja. Im Norden Deutschlands werden mittlerweile zu über 80 % Hybriden angebaut. Die geringsten Anbauanteile weisen Hybriden in einem Streifen von Rheinland-Pfalz über Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen hinein auf. Süddeutschland weist mit ca. 60 % wieder höhere Hybridanteile auf (Tab. 1).

Das Wichtigste – der Ertrag

Kornertrag nach Sortentyp
Kornertrag nach Sortentyp
Über die Jahre hinweg fallen die im Schnitt sehr stabilen Mehrerträge der Hybridsorten gegenüber den Liniensorten auf (siehe Abb. 1). Eine Auswertung der Erträge nach Bundesländern gestaltet sich schwieriger, da oftmals die Anteile zwischen Linien und Hybriden zu ungleichmäßig verteilt sind oder einfach nicht genügend Ergebnisse vorliegen. Tendenziell werden aber die höchsten Mehrerträge der Hybriden in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bayern erzielt, es ist also kein Nord-Süd-Gefälle zu beobachten.

Ertrag nach Intensität der N-Düngung
Ertrag nach Intensität der N-Düngung
Wie sieht es nun mit Ertragsdifferenzen bei unterschiedlicher Bestandesführung aus? Es ist dabei interessant, sich verschiedene Intensitäten anzusehen. So bewirkt eine höhere N-Düngung in der Regel auch einen besseren Ertrag (siehe Abb. 2). Der Ertragsvorsprung der Hybriden gegenüber den Liniensorten wird aber insbesondere bei niedrigem N-Düngungsniveau deutlich. Hier können sie mit der besseren Wurzelleistung und N-Verwertung besonders punkten. Der Einsatz von Hybriden ist daher ein effektives Instrument, um ohne Leistungseinschränkung den einzelbetrieblichen N-Saldo zu verbessern.

Die Frage der N-Düngung steht natürlich in Zusammenhang mit der Bodengüte. Eine intensive N-Düngung von 200 kg N/ha lässt auf Hochertragsstandorte mit einem bereits von Natur aus hohen Ertragspotenzial schließen. Die extensiven N-Gaben sprechen dagegen in der Regel für Standorte mit begrenztem Ertragspotenzial (flachgründige Standorte, Sandböden, Trockenheit). Besonders deutlich wird dies in Brandenburg. Beträgt hier der Ertragsvorteil der Hybriden bei 40–50 Bodenpunkten knapp 2 dt/ha, so wächst die Ertragsdifferenz quasi mit jedem abnehmenden Bodenpunkt auf über 5 dt/ha auf Standorten unter 30 Bodenpunkten.

Bodenbarbeitung und Ertrag
Bodenbarbeitung und Ertrag
Keine Unterschiede in der Bodenbearbeitung
Für die Auswertung der verschiedenen Bodenbearbeitungsverfahren überwiegen über die Jahre mit ca. 60 % der Nennungen die Bestellverfahren mit Pflug, je ca. 20 % entfallen auf Mulchsaaten mit tiefer und flacher Lockerung. Daher sind die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichbar. In der Praxis sind jedoch keine besonderen Unterschiede zwischen den Verfahren zu erkennen. Das heißt: Wer sein Bodenbearbeitungsverfahren im Griff hat, erzielt auch vergleichbare Erträge. Die geringste Differenzierung zwischen Linien und Hybriden – aber auch der geringste Ertrag – ergibt sich hierbei aus der flachen Mulchsaat. Zwischen Pflugsaat und Mulchsaat mit tiefer Bodenbearbeitung besteht jeweils ein Abstand von 3,3 dt/ha zugunsten der Hybriden gegenüber den Liniensorten. Allein aus diesen Erträgen lässt sich also keine besondere Mulchsaateignung von Hybriden, aber anders herum auch keine besondere Eignung von Linien für die Pflugsaat ableiten. Wichtig ist hier vor allem eine leistungsfähige Sorte. Dies zeigt sich an den Praxiserträgen der Ernte 2009, wo Visby bei jeder Bodenbearbeitung vorne liegt und gegen alte Hybdriden noch einmal deutlich zulegt (Abb. 3).

Und was ist mit der Saatstärke?
Bereits seit einigen Jahren beträgt die mittlere Saatstärke bei Hybriden weniger als 50 Körner/m², zur Aussaat 2009 wurden im Schnitt 47 Körner/m² ausgesät. Bei den Liniensorten ist erst in den letzten beiden Jahren ein deutlicher Rückgang der Saatstärken auf nunmehr 52 Körner/m² zu beobachten. Die Spannbreite der Saatstärken variiert aber je nach Sortentyp, Region und Saattermin stark zwischen 20 und bis zu 100 Körner/m². Die höchsten Erträge werden im deutschlandweiten 6-jährigen Mittel sowohl bei Hybriden als auch bei Liniensorten mit Saatstärken zwischen 40 und 50 Körner/m² erzielt.

In der Praxis liegen Hybriden vorne
Es zeigt sich: Immer wenn die Anforderungen an die Rapspflanzen steigen, zeigen sich die Stärken von Hybridsorten besonders deutlich. Dies gilt z.B. bei Spätsaaten, schlechter Nährstoffversorgung und insbesondere auf schwächeren Standorten mit Trockenstress. Hinsichtlich Bodenbearbeitung und Saatstärke zeigen Hybriden unabhängig von der Intensität einen konstanten, wirtschaftlichen Mehrertrag gegenüber den Liniensorten. Ergebnis sind über die Jahre und verschiedene Anforderungen hinweg sehr stabile Mehrerträge zwischen 2 und 4 dt/ha. Besonders mit den Hybriden der neuen Generation (z.B. Visby und Dimension) ist daher auch zur kommenden Aussaat mit einer weiter steigenden Hybridraps-Anbaufläche in Deutschland zu rechnen.

Bert Ketelsen und Rainer Kahl

Stand: 10.05.2010