Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Der Boden ist das wertvollste Gut im Ackerbau. Zentrale Aufgabe für jeden Landwirt ist es deshalb, die Erosion zu verhindern.  Fachberater Franz Unterforsthuber beschreibt, wovon der Erfolg einer Mulchsaat abhängt.

Bei Reihenkulturen wie Mais oder Rüben funktioniert die Mulchsaat in abgefrorenen Zwischenfrüchten sehr gut. Wind- und Wassererosion wird verhindert, die Krume durch das Wurzelwerk stabilisiert und die Infiltrationsrate des Wassers verbessert. Eine erfolgreiche Mulchsaat mit abfrierenden Zwischenfrüchten hängt von einer kräftigen und gleichmäßigen Bestandsentwicklung der Zwischenfrucht ab. Die verwendete Zwischenfrucht bestimmt Aussaattermin und Bearbeitungsintensität.

Mulchsaat wird durch diverse Förderprogramme, z.B. durch das KULAP-Programm, finanziell unterstützt. Gesetzliche Vorgaben im Rahmen des Erosionskatasters werden hinzukommen.

Mulchsaatgeeignete Kulturen
Mulchsaatgeeignete Kulturen
Die Ziele einer erfolgreichen Mulchsaat lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Die Zwischenfrucht soll den Boden rasch und möglichst vollständig bedecken. Das vermindert die Verdunstung und verbessert die Unkrautkonkurrenz.
  • Die Zwischenfrucht muss sicher abfrieren und auch nach einer ganzflächigen Bearbeitung genügend Pflanzenmaterial auf der Bodenoberfläche zurücklassen.
  • Das oberirdische Stängelmaterial soll im Frühjahr gut austrocknen und brüchig sein.
  • Der Mulch sollte keine Matte bilden, da der Boden sich dadurch langsamer erwärmt und schlechter abtrocknet.
  • Die Zwischenfrucht zur Mulchsaat sollte den Boden gut durchwurzeln, um die Struktur des Bodens zu stabilisieren und das Einsickern des Wassers zu verbessern.

Unter Berücksichtigung all dieser Anforderungen haben sich in der Praxis Senf, Phacelia und Ölrettich bestens bewährt. Jede Kultur zeichnet sich durch bestimmte Vorteile und Besonderheiten aus und stellt hinsichtlich Aussaat und Fruchtfolge spezifische Anforderungen. Eine Übersicht hierzu gibt Tab. 1. 

Alternativen zu gängigen Zwischenfrüchten
Alternativen zu gängigen Zwischenfrüchten
Mulchsaaten sind häufig durch eine etwas langsamere Anfangsentwicklung aber ein gutes Durchhaltevermögen bei späterer Trockenheit gekennzeichnet. Nicht zu vernachlässigen sind verschiedene Zusatzeffekte: Herbststickstoff wird organisch gebunden und der anschließenden Hauptfrucht großenteils zur Verfügung gestellt. Auch Bodennährstoffe und Wasser werden durch die Verbesserung der Bodenstruktur effizienter aufgenommen. Zwischenfrüchte bringen zusätzlich organische Substanz in den Boden, so dass mehr Bodenwasser gespeichert werden kann. Außerdem haben sie eine phytosanitäre Wirkung, die vor allem in Rüben- und Kartoffelfruchtfolgen mit der richtigen Arten- und Sortenwahl genutzt werden kann. Zweifelsohne eignet sich Senf in vielen Anbausituationen am besten für die Mulchsaat. Hervorragend bewährt haben sich vor Mais konventionelle Sorten wie Albatros oder Ascot und vor Rüben nematodenreduzierende Sorten wie Accent oder Maxi.

Das muss bei der Wahl der Kultur beachtet werden
Es gibt allerdings Einschränkungen, die beim Anbau und bei der Wahl der Zwischenfrucht beachtet werden müssen.

Fruchtfolge: In engeren Rapsfruchtfolgen (< 5 Jahre) ist aufgrund von Fruchtfolgekrankheiten (Kohlhernie, Verticillium) kein Platz für Senf. Auch der Raps-Durchwuchs muss hier beachtet werden. Hier ist eine Alternative die Phacelia (z.B. Angelia, Amerigo), da es hier keine verwandtschaftliche Beziehung zur Kulturpflanze Raps gibt. Auch Ölrettich, obwohl es sich um einen Kreuzblütler handelt, ist deutlich besser geeignet als Senf.

Saatzeit: Der richtige Saattermin ist für ausreichend oberirdische, organische Masse notwendig. Phacelia hat hier mit einer Saatzeit ca. Mitte August den geringsten Spielraum. Senf hingegen kann bis Anfang September gesät werden. Ölrettich liegt zeitlich dazwischen. Um eine Rettichbildung zu vermeiden, sollten sowohl früher blühende Sorten wie Colonel oder Siletina eingesetzt als auch mit ausreichender Saatstärke gesät werden (20–25 kg/ha).

Saatbettbereitung: Der Vorteil des Senfes liegt darin, dass er auf die raue Pflugfurche mit Schleuderstreuer gesät werden kann. Phacelia stellt als Dunkelkeimer die höchsten Ansprüche an das Saatbett, Ölrettich nimmt hier ebenfalls wieder eine Mittelstellung ein.

Alternativen zu den gängigen Zwischenfrüchten
Besonders in Rapsfruchtfolgen stehen mit groß- und kleinkörnigen Leguminosen wie Ackerbohnen und Erbsen bzw. Alexandrinerklee weitere kreuzblütlerfreie Varianten zur Verfügung. Die Pflanzen sammeln Stickstoff und Fruchtfolgeprobleme mit Raps sind nicht zu erwarten. Die Mulchsaateignung ist gegenüber den oben genannten Kulturen eingeschränkt. Erbsen sollten in Kombination mit Ackerbohnen als Stützfrucht angebaut werden.

Erbsenmulch
Erbsenmulch
Direkt- und Mulchsaat: so funktioniert´s
Ziel ist eine geschlossene Pflanzendecke mit guter Unkrautunterdrückung und ausreichend organischer Masse für die Mulchwirkung nach Winter.

Es ist dabei sehr wichtig, bereits für den Anbau der Zwischenfrucht die Grundbodenbearbeitung sehr exakt unter Vermeidung von Schmierschichten und Verdichtungen durchzuführen.

Das Saatbett muss je nach Zwischenfrucht so bereitet werden, dass ein gleichmäßiger Feldaufgang mit rascher Bodendeckung gewährleistet ist. Durch eine ausreichende N-Versorgung wird dann die Pflanzenentwicklung gefördert.

Für die Aussaat der Hauptfrucht steht die Entscheidung an, direkt oder nach ganzflächiger Bodenbearbeitung in den Mulch zu säen. Dies hängt vor allem von der Bodenart und der Anbauregion ab. Auf langsam erwärmbaren Böden sollte die Zwischenfrucht in möglichst rauen Boden gesät werden, um möglichst lange viel Luft im Boden zu halten. Das beschleunigt das Abtrocknen und die Erwärmung im Frühjahr. Die Saatbettbereitung erfolgt ganzflächig zur Hauptfrucht. Hierfür sind Senf oder großkörnige Leguminosen ideal.

Die Direktsaat ist an starken Erosionslagen zu bevorzugen. Sie funktioniert auf rasch erwärmbaren Böden mit günstigem Garezustand im Saathorizont und trockenem, gut brüchigem Pflanzenmaterial am besten. Die Bestellung der Zwischenfrucht muss wie zu einer Hauptfrucht durchgeführt werden.

Fazit
Eine erfolgreiche Mulchsaat mit abfrierenden Zwischenfrüchten hängt von einer kräftigen und gleichmäßigen Bestandsentwicklung der Zwischenfrucht ab. Die verwendete Zwischenfrucht bestimmt Aussaattermin und Bearbeitungsintensität. Ob es vorteilhafter ist, die Mulchsaat in Direktsaat oder nach ganzflächiger Bodenbearbeitung durchzuführen, hängt von der Hangneigung, der Bodenstruktur im Frühjahr und von der Erwärmbarkeit der Böden ab. Ganz wichtig: Mulchsaaten sind ohne Ertragseinbußen möglich!

 

Franz Unterforsthuber

Stand: 14.05.2010