Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Geplant war eigentlich alles ganz anders: Nach der Wende sollte der Betrieb auf guten Standorten in den neuen Bundesländern wachsen. Warum Friedrich Schulze sich für die trockenen Böden der Altmark entschieden hat und wie er trotz widriger klimatischer Verhältnisse akzeptable Erträge erzielt, erläutert der Betriebsleiter in einem Gespräch mit praxisnah.

Friedrich Schulze bewirtschaftet in Jembke am südöstlichen Rand der Lüneburger Heide einen intensiven Ackerbauhackfruchtbetrieb mit Beregnung. Dort sind die Flächen knapp und teuer, Betriebserweiterungen schwierig. Mit der Wende eröffneten sich neue Optionen im angrenzenden Sachsen-Anhalt, beispielsweise in der Magdeburger Börde. Doch Blut ist dicker als Wasser: Im Fall des Betriebsleiterehepaares Heike und Friedrich Schulze ist das durchaus wörtlich zu verstehen.

„Meine Mutter stammt aus der Altmark, aus dem Ort Wernstedt, und das zählte letztlich mehr als Bodenpunkte und Niederschlagsmengen“, erinnert sich Schulze. Durchschnittliche Niederschlagsmengen von nur 520 mm im Jahr, sehr wechselhafte Bodenverhältnisse zwischen 25 und 50 Punkten und Frühsommertrockenheit prägen den Ackerbau dort. Seine Antwort auf diese standortspezifische Herausforderung ist ein durchdachter und aufeinander abgestimmter Arbeits- und Fruchtfolgeplan für die Flächen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. „In der Altmark in Kakerbeck bauen wir fast ausschließlich die Mähdruschfrüchte Winterraps, Winterweizen, Wintergerste und Winterroggen an“, erklärt Schulze. In Jembke folgt nach den Hackfrüchten Winterweizen. Bis auf wenige Ausnahmen kann er die Altmark-Flächen zuerst dreschen, erst danach ist der Weizen in Jembke reif.

Die Bestellung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Ende August wird in der Altmark Raps gesät, das Getreide ist spätestens Ende September im Boden. Von diesem Schema weicht der Betriebsleiter nicht ab. Damit gelingt es ihm, den gesamten Betrieb relativ kostengünstig mit nur einem Maschinenpark von Jembke aus zu bewirtschaften.

Anbauversuche mit Hybridweizen
Die größten ackerbaulichen Herausforderungen der Altmark sind die leichten Böden und die ausgedehnte Vorsommertrockenheit. „Wir haben es dort mit typischen Roggenstandorten zu tun“, so Schulze. „Seit mehreren Jahren verzeichne ich bei dieser Frucht jedoch keine Ertragszuwächse mehr. Gleichzeitig wächst die Preisdifferenz zwischen Roggen und Weizen. Deshalb bin ich nun dabei, den Weizenanbau so weit wie möglich auszudehnen.”

Friedrich Schulze machte sich deshalb gezielt auf die Suche nach passenden Alternativen und nach für die armen Standorte geeigneten Weizenanbauverfahren. In Gesprächen mit Berufskollegen und bei einem Besuch des SAATEN-UNION Feldtages in Wulfsode ist er auf den Hybridweizen gestoßen. „Die beschriebenen Sorteneigenschaften entsprachen genau den Anforderungen meiner Grenzstandorte“, so Schulze. „Im Jahr 2008/ 2009 habe ich mich deshalb entschieden, in der Altmark 55 Hektar mit den drei Sorten Hysun, Hymack und Hystar einzusäen.“

Starke Wurzel nach früher Saat
Vor allem die Ergebnisse der 20 Hektar Hystar überzeugten Schulze. Diese Sorte erzielte im Durchschnitt 7 bis 10 Dezitonnen je Hektar mehr gegenüber den konventionellen Weizensorten. Die Ertragsvorteile zeigten sich bereits auf den sehr leichten Standorten, die Steigerungen auf etwas günstigeren Böden bezeichnet Schulze als immens.

Die Gründe für das überzeugende Ergebnis beschreibt Schulze so: „Hystar ist sehr frohwüchsig. Durch die sehr frühe Aussaat gelingt es der Sorte, ein starkes Wurzelsystem zu entwickeln. Daher konnte sie auch bei der Trockenheit von Anfang April bis Ende Mai 2009 auf besseren Standorten diesen deutlichen Ertragsvorsprung erreichen.“

„Wichtig ist eine angepasste Bodenbearbeitung. In der Altmark betreiben wir ausschließlich Mulchsaat, um die Feuchtigkeit im Boden so effizient wie möglich nutzen zu können. Auch bei der Saatstärke ist weniger oft mehr. Mit Hystar erzielen wir bei 105 ausgesäten Körnern je Quadratmeter 450 bis 500 ährentragende Halme. Darüber hinaus ist es wichtig, den Weizen bereits im März mit einer ausreichenden Menge Stickstoff zu versorgen. Dann ziehen sich die Bestände rechtzeitig zu und konservieren mit Beginn der Trockenphase im Frühjahr besser die Feuchtigkeit im Boden. Durch die frühe Aussaat im September kann die Sorte auch ihre extreme Frühreife ausspielen. Die Ernte ist vor Winterroggen möglich, die Arbeitsspitzen können deutlich entzerrt werden.

2009 überzeugten zudem nicht nur die Erträge, sondern auch das hohe Hektolitergewicht, dies auch auf Standorten unter 40 Bodenpunkten.“

Sorten für Grenzstandorte
Im vergangenen Herbst hat Friedrich Schulze aufgrund der positiven Erfahrungen der Ernte 2009 auf 60 Hektar Hystar ausgesät. „2010 wird zur Bewährungsprobe“, meint Schulze. Denn seit Ende März hat es in der Altmark nicht mehr geregnet und gespannt beobachtet der Betriebsleiter nun, was Hystar in Extremsituationen zu leisten vermag. „Selbstverständlich gibt es natürliche Grenzen. Dennoch brauchen wir möglichst trockentolerante, frühreife Weizensorten. Nur mit solchen Sorten wird es zukünftig möglich sein, auch auf Grenzstandorten erfolgreich Weizen anbauen zu können.“

 

Das Gespräch führte Friederike Krick am 28. April 2010

Stand: 14.05.2010