Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Fast 50 % aller Biogasanlagen nutzen Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS) als Ergänzung zum Hauptsubstrat Mais. Dank der guten Ausnutzung der Winterfeuchte ist Wintergetreide besonders in Mais-Grenzlagen sehr anbausicher. Außerdem ermöglicht die GPS-Nutzung von Wintergetreide innovative Fruchtfolgen. Versuche zeigen, dass die Sorten mit den höchsten Kornerträgen auch die besten GPS-Erträge liefern.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, auf diesen Flächen außerhalb der Maissaison Gärrest auszubringen. Regional können sehr hohe GPS-Erträge von mehr als 16 t/ha als Trockenmasse erzielt werden (bei ähnlichem Methanbildungspotenzial wie beim Mais).


Welche Kultur für GPS?
Welche Kulturart am besten für die GPS-Nutzung geeignet ist, hängt nicht nur vom Trockenmasseertrag ab, sondern auch von den Aussaat- und Erntezeitpunkten. Diese müssen mit der Fruchtfolge eines Betriebes koordinierbar sein.

Gerste bietet den Vorteil, als erste Frucht das Feld zu räumen und so in günstigen Lagen noch eine Zweitfrucht zu ermöglichen. Als Nachteil könnte man ansehen, dass sie nicht spätsaatverträglich ist und nicht die höchsten Trockenmasseerträge bringt.

Hybridroggen bringt hohe Trockenmasseerträge auch auf trockenen Standorten, er räumt später als Gerste das Feld (ab Mitte Juni). Grünroggen ist als Winterzwischenfrucht einzustufen und sollte deshalb auch nicht zusammen mit anderen Wintergetreiden zur GPS-Nutzung geprüft werden. Er räumt bis Anfang Mai das Feld – mindestens einen Monat vor allen anderen Getreidearten – und wird zum Ährenschieben geerntet. Danach steigt die Lageranfälligkeit stark an.

Triticale liefert ebenfalls sehr hohe Biomasseerträge, räumt aber noch etwas später als der Hybridroggen das Feld (ab Mitte bis Ende Juni).

GPS-Ernte
GPS-Ernte
Weizen bietet meist die besten Vermarktungsmöglichkeiten als Körnerfrucht und damit eine sehr flexible Nutzung. Er ist am spätsaatverträglichsten, räumt das Feld aber auch erst ab Ende Juni. Die GPS-Erträge knüpfen auf guten Böden an die von Roggen und Triticale an.

Zurzeit gibt es nur für Roggen und in kleinem Umfang für Triticale eine spezielle Wertprüfung für die GPS-Nutzung, die in Zukunft als Richtschnur für die Auswahl der Sorten dienen kann. Für die anderen Wintergetreidearten gibt es diese nicht.

Neue Versuche für die richtige Sortenwahl
Um diese Wissenslücke zu schließen, hat die SAATEN-UNION Versuche in Moosburg (Süd-Bayern) und Söllingen (Ost-Niedersachsen) durchgeführt. Die vorgestellten einjährigen Versuche werden 2010 wiederholt. Neben einer Leistungsprüfung auf Biomasse der einzelnen Sorten sollte vor allem ermittelt werden, ob der Kornertrag oder die Restpflanze für einen hohen GPS-Ertrag verantwortlich ist.

In Moosburg standen insgesamt 15 Sorten aus vier Kulturen in der Prüfung. Am Standort Söllingen war die Prüfung aus technischen Gründen weniger umfangreich. Von allen Sorten wurden in vierfacher Wiederholung die GPS-Erträge bei EC 79–83  (Ende Milch- bis Anfang Teigreife), und die Stroh- und Kornerträge ermittelt.

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Wintergertreide GPS-, Stroh- und Kornertrag
Wintergertreide GPS-, Stroh- und Kornertrag
rgebnisse: Der Durchschnitt der offiziellen Roggenbiomasse-Wertprüfung lag bei 135 dt/ha. In Moosburg (Abb. 1) lagen die GPS-Erträge des Roggens mit weniger als 100 dt/ha deutlich darunter. Dies ist vor allem ein Standort- bzw. Jahreseffekt, da in Moosburg zum entscheidenden Wachstumsstadium die Niederschläge fehlten.

Triticale brachte mit bis zu 150 dt/ha in Moosburg und 160 dt/ha in Söllingen die besten GPS-Erträge. Im Gegensatz zum Roggen hat Triticale an beiden Standorten deutlich höhere Erträge erzielt als der Durchschnitt der Wertprüfungen 132 dt/ha.

GPS, Stroh- und Kornertrag
GPS, Stroh- und Kornertrag
Am Standort Söllingen erreichten die Winterweizensorten Akratos und Hystar ähnlich hohe Erträge wie Triticale (Abb. 2), wobei der Hybridweizen Hystar mit halber Aussaatstärke gedrillt wurde. Auch in Moosburg zählten Hystar und Akratos zu den Weizensorten mit den höchsten GPS-Erträgen. Insgesamt kamen die Leistungen des Weizens dort jedoch nicht an das Niveau von Triticale heran. 

Gerste erzielte in Moosburg ähnlich gute Ergebnisse wie der Weizen, konnte aber in Söllingen nicht mit den Erträgen der anderen Kulturen Schritt halten.

Was bestimmt den GPS-Ertrag?
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Kein Zusammenhang von GPS und Wuchshöhe
Kein Zusammenhang von GPS und Wuchshöhe
ur Beantwortung dieser Frage hat die SAATEN-UNION verschiedene Faktoren, wie Wuchslänge, Kornertrag und Strohertrag mit dem GPS-Ertrag in Zusammenhang gesetzt. Der Strohertrag steht dabei stellvertretend für den Anteil der Restpflanze am GPS-Ertrag.

Die Trendlinie der Ergebnisse aller Kulturen zeigt sehr deutlich, dass die Wuchshöhe keinerlei Einfluss auf den GPS-Ertrag hatte (Abb. 3). Auch der Zusammenhang zwischen Stroh- und GPS-Ertrag war nur sehr schwach ausgeprägt (R2 = 0,09). Einen deutlich stärkeren Zusammenhang kann man zwischen dem Kornertrag und dem GPS-Ertrag erkennen (Abb. 4, R2 = 0,50).

Zusammenhang von Kornertrag und GPS-Ertrag
Zusammenhang von Kornertrag und GPS-Ertrag

Was passt nach GPS?
In kühleren oder trockeneren Regionen empfiehlt sich kein Zweitfruchtanbau. Nach der frühen Ernte des GPS-Getreides ergeben sich mehrere Alternativen: Eine rechtzeitige Rapsansaat, der Anbau von Ackerfuttermischungen oder von Zwischenfrüchten. Die letzten beiden Möglichkeiten verbessern deutlich die Humusbilanz und tragen zur Gesunderhaltung des Bodens bei. Eine Biofumigation mit nematodenreduzierenden Zwischenfrüchten ist ebenfalls optimal, denn sie können noch bei relativ hohen Bodentemperaturen im September eingearbeitet werden. Ackerfuttermischungen liefern außerdem noch 1–2 Schnitte im selben Jahr plus einen weiteren Schnitt im Folgejahr für die Biogasanlage oder den Stall. Ein weiterer Vorteil ist der deutlich erweiterte Zeithorizont zur Ausbringung von Gärresten.

Für eine Zweitfruchtnutzung ist die Kombination Grünroggen und Mais bzw. Sorghum optimal (s. praxisnah 2/2009 und 1/2010). Bei einem Aussaattermin im Mai in besonders wüchsigen Lagen ist auch Gersten-GPS als Vorfrucht geeignet.

Fazit
Die bisher vorliegenden Daten zeigen deutlich, dass die besten Sorten für hohe GPS-Erträge auch die Sorten mit den höchsten Kornerträgen sind. Es scheint, dass der Restpflanzenertrag hierbei nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das erleichtert nicht nur die Sortenwahl, sondern ermöglicht auch eine maximale Flexibilität bei der Vermarktung der Ware. Denn diese Sorten sind sowohl für eine GPS-Nutzung, als auch eine Körner- und Strohnutzung geeignet.

 

Dr. Joachim Moeser

Stand: 14.05.2010