Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Dieser Fragestellung wurde in den Körnermais-Versuchen der SAATEN-UNION Versuchsstation in Grünseiboldsdorf bei Freising 2009* nachgegangen. Sechs beteiligte Hybriden standen in zwei Saatzeiten und vier Bestandesdichten im Feld. Darüber hinaus wurde die Frage untersucht, welche Sorten frühe Saattermine zuverlässig in Ertrag umsetzen konnten.

Wer sich des Klimas 2009 erinnert, wird es als relativ unauffälliges Jahr in Erinnerung haben, allenfalls etwas zu feucht im Herbst. Auf jeden Fall war es unauffälliger als das laufende Jahr 2010. Das bestätigt auch die Wettergrafik im Artikel „Wetterkapriolen fordern Sortenmix“. Sie gibt genaueren Aufschluss auch über den Witterungsverlauf 2009.

Früher Saatzeitpunkt bringt fast immer mehr Ertrag
Aufgrund sehr günstiger Bedingungen kam die Frühsaat bereits am 9.April in die Erde, der spätere Saatzeitpunkt dann am 7.Mai. Geerntet wurde alles gemeinsam am 14.Oktober, als keinerlei nutzbare Temperatursumme mehr hinzu kam. Die somit um 29 Tage längere Vegetationszeit der frühen Saat konnte im Mittel aller Sorten in 3,8% Mehrertrag und 5,5% höheren Trockensubstanzgehalt im Korn (Abb.1, zum Vergrößern bitte Anklicken) umgesetzt werden.

Effekte der Saatzeit
Effekte der Saatzeit

Der bessere Standort verträgt die höheren Bestandesdichten
Höhere Bestandesdichten führen an einem so guten Standort wie Grünseiboldsdorf normalerweise zu höheren Erträgen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn die Aussaat sehr spät ist und den Mais in Stresssituationen oder Abreifeprobleme schiebt. In den Versuchen war lediglich bei der späten Saat die Vegetationsperiode so kurz, dass die Ertragsbildung über eine abgebrochene Kornfüllphase in Mitleidenschaft gezogen wurde (Abb.2, Vergrößern bitte Anklicken). Die physiologische Reife, die bei ca. 70% TS-Gehalt eintritt, erreicht in der späten Saat keine der vier Bestandesdichten. Ertraglich unterscheiden sich die vier Varianten aber deutlich: Das Maximum befindet sich bei 11 Pflanzen pro Quadratmeter (späte Saat) bzw. 13 Pflanzen pro Quadratmeter (frühe Saat). Alle Bestandesdichten hatten bei der frühen Saat die physiologische Reife bereits überschritten.

Bestandesdichte bei früher und später Saat
Bestandesdichte bei früher und später Saat
Je dichter der Bestand ist, desto feuchter ist das Bestandesklima. Dies ist der Grund für die Spannweite von 74,1% TS-Gehalt bis 72,8% TS-Gehalt. Dieses Muster gilt selbst für die früheste Sorte im Feld, Sulexa S220 K220, und verdient deshalb Beachtung bei sämtlichen Säterminen im Mai.

Die Reifezahl anpassen an Standort und Saatzeit
Wer sich mit Maissorten beschäftigt, kennt den negativen Zusammenhang zwischen Frühreife und Kornertrag. Dass diese Beziehung ungebrochen ist, zeigen die Ergebnisse unseres Versuches. Sie gilt ohne Ausnahme selbst in der späteren Saatzeit (Abb.3, Vergrößern bitte Anklicken). Bei der späten Aussaat erreichte keine der späteren Sorten den erforderlichen TS-Gehalt von 70%. Dies lehrt, dass spätere Sorten bei Aussaatverzögerung eigentlich nur CCM-Niveau erreichen können. Eine kleine Besonderheit zeigt die frühreife Zahnmaissorte Sudoku K220. Sie blüht im Vergleich zur Hartmaissorte Sulexa K220 später, kann aber jenseits der physiologischen Reife ihr besseres Dry-Down ausspielen. Sie ist in Frühsaat trockener, aber in Spätsaat feuchter.

Kornertrag und Reifegrad bei unterschiedlicher Vegetationsdauer
Kornertrag und Reifegrad bei unterschiedlicher Vegetationsdauer

Fazit
Es bleibt festzuhalten, dass es sich ganz allgemein lohnt, früh und eher dicht zu säen und dabei auf die leistungsstärksten Hybriden zu setzen. Für den Standort Grünseiboldsdorf spielte die Reifezahl der Sorten eine untergeordnete Rolle: Suzy K260, Susann K280 oder Surreal K290 – alle haben ihre Traumnote 9 im Kornertrag bestätigt.

Was aber, wenn eine frühe Saat nicht möglich ist? Wer erst später säen kann, muss genauer mit der Bestandesdichte zielen und darf mit den Reifezahlen nicht zu hoch pokern. Auch vor dem Hintergrund, dass das Wetter immer unberechenbarer wird, sollte in jedem Fall das Prinzip der Risikostreuung gelten.

Dr. Andreas Groß
 

Stand: 02.11.2010