Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Unbestritten ist die hohe Bedeutung der Körnerleguminosen für die Erweiterung zu enger Getreide-, Raps- und Maisfruchtfolgen. Um diese Kulturarten wieder attraktiver zu machen, ist eine besondere Förderung unumgänglich, da zurzeit für die meisten Betriebe ein Anbau von Körnerleguminosen trotz ihrer ackerbaulichen Vorteile nicht rentabel ist. Agrarumweltmaßnahmen könnten das ändern.

In Frankreich ist dieses Problem bereits erfolgreich angegangen: Dort wurde eine solche Förderung beschlossen und kurzfristig beginnend mit dem

Förderung von Leguminosen
Förderung von Leguminosen
Jahr 2010 umgesetzt. Für zunächst drei Jahre werden pro Jahr 40 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, das sind ca. 100 Euro pro ha Leguminose. Für viele Landwirte waren Körnerleguminosen damit wieder konkurrenzfähig, was zu einer sprunghaften Ausdehnung des Ackerbohnen- und des Erbsenanbaus führte. 

Länder bremsen Förderung in Deutschland aus
Ließe sich dieses Modell so oder so ähnlich auch auf Deutschland übertragen? Für Deutschland wurde im Februar 2010 durch den Bund/Länderplanungsausschuss (PLANAK) die Agrarumweltmaßnahme „Vielfältige Fruchtfolgen mit 10 % Leguminosen“ beschlossen. Diese sieht eine Förderung aller Flächen der Fruchtfolge vor, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1. Anbau einer Körnerleguminose oder eines Leguminosengemenges von mindestens 10%
2. Laufzeit: mindestens 5 Jahre
3. In der Fruchtfolge müssen mindestens vier Hauptfrüchte enthalten sein.
4. Ein Fruchtfolgeglied darf max. 50% der Fruchtfolge umfassen.

Wintererbse
Wintererbse
Mit bis zu 75 Euro pro Hektar der Gesamtfruchtfolge ist diese Förderung sehr attraktiv. Allerdings gibt es ein erhebliches Problem bei der Umsetzung: Den Bundesländern ist freigestellt, diese Maßnahme zu übernehmen. Da sie diese aber einerseits kofinanzieren müssen und andererseits in einzelnen Bundesländern bereits ähnlich gelagerte Projekt existieren, ist diese Maßnahme bisher nur sehr zögerlich umgesetzt worden.Die bisher existierenden Länderprogramme sind zudem i.d.R. nicht so attraktiv wie die neue Förderung. Ohne die massive Unterstützung durch die jeweiligen Entscheidungsträger in den Bundesländern wird es nicht gelingen, diese Maßnahme in den jeweiligen Länderangeboten zu etablieren. Dann aber würde dieser PLANAK-Beschluss nur ein Papiertiger sein und seine Wirkung verpuffen. Die Praxis hätte nichts davon.
Welche Kultur auf welchem Standort
Welche Kultur auf welchem Standort

Neu: Winterformen sind verfügbar
Das wäre sehr bedauerlich, da das Spektrum der Arten nach wie vor für jeden Standort auch die geeignete Körnerleguminose bietet (s. Tab. 2). Neue Perspektiven ergeben sich aus der Verfügbarkeit von Winterformen der Ackerbohnen und insbesondere von Wintererbsen. Erste Testversuche mit Wintererbsen haben eine gute Winterhärte in Verbindung mit hohen Erträgen und sehr früher Ernte ergeben. Wir werden in der nächsten Ausgabe ausführlich darüber berichten.

Dr. Olaf Sass

Stand: 02.11.2010