Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Was für eine Schlammschlacht! Für viele Maisanbauer, die späte Sorten gewählt hatten, ging im Herbst einfach nichts voran. Der Mais kam zu spät vom Feld und folglich wurde auch die Aussaat der Folgefrucht in Mitleidenschaft gezogen. Das Erntezeitfenster ist daher ein wichtiges Argument für die Auswahl (auch) früher Sorten zur Absicherung der Silomaisernte. So kann man das Risiko innerhalb der Silomaisernte deutlich reduzieren.  

Das Erntezeitfenster ist die Zeitspanne, in der sich der Bestand im optimalen Reifezustand für die Ernte und Silierung befindet. Vorher ist der Mais zu nass und man riskiert Sickersaftverluste. Zudem ist er meist auch vergleichsweise arm im Futterwert. Nach dem Erntezeitfenster verstroht die Restpflanze und lässt sich nicht mehr gut verdichten, es kann zur Verpilzung kommen. Außerdem lässt die Verdaulichkeit der Zellwände nach.

Ayrro, Kolben
Ayrro, Kolben
Großzügig wird das Erntezeitfenster mit dem Bereich 29 bis 37% Gesamt-Trockenmassegehalt beschrieben. Optimal jedoch ist es zwischen 30 bis 35%.

Siloreifezahl sagt nichts über das Erntezeitfenster aus
Die in Deutschland zugelassenen Maissorten haben fast alle eine Reifezahl für die Silonutzung, die in einer zweijährigen bundesweiten Prüfung ermittelt wird. Die Reifezahl orientiert sich an dem in den Versuchen ermittelten durchschnittlichen Gesamt-Trockenmassegehalt. Je kleiner die Zahl, desto früher, je größer die Zahl, desto später reift die Sorte. Was man der Zahl jedoch nicht ansieht, ist der Zeitraum, in der sich die einzelne Sorte im erntbaren Zustand befindet.

 

„Stay-Green“ reicht nicht
Der Begriff des „Stay-Green“ umschreibt die Sachlage nur optisch und daher unvollkommen. Denn auch der sortentypische Kolbenanteil und dessen Reifefortschritt verändern die Abreife der Gesamtpflanze sehr stark. Deshalb ist es generell besser, den Reifegrad nachzumessen. Auf der SAATEN-UNION Versuchsstation Grünseiboldsdorf bei Freising wurde in Versuchen die Abreifedynamik früher Silomaissorten ermittelt. Vier Erntetermine sollten das Abreifegeschehen abbilden. Drei Sorten wurden miteinander verglichen, um die Variation innerhalb der gleichen Siloreifezahl (S220) zu verdeutlichen und um den Effekt besonders frühreifer Sorten (S200) darzustellen. Es handelt sich im Einzelnen um die neuen Hybriden Ayrro S220 und Sulexa S200 sowie um die langjährig bekannte Standardsorte Amadeo S220.

Zwei Wochen mehr Ernteflexibilität
Abb. 1  fasst die Ergebnisse zusammen. Gleich auf den ersten Blick wird klar, dass die beiden 220er sich in der Länge der optimalen Erntezeitspanne wesentlich unterscheiden. Der ungewöhnlich lange Zeitraum von 4,5(!) Wochen von Ayrro S220 beschreibt, dass diese Sorte die vermutlich größten Sicherheitsreserven hat, wenn sich das nächste Jahr durch einen heißen Herbst auszeichnet. Die Standardsorte Amadeo S220 zeigt mit knapp 2,5 Wochen ein normales Erntefenster.

Ayrro Abreife Amadeo
Ayrro Abreife Amadeo

Es überrascht, dass die drei Sorten fast gleichzeitig in den Erntebereich hineinreiften. Offensichtlich haben die Wetterextreme in der Zeit bis Anfang August die Blüte aller drei Sorten quasi „in den Schwitzkasten genommen“ und damit synchronisiert. Somit fiel die Differenzierung der Sorten im Zeitraum vor der Blüte faktisch aus.

Richtig frühe Maissorten reifen jedoch in allen Parametern sehr schnell ab, was sich insbesondere auf Tieflandstandorten in einem sehr kurzen Erntezeitfenster widerspiegelt. So auch bei Sulexa S200, die mit knapp unter zwei Wochen nur sehr wenig Raum zur optimalen Ernte lässt. In einem heißen Herbst würde dieser Zeitraum „vorbeihuschen“. Solch eine Frühreife ist deshalb im Gunstgebiet nur für Spätsaaten passend, denn hier streckt sich die Ernte wieder genau zur richtigen Zeit.

Fazit
Mal ist es ein kalt-nasser Herbst, der die Ernte von späten Sorten erschwert, mal ist es ein warmer Herbst, der einen optimalen Erntetermin früher Sorten fast unmöglich macht. Es kann daher nur dazu geraten werden, für 2011 etwas mehr Sicherheit für die Abreife einzubauen. Mit der Wahl von Sorten unterschiedlicher Reife sowie mit hoher Ernteflexibilität kann man das Risiko gering halten.

Dr. Andreas Groß

Stand: 20.12.2010