Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Oberfranken mit seiner weltweit einmaligen Vielzahl von Brauereien und Mälzereien war seit jeher ein Schwerpunkt des bayerischen Braugerstenanbaus. Mit einem Anteil von über 60% ist Marthe die führende Sorte. Bei der traditionellen  Braugerstenschau in Kulmbach  2010 wurde Thomas Kraus aus Steinfeld (Fränkische Schweiz) Bezirkssieger und erreichte mit Marthe die Höchstpunktzahl im Landkreis Bamberg. praxisnah sprach mit ihm über seine Erfolgsstrategie: angepasste Düngung und Pflanzenschutz, antizyklisches Marktverhalten, konsequente Qualitätssicherung.

Andere steigen aus – warum bauen Sie weiter Braugerste an?
Für mich ist eine vielgliedrige Fruchtfolge die Grundlage für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Gerade im Hinblick auf die Verungrasung bei einseitigem Anbau von Wintergetreide nimmt die Sommergerste Druck raus. Darüber hinaus honoriert das bayerische Kulturlandschaftsprogramm zzt. fünfgliedrige Fruchtfolgen mit 100 € pro Hektar. Im Übrigen zeigt auch die Vermarktungsperiode 2010–2011: Antizyklisches Verhalten wird oft mit steigenden Preisen belohnt.

Thomas Kraus
Thomas Kraus


2010 konnte nur auf der Hälfte der Fläche braufähige Gerste geerntet werden. Wie schafft man es trotzdem, eine Siegergerste zu ernten?
In unserem Milchviehbetrieb steht die Gerste in einer fünfjährigen Rotation.
Direkt vor der Saat erfolgt die gesamte Düngung nach Nmin und nach betriebsindividuellen Erfahrungen. In der Regel streuen wir 80–90 kg Stickstoff in Form eines Volldüngers mit Magnesium und Schwefel (20/5/5+6+4). Bei gut abgetrocknetem Boden erfolgt die Saat in die abgefrorene Phacelia-Zwischenfrucht mit Kreiselegge und Sämaschine in einem Arbeitsgang. Bei Bedarf geht der Einsatz eines Totalherbizids voraus.

Marthe, Braugerste
Marthe, Braugerste

Nach unserer Erfahrung lohnt der Einsatz von optimal aufbereitetem, gesundem und anerkanntem Saatgut mit garantierter Keimfähigkeit. Die Bestände wachsen in der Jugend vitaler, bleiben gesünder und zeigen gerade bei der Streifenkrankheit deutlich später Blattsymptome.
Je nach Saatzeitpunkt und Bodenzustand drillen wir zwischen 330–350 keimfähige Kö/m². Die Unkrautbekämpfung erfolgt zu Beginn der Bestockung. Dem immer wieder auftretenden Manganmangel bei Gerste in unseren Juralagen begegnen wir mit einer umfassenden Spurenelementversorgung.

Wie sieht Ihre Pflanzenschutzstrategie aus?
Marthe braucht in der Regel keine frühe Blattbehandlung, da sie bei Mehltau gesund ist. Je nach Befallsdruck von Rynchosporium oder Netzflecken behandle ich nach Entfaltung des letzten Blattes bis kurz vor dem Grannenspitzen mit einem leistungsfähigen Fungizid. In den letzten Jahren war dies auch der optimale Spritztermin für einen Schutz gegen nichtparasitäre Blattflecken. Bei üppigen Beständen kombiniere ich mit einer Teilmenge Etephon, um die Knickfestigkeit weiter zu erhöhen und für eine Schlechtwetterperiode wie 2010 gewappnet zu sein.


Wie stellen Sie sicher, dass während der Ernte die Qualität nicht leidet?
Wie stellen Sie sicher, dass während der Ernte die Qualität nicht leidet?
Gerade heuer war es wichtig, die wenigen guten Druschtage effizient zu nutzen. Aufgrund ausreichender Mähdruschkapazitäten konnten wir annähernd zeitgerecht ernten.
Darüber hinaus muss man unbedingt Kornverletzungen vermeiden. Deshalb war der Mähdrescherfahrer gefordert, die Intensität des Druschvorganges den überreifen Beständen anzupassen.

Wie schätzen Sie den Markt ein?
Die hiesigen Mälzereien benötigen mehr Gerste als in Oberfranken wächst. Durch die schlechte Braugerstenernte 2010 kann die Ware knapp werden. Daher glaube ich, dass sich der Preis für Braugerste stärker entwickeln wird, als für andere Getreidearten. Dies, zumal im Frühjahr 2011 noch weniger Fläche zur Verfügung stehen wird.

Das Gespräch führte Ernst Rauh

Stand: 17.12.2010