Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Die Aussaat der Winterkulturen im Herbst 2010 war in den meisten Regionen sehr schwierig. Die vielerorts verzögerte Ernte führte dazu, dass Vorfrüchte die Flächen nicht geräumt haben und eine angemessene Bodenbearbeitung und Aussaat erschwert wurden. Zwei Drittel der Winterrapsaussaat konnte daher erst nach dem 1. September erfolgen oder war gar nicht mehr möglich.
Viele schwach entwickelte Rapsbeständewerden den Winter nicht überstehen.Daher gewinnt im Frühjahr 2011der Sommerraps an Bedeutung und stellt eine gute Alternative zum Winterraps dar.


Sommerraps, Zuchtgarten, Foto: Ulrike Baer
Sommerraps, Zuchtgarten, Foto: Ulrike Baer
Produktionstechnik
1. Bodenbearbeitung und Saat: Sommerraps stellt ähnliche Boden- und Klimaansprüche wie Winterraps und benötigt ebenfalls ein trockenes, mittelfeines Saatbett. Die Aussaat sollte möglichst früh und unter trockenen Bedingungen erfolgen, ab Mitte Februar. Bei später Aussaat bis Mitte April ist die Zeit für die Jugendentwicklung des Sommerrapses zu kurz, um einen kräftigen Blattapparat als Grundlage für hohe Erträge auszubilden.
Eine zeitige Aussaat (bei Bodentemperaturen von 5 °C in den obersten 5 cm) hingegen fördert das vegetative Wachstum. Eine tiefere
Durchwurzelung sichert eine bessere Wasserversorgung und Nährstoffaufnahme und erhöht damit Ertragssicherheit. Die Keimung erfolgt
bereits bei Bodentemperaturen von 2–3 °C. Sommerraps kann in der frühen Jugendphase auf Fröste unter -4 °C empfindlich reagieren. Andererseits kommt es zu einer Abhärtung der jungen Pflanzen, falls diese in ihrer Entwicklung längere Zeit kühlen Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgesetzt sind. Solche Bestände können auch bis zu -8 °C überstehen.
Die Aussaattiefe darf bei guter Bodenfeuchte 1–2 cm, auf trockenen Standorten max. 3 cm mit Rückverfestigung nicht überschreiten. Die empfohlene Saatstärke liegt je nach Saattermin bei Hybriden zwischen 60 und 80 und bei Liniensorten zwischen 80 und 100 keimfähigen Körnern/m² (je nach TKG entsprechend ca. 3,5–5 kg/ha). Je später der Saattermin, desto höher die empfohlene Saatstärke: Da die Anzahl der Verzweigungen sinkt, muss über die Erhöhung der Saatstärke eine höhere Anzahl von Haupttrieben pro Fläche den Ertrag absichern.
 

2. Nährstoffversorgung: Ein gut entwickelter Sommerrapsbestand hat durchaus ein Ertragspotenzial von 25–35 dt/ha, vereinzelt sogar darüber. Dabei ist er wegen der kürzeren Vegetationszeit und des flacheren Wurzelsystems auf eine gute Nährstoffverfügbarkeitangewiesen. Für Erträge um 30 dt/ha müssen etwa 70 kg/ha P2O5, 160 kg K2O und 50 kg/ha MgO aus dem Bodenvorrat und über die Grunddüngung zur Verfügung gestellt werden. Gaben von 25–35 kg S/ha (1 kg S je dt Ertragserwartung) beugen der Gefahr von Schwefelmangel vor.
Der Stickstoffbedarf beträgt etwa 5–6 kg N/dt Ertragserwartung. Es bietet sich daher eine Gabe von 80–100 kg N/ha zur Aussaat sowie eine 2. Gabe von 40 kg N/ha in der Streckungsphase an. Bei hoher Ertragserwartung kann eine zusätzliche N-Gabe von 10–20 kg/ha auch in Kombination mit einer Pflanzenschutzmaßnahme erfolgen.

 

Sommerrapssorten im Vergleich
Sommerrapssorten im Vergleich

Pflanzenschutz
Grundsätzlich wird der Sommerraps von den gleichen Krankheiten und Schädlingen wie der Winterraps befallen. Wichtigster Schädling des Sommerrapses ist der Rapsglanzkäfer. Auf Grund der kürzeren Vegetationsperiode und der zügigen Jugendentwicklung ist aber die Gefährdung durch Schädlinge im Frühjahr geringer.
Von besonderer Bedeutung nach der Ernte ist die Bekämpfung von Ausfallraps. Denn in Betrieben, die sowohl Sommer- als auch Winterraps anbauen, ist Sommerraps im Winterraps als nicht bekämpfbares Unkraut zu betrachten und erschwert die Bestandesführung. Daher sollte auf eine sogfältige Ausfallrapsbekämpfung geachtet werden.
Sommerraps ist wie Winterraps anfällig gegenüber Kohlhernie. Bei guten Beständen ist eine Blütenbehandlung sinnvoll.
 
Sommerrapsfeld, Foto: Ulrike Baer
Sommerrapsfeld, Foto: Ulrike Baer

 

Hybriden bringen deutlichen Ertragsfortschritt
Wie auch im Winterraps sind die Sommerrapshybriden den Liniensorten im Ertrag deutlich überlegen.
Die Hybridsorte Belinda hat als eine von zwei Sommerrapssorten die besten BSA-Noten in Kornertrag und Ölertrag (Note 9) erhalten. Auch beim Sommerraps zeigt sich, dass die typischen ertragssichernden Eigenschaften der Hybridsorten wie Stresstoleranz, höhere Vitalität und starkes Wurzelwachstum zu höheren Erträgen sowohl in der Praxis als auch in Exaktversuchen führt.


Fazit
Ökonomisch betrachtet ist der Anbau von Winterraps bei normalem Witterungsverlauf sicherlich in den meisten Fällen rentabler. Dennoch bietet der Sommerrapsanbau durchaus interessante Perspektiven, die sich in der Regel aus einzelbetrieblichen Überlegungen ergeben. Besonders im Frühjahr 2011 bei schwieriger Überwinterung der Winterkulturen könnte Sommerraps wieder eine größere Rolle spielen. Arbeitszeitentzerrung und Fruchtfolge sind weitere gute Gründe für den Sommerrapsanbau.
 

 

Anbau-Steckbrief Sommerraps

Aussaat Möglichst früh ab Mitte Februar (bis Mitte April), ähnlich wie Hafer. Keimung bereits bei Bodentemperaturen von 2–3 °C, leichte Fröste bis -4 °C werden toleriert. Zeitige Aussaat fördert vegetatives Wachstum als Grundlage für tiefe Durchwurzelung und kräftige standfeste Einzelpflanzen.
Aussaatstärke Liniensorten: 80–100 keimf. Körner/m2,
Hybridsorten: 60–80 keimf. Körner/m2, TKG beachten!
Unkrautbekämpfung Die beste Unkrautbekämpfung ist eine gute Bestandesentwicklung. Eine chemische Unkrautbekämpfung kann entweder im Vorauflauf oder im frühen Nachauflauf mit zugelassenen Produkten erfolgen (z.B. Butisan oder Butisan top).
Düngung (für Ertragsziel 30 dt/ha) Je nach Versorgungsstufe und Vorfrucht sollten 160 kg Kali, 70 kg Phosphor und 80–100 kg Stickstoff vor der Aussaat gedüngt werden. Zu Beginn des Streckungswachstums verbessern 30–40 kg Stickstoff den Schoten- und Kornansatz. Eine ausreichende Bor- und Schwefeldüngung ist erforderlich.
Schaderreger Rapsglanzkäfer ab Erscheinen der Knospe (Beginn Streckung) kontrollieren,
Schadschwelle: 1–2 Käfer/Pflanze, später Kohlschotenmücke und Rüsslerarten
über Gelbschalen beobachten.
Hauptwachstum und Abreife erfolgen später als bei Winterraps. Daher stellen vor allem später auftretende Krankheiten wie Sclerotinia und Alternaria die größte Gefahr dar. Bei feuchter Witterung mit Niederschlägen während der Blüte sollte eine Sclerotinia-Bekämpfung in der Vollblüte erfolgen.
Abreife Ca. 2–3 Wochen nach Winterraps (mit der Haferernte), Mitte August 
Der gute Vorfruchteffekt sollte durch Wintergetreide genutzt werden.


 Mehr Information zum Thema Sommerraps erhalten Sie unter www.rapool.de

Mareike Schaardt

Stand: 22.12.2010