Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Ihringen am Fuße des Kaiserstuhls liegt mitten in der sonnenreichsten Region Deutschlands. Dominik Gerber bewirtschaftet dort in der Region einen großen Ackerbaubetrieb, der sich auf den Anbau von Mono-Körnermais für die Stärkeindustrie spezialisiert hat. Im Gespräch mit praxisnah spricht er über das Ausnahmejahr 2010 und über die Folgen des Maiswurzelbohrers.


Karl-Heinz Kolbinger, der im Lohn jährlich ca. 300 Hektar drischt, spricht mit praxisnah über seine Strategien der Druschoptimierung.
 

Herr Gerber, was macht die maximale Wirtschaftlichkeit des Körnermaisanbaus aus?
GERBER: Der wesentlichste Faktor ist ein hoher Ertrag bei niedriger Erntefeuchte. Unsere Region hier hat dafür ein optimales Klima. Körnermais-Monoanbau in Verbindung mit den hier hohen Wärmesummen erlauben den Anbau hoch ertragreicher später Sorten (über K300), die unter 30% Feuchte gedroschen werden. Man muss also Sorten wählen, die unter diesen Bedingungen höchste Ertragsleistungen realisieren können. Eine zeitige frühe Aussaat Mitte April in ein gut abgetrocknetes Saatbett schafft einen Vegetationsvorsprung gegenüber Aussaaten Ende April/Anfang Mai und führt zu höheren TS-Gehalten bei der Ernte. Das spart Trocknungskosten.
Ganz wichtig auch: optimal ernten und optimal dreschen!

ausgedroschene Maisspindel
ausgedroschene Maisspindel

 Wetter, Korntyp, Frühdruschprämie – was ist für Sie der „optimale“ Erntezeitpunkt?
GERBER: Dafür müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Einerseits möchte ich meine Maisbestände solange wie möglich stehen lassen. Denn jedes Prozent Feuchtigkeit weniger spart Trocknungskosten. Andererseits müssen die Bestände noch gut stehen und eine verlustfreie Ernte gewährleisten, sonst verschenke ich Ertrag. Außerdem muss ich auf die Witterung achten. Ich kann nicht erst im November/Dezember ernten, wenn weit weniger Druschtage zur Verfügung stehen als im Oktober.

Auch spezielle Angebote des Handels beeinflussen den Erntezeitpunkt. Um die Erfassungs- und Trocknungskapazitäten besser auszulasten, gibt es Anreize, mit der Ernte früher zu beginnen. Dabei werden in einem bestimmten Zeitraum zwischen 36 und 30 % Kornfeuchte die gleichen Trocknungskosten berechnet. Zusätzlich wird in unserer Region eine Frühdruschprämie für die Ernte im September angeboten.
Auch der Korntyp hat Einfluss auf den Erntetermin: Zahnmais hat ein besseres DryDown als hartmaisbetonte Korntypen. Aufgrund des weicheren Endosperms sind Druschfeuchten unter 30% anzustreben, sonst jedoch gibt’s zu viel Bruchkorn. Hartmais dagegen hat bereits bei höheren Wassergehalten gute Druscheigenschaften. Bei der Vermarktung von Hartmais, der von der Grießindustrie gewünscht wird, können höhere Preise erzielt werden.

Im Vergleich zu den Vorjahren fehlen dieses Jahr ca. 150 °C Temperatursumme, was einer Reifeverzögerung von gut 2 Wochen entspricht. Deshalb brauchte man heuer viel Geduld und gute Nerven, um den optimalen Druschtermin zu finden.
 

In Ihrer Gemeinde ist diesjährig erstmalig der Wurzelbohrer aufgetaucht....
GERBER: Ja, das war nur eine Frage der Zeit. Jetzt gibt es allerdings erstmalig behördliche Fruchtfolgeauflagen. Auf einigen meiner Schläge ist jetzt Maismonokultur nicht mehr möglich. 2/3 Mais und 1/3 einer Alternativkultur wie z.B. Weizen geht zwar immer noch, aber im 2. Jahr Mais in Folge ist eine Granulatbekämpfung gegen den Maiswurzelbohrer zwingend notwendig. Oder 50% Mais und 50% Alternativfrüchte, dann entfällt die Granulatbekämpfung.

Maiswurzelbohrer, Diabrotica
Maiswurzelbohrer, Diabrotica

Durch die Auflagen wegen des Maiswurzelbohrers bestellen wir ein Drittel der Fläche mit Winterweizen. Im Rheingraben hat sich in offiziellen Versuchen die Hybridweizensorte Hystar sehr positiv dargestellt. Deshalb haben wir uns für den Hybridweizen entschieden. Wir haben dann mit dem Maiserntetermin nach hinten heraus klare Grenzen, denn der Weizen soll sich ja gut entwickeln.
 

Stillstand der Maschinen kostet Geld, suboptimale Erntetermine auch: Wie optimieren Sie Ihre Erntelogistik?
GERBER: Es fängt mit einer geschickten Sortenwahl an: Durch eine Reifestaffelung können wir einerseits sortenspezifisch optimale Erntetermine realisieren, andererseits sind aber auch Engpässe im Maschineneinsatz vermeidbar. Wenn man Bestände mit optimaler Feuchte erntet, spart man Diesel. Der Dieselverbrauch ist andererseits auch von den erwarteten Erträgen abhängig. Wir ernten hier 12–12,5 t/ha Korn, das entspricht 15–17 Tonnen Frischmasse. In unserer Region ist der Einsatz von Unterflurhäckslern Standard. Der Dieselverbrauch liegt damit etwa bei 40 l/Stunde die Druschleistung 1,5–1,7 Hektar/Stunde.

Ich achte auch darauf, dass die Sorten blattgesund und widerstandsfähig gegen Stängelfusarium sind. Dann bleiben sie besser stehen, und ich stehe in der Ernte nicht so unter Druck. Mit kürzeren Sorten ist die Ernte einfacher und man spart ebenfalls Diesel.
Was den Fuhrpark und die Vermeidung eines Stillstandes angeht, benötigen wir drei Schlepper mit Hänger. Damit ist der Mähdrescher, der acht Reihen gleichzeitig erntet, ausgelastet.
Für die Flächen mit anschließendem Weizen wähle ich eine frühere Maissorte mit einer Reifezahl von K280/290, z.B. die Sorte Surreal. Die anderen Flächen mit Monomais bestelle ich jeweils zur Hälfte mit Sorten der Reifezahl K300/320 und K350, z.B. Sumbra, um das höchste Ertragspotenzial der späten Sorten auszunutzen.
 

Herr Kolbinger, Sie dreschen im Lohn Körnermais. Verraten Sie uns Ihre Mähdreschereinstellungen?
Kolbinger: Das Dreschen beginnt schon vor dem Mähdrescher. Gute Maispflücker müssen auch die Kolben sauber und ohne „Spritzverluste“ von der Restpflanze trennen und dabei möglichst wenig Maisstroh in den Mähdrescher weiterleiten.
Dieses ist nämlich, besonders bei Rotor- und Hybriddreschern, ein Störfaktor. Die Pflanzenstängel werden beim Druschvorgang gebrochen, und belasten die Reinigungsorgane unnötig. Zudem bringen grüne Maispflanzen, wie es zum Beispiel bei der CCM-Ernte gang und gäbe ist, viel Feuchtigkeit in die Maschine. Das kann zu Ablagerungen auf den Reinigungsorganen führen.

Für die Einstellungen am Dreschwerk gilt: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Ziel ist die schonende Trennung von Spindel und Körnern mit wenig Bruchkorn und Spindelbruch. Im späteren Reinigungsbereich (Siebkasten und Reinigungsgebläse) lässt sich verständlicherweise eine ganze Spindel leichter von den Körnern trennen als eine zerbröselte Spindel.

In der Praxis tastet man sich hier am besten von einer zu „weichen“ Einstellung ans Optimum heran. Das heißt, man beginnt mit einer relativ großen Korböffnung und verringert diese, bis keine Körner mehr an der ausgedroschenen Spindel zu sehen sind. Kleinere Spindeln (z.B. am Vorgewende oder bei Reihenüberschneidungen) sind hier besser zu vernachlässigen. Dieser Verlust wiegt den Verlust durch zu „scharfes“ Dreschen kaum auf. Wird der Korbabstand zu gering und/oder die Trommeldrehzahl zu hoch gewählt, wird neben Spindelbruch auch Körnerbruch erzeugt. Dieser mindert die Qualität der Ernteware und erhöht zudem das Verlustniveau. Die Hälfte aller Bruchkörner geht meist über die Windreinigung verloren.

Bei der Siebeinstellung ist saubere Marktware Pflicht! Großkörnige Maissorten inklusive Denttypen erlauben meist eine größere Sieböffnung in Verbindung mit einer leichten Erhöhung der Drehzahl des Reinigungsgebläses. Möglichst weite Sieböffnung bedeutet weniger Verluste oder evtl. mehr Arbeitsgeschwindigkeit.

Eine gute Einstellung des Dreschers reduziert also den Bruchkornanteil in der Marktware mit sämtlichen Vorteilen bei Trocknung und Transport. Das Dreschwerk wird zudem weniger belastet und Diesel eingespart. Außerdem gibt es weniger Siebbelastung durch Spindelbruch, damit mehr Siebkastenleistung und mehr Flächenleistung besonders in Hanglagen.

Das Gespräch führte Martin Munz.

Stand: 20.12.2010