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Grundlagen des Sojaanbaues

Die Geschichte dieser „Wunderbohne“ begann vor 9.000 Jahren im Nordosten Chinas. Als die Sojabohne von dort aus im 19. Jahrhundert erstmals in die USA gelangte, nutzten die Landwirte sie zunächst als Zwischenfrucht zur Aufbesserung der Bodenqualität. Aber ab Beginn des 20. Jahrhunderts schoss die weltweite Erntemenge um sagenhafte 5.000 Prozent in die Höhe, von sechs auf über 300 Millionen Tonnen im Jahr. Kein anderes Agrarprodukt hat jemals derartig beachtliche Wachstumsraten erreicht.

Soja kann vielseitig als Lebensmittel, Futtermittel und Biokraftstoff eingesetzt werden. Ihr Anbau in Deutschland wird erst seit ca. 15 Jahren intensiver betrieben, weil klimatische Bedingungen und moderne Sorten den Anbau ermöglichen und politische Entscheidungen sowie Verbraucherwünsche ihn fördern.


Ansprüche an Klima, Boden und Fruchtfolge

Da die Sojapflanze aus tropischen und subtropischen Anbaugebieten zu uns kommt, hat sie hohe Ansprüche an Temperatur und Wasserversorgung. Ihr Wasserbedarf in der generativen Entwicklungsphase wie Blüte, Kornbildung und -füllung ist hoch. Ursprünglich ist die Sojabohne eine Kurztagpflanze, d. h. für die Umstellung von der vegetativen zur generativen Phase muss die Tageslänge (Lichteinstrahlung) unter 14 Stunden/Tag liegen. Über den züchterischen Fortschritt wurde jedoch die Sensibilität zur Tageslänge minimalisiert. Was die Kälte angeht, so ist Spätfrost zum Auflaufen bis zu -5 °C kein Problem. Wie oben schon erwähnt, können jedoch mehrtägige der Nachttemperaturen von unter +10 °C zur Blüte zur Reduktion von Knospen, Blüten und ggf. Hülsenanlagen führen.

Sojabohnen brauchen eine lockere Struktur. Schwere Böden machen der Sojabohne den Start schwer.
Sojabohnen brauchen eine lockere Struktur. Schwere Böden machen der Sojabohne den Start schwer.
Sojabohnen passen sehr gut auf leicht erwärmende Böden mit lockerer Struktur. Sandböden und schwere Tonböden sowie steinige Böden sind zu vermeiden, aber auch Hanglagen bereiten Ernteschwierigkeiten. Als Vorfrucht eignen sich theoretisch alle Feldfrüchte bis hin zu spät gerodeten Zuckerrüben oder Körnermais. Wintergetreide als Vorfrucht hinterlässt weniger Nmin und sollte daher für Soja bevorzugt werden. Soja ist grundsätzlich selbstverträglich, weil die Krankheiten und Schädlinge (vor allem Nematoden) in Deutschland noch kein Problem darstellen und keine Ertragsrelevanz aufweisen. Bei Sklerotinia ist der Befall hierzulande noch nicht dramatisch, aber Kreuzblütler übertragen diese Krankheit auch. Daher ist Vorsicht geboten, und es ist ratsam, eine 3-jährige Anbaupause für Kreuzblütler einzuhalten und wenn möglich tolerante Sorten anzubauen, denn eine chemische Bekämpfung ist nicht zugelassen.

Soja hat einen hohen Vorfruchtwert: Zum einen wird die Bodenstruktur durch die Ausbildung einer tiefen Pfahlwurzel sowie intensiver Seitenwurzeln deutlich verbessert, zum anderen werden Fruchtfolgekrankheiten unterbrochen. Obwohl durch die Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft gesammelt wird, profitieren bei Soja – anders als bei Ackerbohnen und Körnererbsen – Nachfrüchte davon nicht nennenswert, weil Sojabohnen selbst viel Stickstoff aufbrauchen.


Sortenwahl

Die Sortenwahl ist der zentrale Schlüssel zum Erfolg. Die wichtigsten Kriterien zur Sortenwahl sind:

  1. rechtzeitige Abreife – korrekte Reifegruppe
  2. standortangepasste Sorte bringt sicheren und hohen Ertrag:• trockene Standorte – wüchsige spätere Sorten• wasserreiche und kühlere Standorte – frühreifende und standfeste Sorten
  3. Nutzungsrichtungen differenzieren:• Lebensmittel – richtige Wahl der Nabelfarbe und Protein- und/oder Ölgehalt• Futtermittel – Proteingehalt und Zusammensetzung der Aminosäuren eher frühreife und standfeste Sorten bevorzugen

Düngung/Impfung

Für einen erfolgreichen Anbau dieser Kulturart ist die bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen mit den nötigen Nährstoffen elementar. In der Reihenfolge ihrer Bedeutung sind es sowohl die wichtigsten Makroelemente Stickstoff, Phosphor, Kali, Magnesium und Schwefel als auch die bedeutendsten Mikroelemente Molybdän, Zink, Kupfer, Chlor, Mangan, Bor und Eisen. Nicht zuletzt ist für eine ausreichende Nährstoffverfügbarkeit ein optimaler pH-Wert relevant: Er sollte zwischen 6,0–7,0 liegen und darf auf gar keinen Fall unter 5,8–5,9 fallen, sonst wird Aluminium im Boden toxisch. Gegebenenfalls ist eine Kalkung direkt vor der Soja-Bestellung möglich.

Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte die Versorgung des Bodens und des Ernteentzuges berücksichtigen. Bei einer Beerntung von 3 t/ha Kornertrag werden dem Feld inkl. Biomasse 180–200 kg N, 42–47 kg P2O5 und 58–65 kg K2O entzogen. Im Vegetationsverlauf hat Soja einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf. Für den Auflauf und die darauffolgende vegetative Entwicklung bis zum Blühbeginn bestehen nur minimale Ansprüche an die Nährstoffversorgung: Hier sind Wasser und Wärme wichtiger. Demgegenüber werden ca. 60 % der Nährstoffe von der Blüte bis zur Hülsenbildung gebraucht: Denn in dieser Phase entscheidet sich die Höhe des Ertrages. Ungefähr ein Drittel des berechneten Nährstoffbedarfes ruft die Sojapflanze von Hülsenfüllung bis Abreife ab – die Energie wird für die Umwandlung von Photosyntheseassimilaten in Protein, Öl etc. benötigt. Wenn Bodenanalysen ergeben haben, dass der zukünftige Sojaschlag eine Grunddüngung mit Phosphor und/oder Kalium benötigt, dann kann diese zur Hauptbodenbearbeitung oder zur Vorfrucht mineralisch, aber auch organisch erfolgen. Eine Schwefeldüngung ist oft nicht rentabel, da unsere Böden damit noch relativ gut versorgt sind. Um mind. 40 % Protein im Korn zu produzieren, sind bis zu 280–320 kg Stickstoff pro Hektar notwendig. Bis zu 65–70 % decken die Pflanzen davon über die Symbiose mit Knöllchenbakterien und Fixierung des Stickstoffes aus der Luft ab, den sie für die Pflanze nutzbar machen, indem sie ihn in hochwertiges Protein umwandeln.

Knöllchenbakterien an Sojapflanze
Knöllchenbakterien an Sojapflanze
Die Knöllchenbakterien der Soja (Bradyrhizobium japonicum) kommen in unseren Böden nicht vor, weshalb sie dem Saatgut zugeführt werden müssen. Von einigen bekannten Methoden ist die Saatgutimpfung am effektivsten und sollte sehr sorgfältig erfolgen, denn eine richtig durchgeführte Inokulation ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Stickstofffixierung. Die Bakterien infizieren die Wurzel bereits 4–6 Wochen nach der Aussaat. Zur Blüte, etwa Ende Juni, sollte man schon mehrere Knöllchen an der Sojawurzel finden können. Zwischen 3 und 58 Knöllchen/Pflanze sind ausreichend, um die Sojapflanze nachhaltig mit Stickstoff zu versorgen. Ein Mehr bringt dabei nicht zwingend einen Mehrertrag. Manche Knöllchenbakterienstämme können im Boden ein paar Jahre überleben, aber sie verlieren sehr schnell an Aktivität und Virulenz. Deswegen soll man Soja unabhängig vom Anbauabstand jedes Mal impfen.


Aussaat

Bei der Aussaat muss alles passen, – die Sojabohne ist diesbezüglich eine „Mimose“. Es gibt anschließend keine Möglichkeiten, die „kleinen Sünden“ auszubügeln. Bei der Planung der Aussaat müssen neben wirtschaftlichen Überlegungen auch Anbauregion, Bodeneigenschaften, Unkrautdruck, Aussaatzeit, die Reifegruppe der Sorten und die geplante Verwertung berücksichtigt werden.

Alles beginnt mit der Bodenbearbeitung, die zudem das Unkraut bekämpft und die Erwärmung des Bodens fördert. Ziel ist ein feinkrümeliges Saatbett, denn grobe Bodenagglomerate verringern eine Rückverfestigung und später die Wirksamkeit von Herbiziden.

Die Saatzeit entspricht fast der des Körnermaises, die Bodentemperatur sollte unbedingt über 10 °C betragen. Genau so wichtig wie die aktuelle Bodentemperatur ist jedoch eine nachfolgende warme Hochdruckwetterlage, die einen guten Feldaufgang sicherstellt. Eine zu späte Saat ab Mitte Mai birgt das Risiko einer zu späten Abreife und damit von Ertragsverlusten. Eine zu frühe Saat Anfang April ist oft mit einer verlängerten Auflaufphase und mit schlechterem Feldaufgang verbunden.

Basis für eine erfolgreiche Sojaproduktion sind – unabhängig von der Region – jedoch zwei grundsätzliche Voraussetzungen:

  1. Ein gleichmäßiger Feldaufgang in Kombination mit schneller Jugendentwicklung der Sojapflanzen: Dieses Ziel erreicht man durch cleveres Kombinieren von Saatstärken und Saatverfahren.
  2. ein gut etablierter und unkrautfreier Sojabestand

Saatverfahren differieren durch Saatmethode und Reihenabstand. Bei Soja wird derzeit sowohl Drillsaat als auch Einzelkornsaat praktiziert. Die Einzelkornsaat ermöglicht eine exakte Ablage mit allen damit verbundenen Vorteilen. Ist eine Einzelkornsämaschine für Maissaat bereits im Betrieb vorhanden, kann diese für Soja umgerüstet werden: Man benötigt eine andere Säscheibe und auch mehr Säkörper. Die Drillsaat ist für den Betrieb daher oft praktischer, weil die Technik bereits komplett vorhanden ist.

Ergebnisse umfangreicher Exaktversuche aus Deutschland zeigen hinsichtlich Kornertrag und Qualität keine statistisch abgesicherten Differenzen zwischen den Saatverfahren. Tendenziell lieferte die Einzelkornsaat jedoch mehr Hülsen/Pflanze, mehr Seitentriebe und etwas weniger Lager. Nur für die Sojabohne in Einzelkorntechnik zu investieren, scheint jedoch nicht sinnvoll zu sein. Aus Feldbeobachtungen ist bekannt, dass für die Pflanzenentwicklung bei Einzelkornsaat der Reihenabstand von 28–42 cm optimal ist. Bei Drillsaat kann ein Absenken des Reihenabstandes auf bis zu 14 cm – je nach Sortenverzweigungsvermögen – durchaus Sinn machen und zu einem gut etablierten und ertragreichen Bestand führen.

Auch die Saattiefe spielt eine Rolle. Je nach Bodenart und -typ sollte man zwischen 2–5 cm tief säen: Je schwerer der Boden, desto flacher die Ablagetiefe. Wenn eine chemische Unkrautregulierung geplant ist, sollte man nicht flacher als 4–5 cm säen.

Die Saatstärke bestimmt die Bestandesdichte: Bei optimaler Saatstärke entwickeln sich lückenlose Bestände, die Reihen schließen schnell, der erste Hülsenansatz ist nicht zu niedrig und es kommt i. d. R. nicht zu Lager. Lager in Sojabeständen führt zu einer verzögerten Abreife, zu massiven Schwierigkeiten beim Mähdrusch und als Folge daraus zu Ertragsverlusten. Die Ergebnisse umfangreicher Versuche und eigene Beobachtungen zeigen, dass die optimale Saatstärke 65 keimfähige Kö/m2 sind für die frühreifenden Sojasorten (Reifegruppe 000) und 60 keimfähige Kö/m2 für die Sojasorten späterer Abreife (00). Diese Saatstärken garantieren einen dichten Sojabestand mit hohem Ertragspotenzial. In diesen dichten Beständen wird das Sonnenlicht von der gut ausgebildeten oberirdischen Biomasse für die Photosynthese optimal genutzt und es wird später der lebenswichtige Zucker akkumuliert.

Bei den 60–65 Kö/m² bleibt zudem der Ansatz der ersten Hülse stabil über 10 cm, was Ertragsverluste bei der Beerntung minimierte und Lager trat ebenfalls nur selten auf. Dies führte in der Summe zu höheren Kornerträgen.


Herbizde in Sojabohnen

Herbizde in Sojabohnen


Hacken in Sojabohnen
Hacken in Sojabohnen
Pflanzenschutz

Herbizide: Die erfolgreiche Unkrautkontrolle ist entscheidend für den Anbauerfolg, da die Sojabohne aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und des späten Bestandesschlusses kaum Konkurrenzkraft besitzt. Soja reagiert zudem auf Unkrautkonkurrenz mit starken Ertragseinbrüchen. Das Leitunkraut Gänsefuß/Melde kann nur durch eine Vorauflaufspritzung sicher kontrolliert werden, Disteln und Ackerwinden sind in Soja in Deutschland jedoch nicht chemisch bekämpfbar! Das muss man bei der Standortauswahl berücksichtigen und in den Vorfrüchten und Vorvorfrüchten dagegen vorgegangen sein. Bei der Unkrautregulierung kann man entweder chemische oder mechanische Methoden anwenden. Bei chemischer Bekämpfung ist eine Behandlung im Vorauflauf und ggf. eine im Nachauflauf möglich (Abb. 1). Da nur wenige Mittel zu Verfügung stehen, ist eine termingerechte Vorauflauf-Applikation ein absolutes Muss! Wenn hier etwas schiefgeht, kann man im Nachauflauf nur wenig korrigieren – ein unkrautfreier Bestand ohne geschädigte Sojapflanzen ist jedoch ausgeschlossen.

Wenn man die Beikräuter mechanisch im Schach halten will, dann muss man dies schon beim Reihenabstand berücksichtigen. Beim Einsatz von Striegel und Hacke sind der Zeitpunkt (Entwicklungsphase der Soja und des Unkrauts) und die Geräteauswahl von größter Bedeutung.

Insektizide: Eine Insektizidbehandlung ist im Sojabohnenanbau bis auf eine Ausnahme normalerweise nicht notwendig. Tritt jedoch der Afrikanische Distelfalter auf, sind nach Erreichen der Schadschwelle 75 ml/ha Karate® Zeon einzusetzen.

Fungizide: Der Krankheitsdruck bei pilzlichen Erregern ist im Sojaanbau minimal. Es macht daher nichts, dass in Deutschland keine Fungizide in Sojabohnen zugelassen sind und vermutlich in absehbarer Zeit auch nicht werden.


Ernte

Die Abreife der Sojabohnen erfolgt ab Ende August, wenn die Blätter weitestgehend abgefallen sind und die Hülsen eine typische (meistens braune oder gelbe) Farbe erreicht haben. Ein möglichst tief eingestellter Schneidwerkstisch reduziert Ernteverluste, ein Flexschneidwerk ist absolut empfehlenswert! Die Ährenheber müssen jedoch abgebaut werden, da sonst Erde und Steine mit aufgesammelt werden. Einsteiger sollten sich vor der Ernte bei erfahrenen Mähdrescherfahrern über die korrekte Mähdreschereinstellung informieren. Die Kornfeuchte beträgt, je nach Abnehmer, zwischen 12 und 15 %, jedoch der Standardwert ist 13 %.


Vermarktungs- und Verwertungsmöglichkeiten

Bereits vor der Aussaat sollte die Frage geklärt sein, wohin das Erntegut geliefert werden soll. Vor allem in Süddeutschland bieten zahlreiche Vermarktungsorganisationen und Verarbeiter Anbauverträge an. Im Bio-Bereich besteht auch die Möglichkeit des Vertragsanbaus für den Lebensmittelsektor. Insbesondere in Norddeutschland muss die Vermarktungsmöglichkeit rechtzeitig geklärt werden, da es noch nicht überall Sojavermarkter gibt. Kurzfristig ist Soja mit 13 % Wasseranteil lagerfähig. Damit das Öl nicht ranzig wird, braucht es für eine langfristige Lagerung 9 %; 8–10 Monate sind dann kein Problem.

Sojabohnen sind ein wertvolles Tierfutter und enthalten in der Regel ca. 18 bis 20 % Öl und rund 40 % Eiweiß mit hoher biologischer Wertigkeit.


Fazit

Sojabohne ist unter den Kulturarten eine Mimose, aber ein wirtschaftlicher Anbau von Soja ist auch in den mitteldeutschen Regionen kein Hexenwerk, wenn man die genannten Anbautricks kennt. Neben der erfolgreichen Unkrautkontrolle ist die Wahl der geeigneten Sorte (Reife) besonders wichtig. Gerade in Regionen, in denen die Vermarktungsstrukturen noch im Aufbau sind, muss die Weiterverarbeitung schon vor der Aussaat organisiert werden. Dann ist Soja eine lukrative Möglichkeit, die Fruchtfolge zu erweitern.

Text: Dr. Olena Sobko

sobkolena91@gmail.com

Bilder: Sobko, Rinne

Stand: 02.08.2023