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Ackerbohnen gezielt in der Nutztierfütterung einsetzen

Die Eiweißversorgung der Nutztiere steht seit einiger Zeit im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Die zunehmende Forderung des Lebensmitteleinzelhandels nach einer GVOfreien Fütterung und dem Verzicht auf Sojaimporte macht das Aufspüren geeigneter Eiweißalternativen zu einem zentralen Thema der Tierernährung. Mit den Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen, Sojabohnen) stehen GVO-freie Eiweißfuttermittel aus heimischem Anbau zur Verfügung. Prof. Dr. Gerhard Bellof, Hochschule Weihenstephan- Triesdorf, stellt für Ackerbohnen die futterwertkundlichen Eigenschaften und die Einsatzmöglichkeiten in der Nutztierfütterung dar.

Inhaltsstoffe

Ackerbohnen (Vicia faba) können nach ihrer Blütenfarbe in weißoder buntblühende Sorten unterteilt werden. Die Inhaltsstoffausstattung ist weniger von der Blütenfarbe als vielmehr von Sorte, Standort und Anbaujahr abhängig. In der Tab. 1 sind aus neueren Untersuchungen Mittelwerte und Gehaltsbereiche für wertbestimmende Inhaltsstoffe der beiden Varietäten zusammengestellt. Die für Ackerbohnen ausgewiesenen Rohproteingehalte liegen etwa zwischen denen von Sojabohnen und Weizen, der Stärkegehalt liegt dicht an dem von Weizen.

Ackerbohnen weisen mittlere Calciumgehalte (1,2–4,3 g/kg TM) und hohe Phosphorgehalte (1,9–6,0 g/kg TM) auf. Für die Ackerbohnen ist zu beachten, dass der Phosphor überwiegend an dem Molekül Phytin gebunden ist und somit für Geflügel und Schwein ohne Phytasezusatz nur bedingt verfügbar ist. Ackerbohnen beinhalten geringe Natriumgehalte (0,1–2,1 g/kg TM). Dies gilt insbesondere für küstenferne Standorte. Die Selengehalte (0,02 g/kg TM) liegen im Vergleich zu anderen Körnerleguminosen auf sehr niedrigem Niveau.

Sekundäre Inhaltsstoffe

Sogenannte sekundäre Inhaltsstoffe – hauptsächlich Tannine (Gerbstoffe), aber auch Proteaseinhibitoren (Hemmstoffe), Lektine und Saponine – können auch in den Körnerleguminosen vorkommen. Hier zeigt sich ein ausgeprägter Sorteneinfluss: So weisen buntblühende Ackerbohnen- und Erbsensorten höhere, weißblühende Sorten dagegen niedrige Tanningehalte auf. Diese Stoffe können für den tierischen Stoffwechsel in hohen Konzentrationen leistungshemmend sein und die Futteraufnahme sowie die Nährstoffverdaulichkeit negativ beeinflussen. Im Gegensatz zu Schwein und Geflügel, bei denen höhere Tanningehalte die Futteraufnahme und Leistung reduzieren können, sind solche Effekte beim Wiederkäuer nicht zu befürchten. Tanningehalte bis 1 %, wie sie in buntblühenden Sorten vorkommen, sind sogar eher positiv zu sehen, da sie den Abbau der Stärke und vor allem den Rohproteinabbau im Pansen etwas reduzieren. Durch mechanische und thermische Behandlungsverfahren kann der Gehalt an diesen sekundären Inhaltsstoffen reduziert werden.

Bei Ackerbohnen sind im Hinblick auf die Legehennenfütterung auch die Gehalte an den antinutritiven Stoffen Vicin und Convicin zu beachten. Diese Glucoside sind im Sameninneren lokalisiert, relativ hitzebeständig und weder durch das Schälen der Samen noch durch eine thermische Behandlung zu beseitigen.



Futterwert

1. Energetischer Futterwert
Der energetische Futterwert der Ackerbohnen liegt für Schweine mit 12,4 MJ ME/kg (weiß) bzw. 12,5 MJ ME/kg (bunt) knapp unter dem von Gerste (Tab. 2).

Beim Geflügel schwanken die Angaben für die AMEN-Gehalte ebenfalls in einem weiteren Bereich. Zwischen den beiden Varietäten ergeben sich keine Unterschiede. Es zeigt sich vielmehr eine Abhängigkeit von Nutzungsrichtung (bzw. Alter) und Behandlungder Ackerbohnen (z. B. Mahlfeinheit).

Aus den letzten Jahren liegen neue Ergebnisse von Verdauungsversuchen am Schaf mit Ackerbohnen vor. Dabei zeigt sich ein sehr einheitliches Bild. Die Verdaulichkeit der organischen Masse liegt stets über 90 %. Die Verdaulichkeit der einzelnen Rohnährstoffe und auch der Faserfraktionen ist durchweg sehr hoch. Daraus ergeben sich Gehalte an Umsetzbarer Energie (MEWdk) bzw. Nettoenergie Laktation (NEL) von etwa 12 MJ bzw. 7,5 MJ/kg bei Ackerbohnen. Es hat sich gezeigt, dass weder eine thermische Behandlung noch die Herkunft, ob aus ökologischem oder konventionellem Anbau, einen Einfluss auf die Energiewerte haben.

2. Proteinqualität und -bewertung
Für Ackerbohnen wird in deutschen Futterwerttabellen ein UDPAnteil von 15 % ausgewiesen. Aufgrund des höheren Tanningehaltes in buntblühenden Ackerbohnen kann diesen ein höherer UDPAnteil und somit ein erhöhter nXP-Gehalt zugewiesen werden (Tab. 2). Somit könnte Ackerbohnensorten mit erhöhtem Tanningehalt für die Wiederkäuerfütterung eine gewisse Vorzüglichkeit attestiert werden. In Untersuchungen mit einer tanninreichen Ackerbohnensorte in der Milchkuhfütterung zeigte sich allerdings kein Effekt auf die Milch- und Fettleistung; die Eiweißleistung war aber signifikant reduziert.



Wie alle heimischen Körnerleguminosen enthalten Ackerbohnen hohe Lysin-, aber geringe Gehalte an schwefelhaltigen Aminosäuren (Methionin + Cystein; Tab. 3). Auch die Aminosäure Tryptophan liegt auf einem niedrigen Niveau und kann in Schweine- und Geflügelrationen einen limitierenden Faktor darstellen. Zwischen den beiden Varietäten zeigen sich nur geringe Unterschiede bezüglich der essenziellen Aminosäuren.



Neben den Bruttogehalten an Aminosäuren ist deren Verdaulichkeit von Bedeutung. Besonders Methionin und Cystin, aber auch Tryptophan sind geringer verdaulich als bei anderen Futtermitteln. Somit vergrößern der niedrige Gehalt und die geringe Verdaulichkeit bei diesen Aminosäuren die Versorgungslücke für das Schwein und das Geflügel.

Weißblühende Sorten weisen erheblich höhere Aminosäurenverdaulichkeiten auf als buntblühende Sorten. Die Ursache hierfür liegt in den niedrigeren Tanningehalten weißblühender Ackerbohnen. Für das Geflügel werden tendenziell höhere Verdaulichkeiten ausgewiesen als für Schweine. Eine Ausnahme stellt der Wert für die Aminosäure Tryptophan dar.


Einsatzempfehlungen für Ackerbohnen

Ackerbohnen eignen sich gut für den Einsatz in der Nutztierfütterung. Die in den zurückliegenden Jahren erzielten Fortschritte in der Pflanzenzüchtung führten zu ausdifferenzierten Sorten mit unterschiedlichen Gehalten an antinutritiven Inhaltsstoffen (insbesondere Tannine). Bei der Angabe von Einsatzmengen in der Nutztierfütterung sollte dies berücksichtigt werden.

Schweine und Geflügel
Empfehlungen zum Einsatz von Ackerbohnen in der Schweinefütterung sind in Tab. 4 dargestellt. Im Tragefutter von Sauen kann der maximal mögliche Anteil aus energetischen und umweltbedingten Gründen (Rohproteinreduzierung) in der Regel nicht ausgeschöpft werden. In der Tab. 5 sind die Empfehlungen zum Einsatz von Ackerbohnen in der Geflügelfütterung zusammengestellt.

Rinder und Schafe
In der Tab. 6 sind die Empfehlungen zum Einsatz von Ackerbohnen in der Rinder- und Schaffütterung zusammengestellt.


Fazit

Ackerbohnen sind wertvolle Eiweißfuttermittel und können in der Nutztierfütterung Sojaextraktionsschrot teilweise ersetzen. In Kombination mit anderen Eiweißfuttermitteln – wie Rapsextraktionsschrot – ist in Tagesrationen für Wiederkäuer ein vollständiger Austausch auch bei hohen Leistungen möglich.


Text: Prof. Dr. Gerhard Bellof
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Fachgebiet Tierernährung
Tel. 08161-716482
gerhard.bellof@hswt.de
Bilder: SAATEN-UNION, Bellof

Stand: 01.08.2023