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Aktuelle Ausgabe 02/2024

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Ein gutes Gespann: Ackerbohnen und Mulchsaat

Ackerbohnen stellen nur sehr geringe Ansprüche an die Bodenbearbeitung und Aussaat. Für eine kostengünstige Produktion sollten die Potenziale dieser Kultur genutzt werden.
Der vom ehemaligen technischen Versuchsgutleiter* verfasste Beitrag wurde nun von Prof. Dr. Tanja Schäfer und B. Sc. Steffen Hünnies von der FH Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest überarbeitet.

Bild Landpixel
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Für die Ertragssicherheit von Ackerbohnen ist eine gute Wasserversorgung während der Hauptwachstumszeit von Mai bis Juli unverzichtbar. Sonst reagieren die Ackerbohnen sehr schnell mit Blüten- und Hülsenabwurf. Daher sind schwerere Böden mit hoher Kapazität an pflanzenverfügbarem Wasser bzw. guter Niederschlagsverteilung gut geeignet.


Ackerbohnen haben einen hohen Anspruch an die Wasserversorgung
Die Gestaltung der Bodenbearbeitung sollte in Richtung Wasserversorgung zielen: Eine gute Bodenstruktur ermöglicht eine tiefe Durchwurzelung (keine Verdichtungshorizonte!). Darüber hinaus erhöhen stabile Porensysteme die Wasserversorgung aus tiefen Bodenzonen über den kapillaren Wasseraufstieg. Ein hoher Anteil an Grobporen ist für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr wichtig und ist Voraussetzung für eine optimale Besiedlung der Wurzeln mit Knöllchenbakterien, die den vollständigen Stickstoffbedarf der Pflanzen zur Verfügung stellen. Eine sichere Wasserversorgung sollte auch bei der Gestaltung der Fruchtfolge berücksichtigt werden. So sollte nach der Getreidevorfrucht nach Möglichkeit über Winter eine Zwischenfrucht den Boden bedecken, um Nährstoffverluste zu minieren und die Infiltrationsleistung des Bodens durch ein gutes Wurzelsystem zu steigern. Wohlwissend, dass hier die Zwischenfruchtbeseitigung und der möglichst zeitige Aussaattermin der Ackerbohne zu Zielkonflikten führt.


Fruchtfolge
Die Ackerbohne selbst stellt bezüglich der Nährstoffversorgung keine hohen Ansprüche an die Vorfrucht und steht häufig nach Getreide, das einen geringen Stickstoffgehalt im Boden hinterlässt. Bei Roggen oder Hafer als Vorfrucht könnten sich Stängelälchen im Boden vermehren, die den Ackerbohnenertrag senken. Stehen die Ackerbohnen in der gleichen Fruchtfolge wie Raps oder Sonnenblumen, so ist mit erhöhtem Botrytis- oder Sklerotiniabefall zu rechnen. Vorbeugend ist hier eine Anbaupause von mindestens vier (besser fünf ) Jahren einzuhalten. Diese Anbaupause sollte auch für die Ackerbohne selbst bzw. zu anderen Leguminosen eingehalten werden. Bei Sklerotiniabefall können die Erntereste mit dem Präparat Contans® WG (parasitierender Pilz Comiothyrium minitans, für Biobetriebe geeignet) behandelt und nur flach eingearbeitet werden, was den Sklerotiniapilz wirksam bekämpft.

Die Nachfrucht der Ackerbohne sollte im Herbst noch in der Lage sein, größere Stickstoffmengen aufzunehmen. Denn je nach Standort und Ackerbohnenertrag, können zwischen 40 und 80 kg N/ha nach der Ackerbohne im Boden verbleiben. Hier bietet sich die Wintergerste oder eine schnell wachsende Zwischenfrucht an. Diese sollten möglichst ohne intensive Bodenbearbeitung gesät werden, um die Mineralisierungsrate im Herbst möglichst gering zu halten. Durch die gute Bodenstruktur, die die Ackerbohne hinterlässt, stellt das in der Regel kein Problem dar, sodass Mulchsaat oder gar Direktsaat des nachfolgenden Wintergetreides problemlos möglich sind.

Körnerleguminosen hinterlassen unproblematische Erntereste, die – ähnlich wie beim Raps – aufgrund des günstigen C/N-Verhältnisses leicht und schnell verrotten. In Norddeutschland gibt es erste Praxisversuche Winterraps nach einer frühreifen Ackerbohne zu säen, um den Rest-Stickstoff optimal auszunutzen. Bei aus reichender Wasserversorgung ist dies sicher bezüglich der Stickstoffaufnahme eine gute Option, aber der Krankheitsdruck muss hier jedoch unbedingt beachtet werden.


Zeiträume nutzen
Nach der Getreideernte steht bis zur Ackerbohnensaat ein komfortabler, langer Zeitraum zur Verfügung, der gezielt für Strohmanagement, Unkrautregulierung und Strukturbildung genutzt werden sollte. Auch fruchtfolgeübergreifende Maßnahmen wie Kalkung, Grunddüngung, Kompostausbringung können hier gut organisiert werden. Hervorzuheben sind insbesondere die wirksamen Möglichkeiten des Ackerfuchsschwanzmanagements in Regionen, in denen sich Resistenzen ausgebreitet haben.

In Bezug auf das Strohmanagement sind die Grobleguminosen „robust“, denn das Saatkorn wird aufgrund der guten Triebkraft und der tiefen Ablage kaum durch das Stroh beeinträchtigt. Da jedoch die Bekämpfung breitblättriger Unkräuter meist auf der Basis bodenwirksamer Vorauflauf-Herbizide erfolgt, darf der Strohbedeckungsgrad nicht zu hoch sein. Kurze Häcksellängen und das Anschieben der Rotte durch eine Bodenbearbeitung im Herbst gewährleisten dies sicher. Um eine maximale Herbizidwirkung zu erreichen,
darf die Bodenoberfläche nach der Saat nicht zu grobklutig sein.


viterra® MULCH ist auch für Fruchtfolgen mit Leguminosenanteil geeignet.

viterra® MULCH ist auch für Fruchtfolgen mit Leguminosenanteil geeignet.


Lassen sich Zwischenfrüchte integrieren?
Der lange Zeitraum zwischen Getreideernte und Frühjahrsaussaat der Bohnen kann für den Anbau von Zwischenfrüchten genutzt werden. Diese verbessern die Bodenstruktur und können im Rahmen von GLÖZ 6 (Mindestbodenbedeckung in sensiblen Zeiten) angerechnet werden. Für eine gute Etablierung der Zwischenfrucht ist vor der Ackerbohne eine gute Unkrautunterdrückung und Bodenbedeckung wichtig. Hier spielt der Erntetermin der Vorfrucht vor der Zwischenfrucht eine entscheidende Rolle. Während nach Wintergerste ausreichend Zeit für die Strohzerkleinerung und sachgerechte Aussaat der Zwischenfrucht (auch als Mulchsaat) zur Verfügung steht, ist dies bei späten Ernteterminen der Vorkultur für das Wachstum der Zwischenfrucht vor Winter nicht immer möglich. Die Auswahl an spätsaatverträglichen, frohwüchsigen und sicher abfrierenden Arten für dieses Anbauverfahren ist stark eingeschränkt. Legume Arten als Zwischenfrucht – auch als Mischungsanteil – sollten gemieden werden. Bei begrenzter N-Düngung („30/60-Regel“ nach DVO; Saattermin der Zwischenfrucht beachten!) in Verbindung mit der starken N-Fixierung durch das Weizenstroh, ist die gewünschte rasche und gleichmäßige Entwicklung der Zwischenfrucht zur Bodenbedeckung und Unkrautunterdrückung nicht immer garantiert. Empfehlenswert ist daher, das Weizenstroh von der Fläche zu räumen und anschließend eine sorgfältige tiefere Bodenbearbeitung mit unmittelbar nachfolgender Zwischenfruchtsaat durchzuführen. Am Versuchsgut der Fachhochschule wird seit einigen Jahren nach Weizen Zwischenfrucht in Direkt- oder Vorerntesaat bestellt. Die Strohauflage dient hier als Verdunstungsschutz und nicht als N-Sperre. Über den Winter frieren die phaceliabetonten Mischungen ab und die Strohauflage wird von Pilzen, Mikroorganismen und Regenwürmern verarbeitet.

Achtung: Körnerleguminosen fixieren mithilfe der Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Umgebungsluft und benötigen daher keine N-Zufuhr. Hohe Mineralisierungsraten stören sogar den Knöllchenansatz! Eine ausreichende Schwefelversorgung ist jedoch essenziell für die Knöllchenbildung und Stickstofffixierungaus der Luft.

Ziel vor der Zwischenfruchtaussaat ist es, störende Stoppeln einzuarbeiten, genügend Feinerde zur Einbettung des Zwischenfruchtsaatgutes zu erzeugen und die Restfeuchte des Bodens für die Keimung zu nutzen. Der gelockerte Boden kann von den Wurzeln der Zwischenfrucht tief erschlossen und stabilisiert werden. Damit sind dann optimale Voraussetzungen für die Wurzelentwicklung des Ackerbohnenbestandes gegeben. Über weitere Maßnahmen muss bereits frühzeitig entschieden werden, denn die verfügbaren Feldarbeitstage mit vertretbaren Bodenbedingungen ab Dezember bis zur angestrebten Aussaat der Bohnen ab Februar/März sind knapp. Infrage kommt das Mulchen des Aufwuchses oder aktuell noch möglich die Beseitigung von Ausfallgetreide und Altunkraut durch den Einsatz von Glyphosat.


Strip Till Einsaat Ackerbohnen 45 cm Reihenabstand als Kompromiss zwischen Reihenweite und mechanischer Unkrautbekämpfung

Strip Till Einsaat Ackerbohnen 45 cm Reihenabstand als Kompromiss zwischen Reihenweite und mechanischer Unkrautbekämpfung

 


Bodenbearbeitung


Pflugeinsatz: nicht immer optimal

Konventionelle Bestellverfahren sind durch den Einsatz des Pfluges geprägt. Für Ackerbohnen müssen Verdichtungen durch Radlasten unterhalb der Pflugtiefe unbedingt vermieden werden. Die kräftige Pfahlwurzel kann bei guter Bodenstruktur zwar tief einwachsen, sie hat aber keine große Durchdringungskraft und wird durch Dichtlagerung empfindlich gestört. Daher darf der Pflug nur bei möglichst trockenem, tragfähigem Boden eingesetzt werden. Im Ausnahmefall könnten vorhandene Pflugsohlen vorab über eine
Tiefenlockerung beseitigt werden. Nach einer zeitigen Herbstfurche kann jedoch bei Verschlämmung der Oberfläche eine erhöhte Erosionsgefahr eintreten.

Eine effiziente und nachhaltige Tiefenlockerung auf ca. 40–50 cm erfordert jedoch trockenen Boden sowie eine anschließende Stabilisierung des „überlockerten“ Bodens durch Wurzeln von Zwischenfrüchten. Ohnehin kann der Anbau von Zwischenfrüchten vor den Leguminosen auch im Rahmen der aktuellen „GLÖZ-Regelungen“ eine sinnvolle Option sein.

Eine dicht lagernde, verschlämmte und nasse Bodenoberfläche im Frühjahr erfordert eine erneute Grubberbearbeitung zur Aussaat. Dies ist jedoch oft wegen der begrenzten Befahrbarkeit problematisch und der Bearbeitungshorizont kann oft nicht abtrocknen. Nach einer Frühjahrsfurche im Januar/Februar sind schwere Böden dann in idealem Zustand, wenn bei tragfähigem Unterboden gearbeitet werden kann und danach der Boden durch eine mehrtägige Frostperiode abtrocknen kann. Dann sollte die Bohnenaussaat unverzüglich beginnen! Diese vorteilhafte Frosteinwirkung ist aufgrund der zunehmenden Wetterkapriolen nicht mehr sicher kalkulierbar. Besonders in feuchten Lagen lässt sich die angestrebte frühe Aussaat deshalb oft schwer realisieren.

Keinesfalls darf die Saat in den Boden „geknetet“ werden. Kreiseleggen mit schwerer Packerwalze sind für feuchte Bedingungen daher nicht geeignet. Besonders kritisch ist es, wenn der noch feuchte Boden unterhalb der Pflugsohle verdichtet und durch Radschlupf
verschmiert wird. Die Bohnen bilden dann ein reduziertes Wurzelsystem aus. Bei Niederschlagsmangel während des Schossens und der parallel verlaufenden Blüte geht dem Bestand dann schnell das Wasser aus.

Günstigere Boden- und Witterungsbedingungen stellen sich oft erst im späteren Frühjahr gegen Ende März oder im April ein. Solche „Spätsaaten“ sind jedoch risikoreicher, da Blüte und Kornfüllung sich zunehmend in die trockeneren Sommermonate (Juni/ Juli) verschieben. Die Bohne reagiert sehr empfindlich auf Hitze und Trockenheit, insbesondere in Kombination mit hoher Sonneneinstrahlung. Solch abiotischer Stress verursacht bei den Pflanzen häufig einen schnell ansteigenden Krankheitsbefall und vermehrten Blüten- oder Hülsenabwurf.

Ein gut strukturierter Boden fördert das Wurzelwachstum und die Knöllchenbakterien.
Ein gut strukturierter Boden fördert das Wurzelwachstum und die Knöllchenbakterien.


Mulchsaatverfahren richtig gestalten!

Mulchsaatverfahren können kostengünstiger und wassersparender sein und hinterlassen einen im Frühjahr tragfähigeren Boden, sodass eine frühzeitige Bestellung der Bohnen mit größerer Wahrscheinlichkeit möglich wird. Bei konsequentem Pflugverzicht werden Pflugsohlen vermieden, sodass der Unterboden offen und durchwurzelungsfähig bleibt. Das unbeschädigte Kapillarsystem stellt eine gute Wasserversorgung sicher. Auf Flächen von nicht vollständig pfluglos wirtschaftenden Betrieben treten unter Umständen Pflugsohlen auf, die im Spätsommer aufgearbeitet werden sollten. Um die Bodenbedeckung über Winter zu gewährleisten, bietet sich bei den Mulchsaatverfahren der Anbau einer abfrierenden Zwischenfrucht an.


Mulchsaat mit Lockerung

Nach der Getreideernte kann man zunächst das Auflaufen des ersten Ausfallgetreides abwarten. Ist unter der Strohauflage noch Bodenfeuchte vorhanden oder durchdringt ein Regenschauer den Strohmulch, so ist das Auflaufen von Getreidekörnern und Ungrassamen auch ohne Bodenbewegung gesichert. Ein relativ flacher Stoppelsturz beseitigt die Pflanzen dann in einem frühen Stadium vor der Bestockung. Der Einsatz eines Glyphosat-Produktes kann u. U. bis in den September/Oktober verzögert werden und erspart dann die sonst nötigen Überfahrten mit dem Grubber.

Wurzelunkräuter wie Distel und Quecke sollten zunächst ausreichend austreiben. Bei Verzicht auf eine Glyphosat-Maßnahme dürften zur Überbrückung des Zeitraumes nach der Getreideernte drei Stoppelbearbeitungsgänge im Herbst erforderlich sein, wenn keine Zwischenfrucht etabliert wird.

Ideal ist eine abschließende tiefere Grubberbearbeitung im Spätherbst auf etwa 10 bis 15 cm Tiefe, die meist ab Ende Oktober oder im November in einer noch trockenen Phase durchgeführt werden kann. Ein eher grober, nicht rückverfestigter Boden, der von derKapillarität gelöst ist, trocknet im Frühjahr besser ab. Das eingemischte Stroh vermindert Bodenverschlämmungen und Dichtlagerungen. Auch nach der Aussaat sorgt das Material für die Durchlüftung des Keimbereiches und die gewünschte Bodenaktivität. Stroh Mulchsysteme können also sehr variabel gestaltet werden und eignen sich somit insgesamt ausgezeichnet für den Ackerbohnenanbau.


Direktsaat ohne Lockerung

Ziel dieses Verfahrens ist es primär, den Arbeits- und Maschinenaufwand insgesamt zu reduzieren und eine stabile, intakte Bodenstruktur zu erhalten. Des Weiteren kann eine möglichst lange und intensive Bodenbedeckung das Auflaufen von Unkräutern weitgehend reduzieren. Gelingt dies jedoch nicht, dann können Bodenherbizide keine Wirkung entfalten. Zur Regulierung nach dem Auflaufen der Ackerbohnen stehen derzeit keine Kontaktmittel mehr zur Verfügung.

Die sehr gute Tragfähigkeit nicht bearbeiteter Böden kann bei Verwendung breiter Bereifung und geeigneter Maschinen eine sehr frühe und termingerechte Saat ermöglichen. Zu berücksichtigen ist, dass die Feuchtegehalte unbearbeiteter Böden aufgrund der ungestörten Kapillarität erhöht sind und die Arbeitsqualität von Maschinen mit stärkerem Eingriff (Zinkengeräte) erheblich beeinträchtigt werden kann. Das Schließen der Saatrille ist wichtig, um die Keimbereitschaft des Dunkelkeimers zu gewährleisten, und um den Keimling sowie die Keimwurzel vor Herbizideinwirkung zu schützen.


Aussaat und Aussaattechnik

Frühe Saat – gute Befahrbarkeit vorausgesetzt

Saatbett vor Saatzeit - am besten ist, wenn beides passt!
Saatbett vor Saatzeit - am besten ist, wenn beides passt!
Frühe Saattermine ab Mitte Februar bis etwa Mitte März sind aufgrund der Frostverträglichkeit der Keimpflanzen (bis -5 °C) möglich und aus Gründen der Wasserversorgung und Vegetationslänge für die Ertragsbildung von großem Vorteil. Das darf jedoch nicht überzogen werden. Die Befahrbarkeit bzw. ein guter Bodenzustand ist für die Pflanzenentwicklung ebenso wichtig wie ein früher Saattermin. Spätsaaten ab der zweiten Aprilhälfte erhöhen das Risiko von Mindererträgen, da sich das Längenwachstum und die parallel verlaufende Blüte bzw. auch die Kornausbildung bis weit in den Juni hinein erstrecken. Ein möglichst früher Abschluss dieser Phase ist vorteilhaft, da die Bohnen sehr sensibel auf Trockenheit, Hitze und hohe Strahlungsintensität reagieren. Stresssituationen lösen oft auch eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit aus. In Regionen mit gesicherter, günstiger Niederschlagsverteilung und generell höherer Luftfeuchte in den genannten Monaten (z. B. norddeutsche Küstenzone) sinkt das Ertragsrisiko späterer Saattermine. Die Keimung der Ackerbohnen beginnt bei Temperaturen um ca. 5 °C. Entsprechend der Bodentemperatur dauert es bis zum Feldaufgang 10 bis 30 Tage. Anzustreben ist auch unter Berücksichtigung der Saatgutkosten ein Pflanzenbestand von 40–45 Pflanzen je m². Dünne Bestände unter 30 Pflanzen beschatten den Boden erst spät und nicht ausreichend, sodass sich ggf. Spätverunkrautung entwickelt und für lange Zeit eine unproduktive Wasserverdunstung stattfinden kann. Dichte Bestände treiben sich aufgrund der Konkurrenz um Licht stärker in die Höhe und bergen dann erhöhte Lagergefahr.

Zur Berechnung des Saatgutbedarfes müssen Korngewicht und Keimfähigkeit aufgrund der erheblichen Unterschiede zwischen den Partien unbedingt berücksichtigt werden.

Der Feldaufgang ist bei ordnungsgemäßer Saat meist unproblematisch. Nur bei widrigen Bedingungen müssen entsprechende Zuschläge kalkuliert werden. Es ergeben sich bei durchschnittlichen Werten Saatmengen von ungefähr 200 bis 250 kg/ha. Besonders dicke Körner mit Tausendkorngewichten um 500 g können in den Dosieraggregaten der Drillmaschine Probleme bereiten – erkennbar an knackenden Geräuschen beim Abdrehen. Bei pneumatischen Drillmaschinen sollten grundsätzlich die Stifte auf der Dosierwelle entfernt werden – eine Brückenbildung im Saattank ist nicht zu befürchten.


Drilltechnik anpassen

Der hohe Keimwasserbedarf erfordert eine tiefe Kornablage auf 6 bis 8 cm. Ist ausreichend Bodenfeuchte gegeben oder eine hohe Niederschlagsmenge zu erwarten, kann man flacher säen. Jedoch sollten mindestens 4 bis 5 cm Tiefe erreicht werden, um die Standfestigkeit nicht zu gefährden und einen ausreichenden Schutz der Saat vor Bodenherbiziden zu gewährleisten. Die geforderten Drilltiefen lassen sich nach Pflugfurche bei konventioneller Drilltechnik auf mittleren Böden nicht immer sicher erreichen. Noch schwieriger ist die Situation bei Mulchsaaten mit Reststoffen und nur flacher Lockerung. Deutlich besser arbeiten moderne Mulchsaatmaschinen, die einen wesentlich höheren Schardruck erzeugen können. Zusätzlich empfehlen sich diese Maschinen durch ihre höhere Schlagkraft und Flächenleistung. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Packerwalzen auf feuchtem Boden nicht zu stark kneten und verdichten.

Für die Direktsaat eignen sich Scheibenscharmaschinen, die mit hohem Schardruck einen Säschlitz öffnen können und die vorgesehene Ablagetiefe sicher erreichen. Mit diesen Geräten ist auch eine Saat bei leicht gefrorenem Boden in 2 bis 4 cm Tiefe möglich (z. B. John Deere 750 A, Horsch Avatar, Sky Easydrill etc.). Ein Kompromiss zwischen Mulchsaat und Direktsaat stellt die Strip Till- Technik dar. Hier wird die Saatreihe in einem Arbeitsgang in Streifen gelockert, sodass die Saatgutablage sicher in ausreichender Tiefe erfolgen kann und die Erdbedeckung gegeben ist (Claydon Hybrid, Mzuri Pro-Til, Horsch Focus und in weiter Reihe: Kverneland Kultistrip).

Unübertroffene Genauigkeit in der Tiefenablage und der Standgenauigkeit wird durch Einzelkornsägeräte erreicht, die heute meist bereits in Mulchsaatausführung verbreitet sind (Kverneland Optima, Väderstad Tempo etc.). Vergleichsweise geringe Flächenleistung und teure Maschinentechnik belasten allerdings dieses Saatverfahren. Trotz gleichmäßigen Feldaufgangs konnten ertragliche Vorteile der Einzelkornsaat in Feldversuchen nicht eindeutig belegt werden. Reihenabstände bis 45 cm sind möglich, jedoch muss die Unkrautbekämpfung vor und nach der Saat auf den späteren Bestandesschluss abgestimmt sein.

Extensive Säverfahren verträgt die Ackerbohne aufgrund der hohen Triebkraft gut. Lediglich auf eine gute Keimwasserversorgung und sichere Tiefenablage bzw. Erdbedeckung ist zu achten. Daher ist auch die Saat in einen Erdstrom möglich, die mit speziellen Grubber-/Säkombinationen durchgeführt werden kann. Da die Tiefenablage dabei vergleichsweise unpräzise ist, kann der Feldaufgang zeitlich verzettelt sein. Soll anschließend mechanische Unkrautbekämpfung mittels Striegel erfolgen, ist hier mit Verlusten zu rechnen!


Pflanzenschutzstrategie überdenken

Je nach Saatverfahren und Reihenabständen kann die mechanische Unkrautbekämpfung aufgrund von mangelnden Herbizidwirkungsgraden im Vorauflauf bei organisch aktiven Mulchsaatböden eine Option werden. Da mit dem Wegfall von Basagran® keine chemischen Herbizidmaßnahmen gegen Unkräuter im Nachauflauf mehr möglich sind, muss über Alternativen nachgedacht werden. Die Hacke wird aufgrund von Flächenleistung und Kosten in Folge von 2–3 Hackterminen auf den meisten Standorten nicht konkurrenzfähig sein. Das Blindstriegeln mit anschließendem Kulturstriegeln kann bei passender Witterung jedoch sehr gute und wirtschaftliche Bekämpfungserfolge erzielen.


Fazit: Unkomplizierte„Robustkultur“ mit Gesundwirkung
Körnerleguminosen sind aus den skizzierten Gründen und dank ihrer „Gesundwirkung“ ein wesentlicher Baustein pflugloser Anbausysteme. Hinsichtlich der Ansprüche an das Saatbett sind sie eine echte Robustkultur, sodass auch sehr extensive Bodenbearbeitungssysteme genutzt werden können. Sie stellen jedoch hohe Anforderungen an eine intakte Bodenstruktur. Daher bestimmen die Bodenbedingungen bzw. die Bearbeitungsfähigkeit des Ackers trotz der Forderung nach möglichst früher Bestellung den Aussaattermin. Durch Mulchsaatverfahren lassen sich meist frühere Saattermine realisieren, die sich positiv auf die Bestandesentwicklung und den Ertrag auswirken.

Prof. Dr. Tanja Schäfer, Steffen Hünnies
FH Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest
Tel. 02921-3783228
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Bilder: Schäfer, Landpixel, SAATEN-UNION, Hünnies/Deblon 2021


Stand: 31.07.2023