Aktuelle Ausgabe 01/2024

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Mischanbau: Körnerleguminosen und Getreide

Werden im Bioanbau Leguminosen in Reinkultur angebaut, besteht ein hohes Produktionsrisiko, denn die Erträge schwanken sehr stark. Zudem sind alle Körnerleguminosen relativ konkurrenzschwach gegen unerwünschte Beipflanzen bzw. neigen im Reinanbau zu Lager. Eine Alternative ist der Anbau von Gemengen – bei dem es einiges zu beachten gilt.

Erbse Triticale Gemenge
Erbse Triticale Gemenge
Gemenge mit Getreide zur Produktion von Silage oder für den Drusch sind ein Weg, risikoarm bzw. risikoärmer hochwertiges Futter zu produzieren. Der Anbau im Gemenge steigert auch die Klimaresilienz – der Bestand wird insgesamt widerstandsfähiger, und schwächelt ein Partner, kann er durch den anderen ersetzt werden. Passen die Mischungspartner gut zusammen, wird mehr Blattfläche entwickelt, Licht und Wasser werden besser ausgenutzt und so effektiver Beikräuter unterdrückt. Auch die Abwehr potenzieller Schaderreger wird verbessert. Eine Druschnutzung ohne Eigenverwertung auf dem Betrieb erfordert eine aufnehmende Hand vor Ort, die bereit ist, solche Mischungen anzunehmen, sie zu trennen und getrennt zu lagern.


Auf den Partner kommt es an 

Das Gelingen von Mischkulturen setzt voraus, dass die Mischungspartner vom Aussaatzeitpunkt, aber auch vom Abreifeverhalten zueinander passen und ähnliche Standortansprüche haben. Zudem sollte die Körnerleguminose eine ausreichend große Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Getreidepartner haben. Der Bestand insgesamt muss standfest sein, denn Lager fördert die Spätverunkrautung und reduziert die Futterqualität. Beliebt und praxisbewährt sind Mischungen aus Körnererbse und Gerste (Winter- und Sommerformen), Sommerackerbohne und Hafer, Winterackerbohne und Wintertriticale oder Winterweizen.

Die richtige Mischungszusammensetzung ist einerseits abhängig von der beabsichtigten Verwertung, andererseits auch von den Standortbedingungen und dem betrieblichen Umfeld (s. Tab. 1). Meistens erfolgt der Gemengeanbau mit dem Ziel, ein eiweißreiches Futter zu produzieren. Dann ist es ratsam, die Leguminose mit einem möglichst großen Anteil anzubauen. Oft wird ein Mischungsverhältnis von 80:40 in % der Reinsaatmengen gewählt. Letztlich muss man sich aber an die standortoptimale Variante in der Praxis herantasten.

Soll das Getreide lediglich als Stützfrucht für die Leguminose dienen, reichen geringere Getreideanteile aus als in einer Futtermischung, in der auch die Komponente Getreide ein wichtiger Bestandteil werden soll. Man unterscheidet zwischen additiven und substitutiven Gemengen.

Additives Gemenge: Die Hauptkomponente wird mit 100 % der Reinsaatmenge eingemischt und zusätzlich kommt der „kleinere“ Partner mit ca. 20 % der Reinsaatmenge dazu. Die Summe der prozentualen Anteile übersteigt also die 100 %.

Substitutives Gemenge: Wenn eine der Komponenten zu gleichen Teilen von der anderen ersetzt wird, spricht man von substitutiven Gemengen.



Bewährte Mischungen:

Wintererbse/Wintergerste
Wintererbse/Wintergerste

Körnererbse – Gerste

  • hohe Ertragsstabilität
  • gleichmäßige Abreife
  • gut geeignet für Körnernutzung
  • Gerste verbessert die Standfestigkeit und die Erntbarkeit der Erbse und reduziert die Spätverunkrautung.
  • Striegeln ist nur bei hohem Unkrautdruck nötig.

     

Winterkörnererbse – Wintertriticale/-weizen

  • hohe Ertragsstabilität
  • Wintertriticale und Winterweizen reifen im Vergleich zur Erbse etwas verzögert ab.
  • Beide Getreide verbessern die Standfestigkeit und die Erntbarkeit der Erbse und reduzieren die Spätverunkrautung.
  • Wird nicht Futterweizen, sondern Backweizen angebaut, ist bei nicht vorhandener Stickstoffdüngung die Backqualität gefährdet (HL-Gewicht, Protein- und Klebergehalte).


     

Ackerbohne – Hafer

  • Spätreife Hafersorten sorgen für eine gleichmäßige Abreife bei Frühjahrssaat. Bei Herbstsaat ist zwar die Abreife generell etwas synchroner,
    es besteht aber, da es sich um Sommerkulturen handelt, ein hohes Risiko der Auswinterung.
  • Hafer ist KEINE Stützfrucht. Daher sollten unbedingt standfeste Ackerbohnensorten gewählt werden.
  • Hafer verbessert die Unkrautunterdrückung sehr gut, ein Striegeln ist daher nicht notwendig. Hafer kann aber auch sehr dominant werden.
  • Ohne N-Düngung ist die Qualität des Hafers für Industriehafer nicht ausreichend. Mit N-Düngung wird die Aktivität der Knöllchenbakterien stark eingeschränkt.


     

(buntblühende) Futtererbse – Wintertriticale zur GPS-Nutzung

  • gute Unkrautunterdrückung durch die Wüchsigkeit der Futtererbsen
  • Futtererbsen brauchen die standfeste Stützfrucht.
  • ungleichmäßige Abreife der Futtererbsen


     

Ackerbohne – Triticale

  • Triticale kann ihr Potenzial ohne N-Düngung besser ausschöpfen als Hafer oder auch Weizen.
  • Das Unkrautunterdrückungsvermögen von Triticale ist nicht ganz so gut wie das von Hafer.
  • Triticale ist nicht so fruchtfolgeneutral wie Hafer.

Winterackerbohnen nutzen die Winterfeuchtigkeit besser als die Sommerform.

 


Aussaat

 Die Aussaat von Gemengen ist immer ein Kompromiss Die gemeinsame Aussaat stellt fast immer einen Kompromiss dar und ist mit Hinblick auf die unterschiedlichen Korngrößen auch nicht ganz unproblematisch. Denn es besteht die Gefahr der Entmischung.
Wird das Saatgut selbst gemischt, sollte man dies nicht im Saatguttank, sondern in einem Extrabehälter tun. Da sich das Saatgut beim Fahren bei Erschütterungen schnell entmischt, sollte man zwischendurch immer wieder einen prüfenden Blick in den Tank werfen und ggf. die Homogenität der Mischung wieder herstellen. Falls vorhanden, sind (Getreide)Sämaschinen mit mehr als einem Saatguttank zu bevorzugen (ACHTUNG: Beide Mischungspartner müssen getrennt abgedreht werden!).
Da sich Gemenge (nicht nur in Kombination mit Leguminosen) wachsender Beliebtheit erfreuen, haben die Entwickler von Landmaschinentechnik reagiert und stellen innovative technische Lösungen zur Verfügung.

Der Kompromiss besteht hinsichtlich der Aussaatstärken, des Saatzeitpunktes und der Saattiefe. Wird mit einer normalen Getreidedrille ausgesät, dann empfiehlt sich eine mittlere Ablagetiefe von 3–5 cm. Bei einer Technik, die eine getrennte Aussaat zulässt, sind die optimalen Tiefen der jeweiligen Kulturart zu wählen. Normalerweise werden Gemenge mit Getreide mit den üblichen 12,5 cm Reihenabstand ausgesät. Da dann aber kein Einsatz einer Hacke möglich ist, sollte auf Standorten mit hohem Unkrautdruck, wo gehackt werden muss, ein doppelter Getreideabstand angelegt werden (jede 2. Schar schließen).
Der Saatzeitpunkt richtet sich im Regelfall nach der Leguminose. Bei Winterleguminosen ist darauf zu achten, dass diese nicht zu weit entwickelt in den Winter gehen, weil sonst die Frostanfälligkeit steigt. Bei Wintererbsen liegt die beste Winterhärte im 3–4-Blattstadium vor, die Ackerbohne sollte eingangs Winter auf keinen Fall mehr als 4 Blätter ausgebildet haben. Bei den Sommerformen ist eine frühe Aussaat optimal (Anf. März), um noch die Winterfeuchte zu nutzen. Beide Kulturen vertragen leichte (!) und kurze Fröste problemlos.




Aussaat: im Frühjahr oder Herbst?

Grundsätzlich sei vor Herbstaussaaten in Regionen mit hoher Kahlfrostgefahr gewarnt. Zwar haben moderne Winterackerbohnen und -erbsen eine deutlich verbesserte Winterfestigkeit, dieser sind aber Grenzen gesetzt. Der Vorteil von „Wintergemengen“ besteht in der etwas höheren Ertragsleistung und besonders in der besseren Ausnutzung der Winterfeuchte. Die Winterleguminosen blühen vor der Sommertrockenheit und bringen somit einen besseren Schotenansatz als die Sommerformen, denen die Trockenheit mehr zusetzt. Auch sind sie zur Hauptbefallszeit von Blattläusen in der Entwicklung weiter als die Sommerform und damit weniger anfällig.


Gemenge in der Fruchtfolge

Um den Effekt der Stickstoffbindung zu maximieren, stehen Leguminosen und leguminosenhaltige Gemenge idealerweise nach stickstoffzehrenden Kulturen wie Weizen, Dinkel, Roggen oder Körnermais. Auch Sonnenblumen sind gut geeignet, allerdings besteht die Gefahr von Durchwuchs. Kulturen, die viel Stickstoff im Boden hinterlassen, wie z. B. Raps oder auch Kartoffeln, sind hingegen nicht geeignet.
Als Folgefrüchte profitieren alle Kulturarten, die im Herbst nennenswert Stickstoff aufnehmen können: Zum Beispiel eine (leguminosenfreie) Zwischenfrucht und danach Sommergetreide oder auch Winterraps. Auch Dinkel, Winterroggen, Wintergerste und Winterweizen sind möglich und üblich, aber hier müssen die Getreidefußkrankheiten im Auge behalten werden. Die Tab. 4 gibt einen Überblick über die N-Nachlieferung nach Körnerleguminosen, wobei die Angaben zu der Nachlieferung von Gemengen sehr davon abhängen, wie sich die Mischungspartner entwickelt haben. Grundsätzlich gilt auch bei Gemengen, dass ein Anbauabstand zur nächsten Leguminose eingehalten werden muss: Bei Ackerbohnen mindestens 4 Jahre, bei Körnererbsen 7–8 Jahre. Besser ist es, noch mehr Zeit einzuplanen.



Unkrautregulierung ist nicht immer notwendig

Bei der Regulierung der unerwünschten Beipflanzen muss man grundsätzlich zwischen den im Herbst gesäten und den im Frühjahr gesäten Gemengen unterscheiden. Herbstsaaten haben eine sehr gute Fähigkeit, die Beikräuter zu unterdrücken, oft ist eine Maßnahme zur Regulierung daher nicht notwendig. Leguminosen sind zudem ziemlich empfindlich gegenüber einem späten Striegeleinsatz. Erfordert ein hoher Unkrautdruck jedoch eine Bekämpfungsmaßnahme, dann sollte diese bei den empfindlichen Erbsen vor der Bildung der Ranken abgeschlossen und der Striegel „sanft“ eingestellt sein. Hackgeräte haben oft eine bessere Wirkung, erfordern aber einen Reihenabstand von mind. 24 cm. Die im Frühjahr gesäten Gemenge sind anfälliger für Verunkrautungen, weil die Bestände langsamer schließen. Hier sollte auf eine mechanische Maßnahme im April/Mai nie verzichtet werden.



Düngung: auf Stickstoff in Gemengen verzichten!

Eine Düngung mit Stickstoff ist für die Entwicklung der Leguminosen – bzw. deren Knöllchenbakterien – kontraproduktiv. In Gemengen führt daher eine Stickstoffdüngung fast immer zu einer übermäßigen Förderung des Mischungspartners.
Auf eine ausreichende Versorgung mit Phosphor und Kalium und weiteren Nährstoffen sind jedoch auch die Leguminosen angewiesen. Auf viehhaltenden Betrieben ist das normalerweise aufgrund der organischen Düngung innerhalb der Fruchtfolge kein Problem, ökologisch wirtschaftende Betriebe ohne Vieh sollten jedoch aufpassen und die Phosphor- und Kaliumwerte regelmäßig überprüfen. Kompost aus Grüngut, vor der Saat ausgebracht, kann z. B. eine Alternative zu organischem Dünger darstellen.


Reduzierung von Krankheiten und Schädlingen

Da die Leguminose der wichtigere Part in der Mischung ist, müssen sich alle Maßnahmen zur Vermeidung von Schädlingen und Krankheiten nach ihr ausrichten. Die wichtigste Maßnahme ist das Einhalten der für die jeweilige Leguminose gültigen mehrjährigen Anbaupause. Ein zu häufiger Anbau auf derselben Fläche – und da spielt es keine Rolle, ob dieser in Gemengen oder in Reinkultur erfolgt – zieht zwangsläufig einen Anstieg bodenbürtiger Schaderreger (meist Pilze) nach sich. Pilze wie Phoma, Fusarium, Mycosharella und Aphanamyces werden durch die meisten Schmetterlingsblütler vermehrt, der wirtschaftliche Schaden durch die dann eintretende „Leguminosenmüdigkeit“ ist jedoch bei der Körnererbse am größten. In Erbsenfruchtfolgen sollte daher maximal alle 7 Jahre eine Leguminose auf der Fläche stehen, bei Ackerbohnen rät man zu 6 Jahren. Je länger, desto sicherer!



Fuß- und Welkekrankheiten (z. B. Fusarium spp., Rhizoctonia spp., Ascochyta spp. Pythium spp. u. a.)

Die Erreger dieser Krankheitsgruppe werden weniger über das Saatgut als vielmehr über Pflanzenreste und den Boden übertragen und können bis zu 10 Jahre im Boden überdauern.

Vorbeugende Maßnahmen sind:

  • Verwendung von zertifiziertem Saatgut
  • Einhaltung von Anbaupausen; bei bestehendem Krankheitsdruck 10 Jahre
  • Ernterückstände sollten oberflächlich eingearbeitet werden, damit sie schneller verrotten.

Schädlinge

Die wichtigsten Schädlinge sind die Schwarze Bohnenlaus, der Blattrandkäfer und der Ackerbohnenkäfer. Im Gegensatz zum Getreide spielen Insekten im Leguminosenanbau als Überträger von Krankheiten keine nennenswerte Rolle. Hier ist es tatsächlich die Fraß- und Saugtätigkeit, die für den größten wirtschaftlichen Schaden verantwortlich ist.

Drusch von Gemengen

Hafer/Ackerbohen-Gemenge, Drusch. Bild Boenisch
Hafer/Ackerbohen-Gemenge, Drusch. Bild Boenisch
Auch hier richtet sich alles nach der Abreife der Leguminose. Körnererbsen sollten gelb sein, bei den Ackerbohnen sind die Hülsen schwarz und dürr. Für beide Kulturen gilt, dass sich die Bohnen bzw. Erbsen mit dem Fingernagel nicht mehr einritzen lassen.  Grundsätzlich wird der Drescher für den Drusch der Leguminose eingestellt, das Getreide gilt als Nebenprodukt. Im Zweifelsfall lohnt es sich, das Getreide vor der optimalen Reife zu dreschen, wenn man dafür die Leguminose sauber und ohne Schaden vom Feld bekommt. Denn gebrochene Erbsen bzw. Bohnen werden beim Verkauf nur zum Getreidepreis abgerechnet. Anders kann die Rechnung natürlich bei Verfütterung auf dem Betrieb als Mischung aussehen.

Wenn in Hafer-Ackerbohnenmischungen der Hafer deutlich früher reif wird als die Bohne, sollte man jedoch nicht auf den optimalen Reifezeitpunkt der Bohne warten, weil ansonsten die Qualität des Hafers zunichtegemacht wird.


Folgende Regeln für die Dreschereinstellung sollten bei der Ernte von Leguminosen/Getreidemischungen beachtet werden:

  1. Haspel zurückhaltend einsetzen
  2. Ährenheber
  3. tiefe Trommeldrehzahl einstellen
  4. Dreschkorb weit öffnen
  5. Entgrannerleisten öffnen
  6. Siebe an die Leguminose anpassen
  7. Windstärke geringer als beim Drusch eines Leguminosen-Reinbestandes (Getreide bleibt zurück, Spelzen und Schoten werden ausgeblasen) einstellen Bei Erbsen-Gersten-Gemengen zusätzlich beachten: 8. Vario-Tisch nach hinten stellen (Messerbalken nahe an der Einzugsschnecke)
  8. aggressiven Schnittwinkel einstellen (Ährenheberspitzen nach unten)

Schlussfolgerung

Gemenge von Leguminosen mit Getreide sind eine interessante Anbauform – sowohl im konventionellen als auch im biologischen Anbau. Man muss sich allerdings darauf einstellen, die für seine betrieblichen Gegebenheiten optimale Strategie zunächst herauszufinden. Die Praxis hat gezeigt, dass die größte Wirtschaftlichkeit der Erbsen- bzw. Ackerbohnen/Getreidegemenge in der eigenen Verwertung als Futtermittel liegt. Da die Relationen der Mischungspartner schwer abzuschätzen sind, sollten aber unbedingt für eine Optimierung der Rationsgestaltung Analysen durchgeführt werden. Auch im konventionellen Bereich kann diese Form der Futterproduktion äußerst interessant sein.

Text: apl. Prof. Dr. Christel Baum
Universität Rostock
Tel. 0381-4983100
christel.baum@uni-rostock.de
Bilder: Baum,  Boenisch


Stand: 27.07.2023