Aktuelle Ausgabe 03/2022

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Immer häufiger wird Sommerbraugerste schon im Herbst ausgesät, um zum Beispiel Winterfeuchtigkeit besser zu nutzen, die Ertragsleistung zu steigern und gleichzeitig die besseren Marktpreise für Sommerbraugersten „mitzunehmen“. Dieses Verfahren birgt auch Risiken, weshalb die Länderdienststellen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt diese Thematik frü

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Pro Herbstaussaat

Es gibt einen regionalen Trend, Sommerbraugerstensorten im Herbst zu bestellen. Und dies, obwohl gute Winterbraugerstensorten zur Verfügung stehen.

Da spricht für eine Herbstaussaat:

  • Sommerbraugerste wird besser nachgefragt und in der Regel besser bezahlt.
  • Die Herbstaussaat als Option zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen sein: längere Vegetationszeit, bessere Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit, früherer Beginn der Kornfüllungsphase und damit weniger starker Einfluss von Trocken- und Hitzephasen im Sommer.

Contra Herbstaussaat

Das spricht gegen eine Herbstaussaat von Sommergerste:

  • Einschränkungen bei der Ungrasbekämpfung speziell in Regionen mit starkem Auftreten von Ackerfuchsschwanz (zeitlich kürzerer Spielraum als bei Frühjahrsbestellungen)
  • grundsätzlich höherer Krankheitsdruck (Rhynchosporium)
  • Risiko von Auswinterungsschäden

Aufgrund vielversprechender Eindrücke und zunehmender Anfragen aus der Praxis werden von den Länderdienststellen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt seit der Herbstaussaat 2020 (Erntejahr 2021) in einer Serie mit randomisierten Versuchen belastbare Ergebnisse für diese Fragestellung erarbeitet.


Erste Versuchsergebnisse

Überwinterungsfähigkeit: In der Kälteperiode in der ersten Februarhälfte 2021 mit Tiefsttemperaturen bis zu minus 20 °C schützte eine ausreichend hohe Schneebedeckung die Pflanzen an allen Versuchsorten vor Auswinterungsschäden. Ohne Schneeauflage wäre vermutlich eine Neuansaat der Sommerbraugerste notwendig geworden. Erste Erkenntnisse aus Provokationsversuchen zur Winterfestigkeit (Weihenstephaner Kastenmethode) deuten darauf hin, dass alle hier geprüften Sommerbraugerstensorten in dieser Hinsicht deutlich empfindlicher reagieren als die zweizeilige Winterbraugerstensorte KWS Somerset.

Rhynchosporium trat in der extensiven Prüfstufe (ohne Fungizid- und ohne Wachstumsreglerbehandlung) in der Herbstaussaat an allen Versuchsorten auf und war 2021 die dominierende Krankheit. In der Frühjahrsaussaat spielte Rhynchosporium in diesem Jahr dagegen nahezu keine Rolle.

Pflanzenlänge: Bei der Herbstaussaat fand aufgrund der längeren Vegetationszeit im Vergleich zur Frühjahrsaussaat an allen Versuchsorten ein stärkeres Längenwachstum der Sommerbraugerste statt.

Ertrag: Im Erntejahr 2021 wurden mit der Herbstaussaat an allen Versuchsorten höhere Kornerträge erzielt.

Qualität: Der Rohproteingehalt lag 2021 im Durchschnitt in der Herbstaussaat (11,2 %) unter dem der Frühjahrsaussaat (11,7 %), allerdings mit Standortunterschieden. Der Vollgersteanteil in der Frühjahrsaussaat betrug durchschnittlich 93,2 % und in der Herbstaussaat 80,2 %. Ähnlich verhielt es sich beim Hektolitergewicht mit 66,7 kg/hl in der Frühjahrsaussaat und 63,8 kg/hl in der Herbstaussaat. Dabei waren die Unterschiede der geprüften Sorten in der Herbstaussaat größer als in der Frühjahrsaussaat.

Es handelt sich um einjährige, ausschließlich von den Anbaubedingungen des Jahres 2020/2021 beeinflusste Versuchsergebnisse. Sowohl für die Bewertung des Anbauverfahrens als auch für die Eignung der Sorten sind deshalb weitere Prüfjahre zwingend erforderlich.


Stand: 27.06.2022