Aktuelle Ausgabe 03/2022

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Vor 20 Jahren befürchtete man eine Vermehrung von aggressiven Kohlhernie-(KH)-Rassen und bestellte die betroffenen Flächen daher mit KH-resistenten Sorten. Alle beruhten auf der rassenspezifischen KH-Resistenz der Sorte Mendel. Flankiert wurde diese Strategie mit einschränkenden Anbaumaßnahmen, um die Resistenz zu schützen. Doch es sind trotzdem neue aggressive Rassen beobachtet worden. Eine erweiterte Resistenz schafft hier neue Perspektiven, wie Andreas Baer vom Rapool-Ring berichtet.

Bisher: strenge Anbaumaßnahmen als Resistenzschutz

Auf KH-Standorten gab es bisher nur die Möglichkeit, resistente Rapssorten anzubauen, die oft auf befallsfreien Standorten ein geringeres Ertragspotenzial hatten als Sorten ohne diesen Schutz. Bisher wurde aufgrund der ungewissen „Haltbarkeit“ der „MENDEL“-Resistenz empfohlen, eine strenge Ackerhygiene beim Ausfallraps einzuhalten und auf Frühsaaten zu verzichten, weil Temperaturen über 20 °C und Feuchtigkeit ideale Infektionsbedingungen sind. Trotz dieser Maßnahmen sind regional aggressive Rassen bekannt geworden, die die „MENDEL“-Resistenz umgehen können. Für diese Standorte wurde die erweiterte KH-Resistenz CRE1 in der Neuzulassung Creed1 entwickelt. Diese erweiterte Resistenz wirkt zwar nicht gegen alle KH-Rassen, weil das natürliche Erregerspektrum sehr breit ist. Dennoch bietet die erweiterte Resistenz ca. 20 % mehr Sicherheit auf beprobten Flächen in Norddeutschland mit KH-Rassen (Boje, 2020).

Verbreitung der Plasmodiophora-Pathotypen in Deutschland

Verbreitung der Plasmodiophora-Pathotypen in Deutschland


Perspektive: Frühsaaten wieder ins Auge fassen

Durch weitere Fruchtfolgen mit Rapsanbaupausen von 3 bis 4 Jahren und durch den Klimawandel trockenere Bedingungen im Herbst verringert sich zwar das KH-Infektionspotenzial, bei Frühsaaten ist es aber nach wie vor hoch. Andererseits sind früh gesäte Bestände widerstandsfähiger gegen Erdfloh und gehen robuster durch den Winter. Sorten mit der erweiterten KH-Resistenz CRE1 können also mehr Anbauspielraum schaffen, weil sie das Infektionsrisiko deutlich senken.

Sie werden daher empfohlen auf Flächen:

A: mit langjähriger KH-Historie und engen Raps-Fruchtfolgen

B: auf KH-Befallsflächen bei etwas früherer Saat


Wenn z. B. aufgrund der Witterung keine Spätsaat möglich scheint, ist es bei früher Saat überlegenswert, auf bereits „gefährdeten“ Flächen statt einer konventionellen Sorte eine mit „MENDEL“-Resistenz oder erweiterter Resistenz zu wählen. Diese Sicherheitsstrategie sollte aber nicht zur Regel werden.

Diese Anbau-Lockerung kann auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass in den kommenden Jahren weitere Sorten mit der erweiterten KH-Resistenz CRE1 zu erwarten sind und sich zudem zusätzliche Resistenzen und Lösungsansätze aus dem biologischen und klassischen Pflanzenschutz ankündigen. Ob und wann Letztere für die Landwirtschaft verfügbar sind, ist noch offen. Daher bleiben Sortenresistenzen und klassische pflanzenbauliche Elemente das A und O in der Kohlherniestrategie.

Foto: Rapool

1 Die verbreitetsten KH-Rassen werden beim JKI Braunschweig mit den Pathotypen P1, P1(+) und P3 bezeichnet. Die „MENDEL“-Resistenz wirkt rassenspezifisch gegen P1 und P3, aber nicht gegen P1(+). CREED ist vom JKI gegen P1, P3 und P1(+) resistent eingestuft worden.

Stand: 27.04.2022