Aktuelle Ausgabe 04/2021

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Der Gesetzgeber will einige Grenzwerte für z. B. die von Fusariumpilzen gebildeten Mycotoxine T2/HAT.2-Toxin und Deoxynivalenol (DON) in Rohwaren und Lebensmitteln herabsetzen. Das hat Folgen für die landwirtschaftliche Produktion und die Verarbeitung von Getreide. praxisnah diskutierte mit Ulf Müller, dem Leiter für Qualitätsmanagement und Anwendungstechnik bei GoodMills Deutschland GmbH.

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Hier die Eckdaten des Gesprächs in einer kurzen Übersicht:

  • Grenzwerte von z. B. DON oder Ochratoxin A werden erheblich abgesenkt, für einige Produktgruppen gibt es neue Grenzwerte, wo vorher noch keine waren.
  • Dies geschieht aufgrund neuer medizinischer Erkenntnisse über die Auswirkungen der Gesundheit von Mensch und Tier.
  • Aus Mühlensicht sind besonders Roggen und Weizen betroffen, wobei bei Weizen – besonders Sommerweizen – auch zunehmend Mutterkorn ins Gespräch kommt.
  • Jedes Jahr zeigen sich hinsichtlich der Befallsstärke von Partien regionale Unterschiede.
  • Verbraucherschutz fängt schon auf dem Feld an und setzt sich über die gesamte Lebensmittelkette fort. Über Ackerhygiene - weniger Erntereste, weniger Unkräuter bedeuten ein geringeres Infektionsrisiko – lässt sich das Risiko der Lebensmittelkontamination schon deutlich senken. Bei der Erzeugung von Qualitätsgetreide sollten zudem gesunde Sorten ausgewählt werden.
  • Auch die aufnehmende Hand und die Verarbeitung können die Belastungen noch einmal deutlich senken:
    - Zum Beispiel durch das Abscheiden von Getreidestäuben, die eine Schadstoffsenke sind. Wenn man den Staub vom Grobgetreide entfernt, hat das einen enormen Einfluss auf den Schadstoffgehalt der Getreidepartie.
  • Besondere Schwierigkeiten macht den Verarbeitern die Differenz zulässiger Höchstgehalte zwischen Rohware und Mehl. Da dieses Ausmaß an Reduktion müllereitechnisch nur mit ganz erheblichen Verlusten vom Korn zu realisieren wäre, ist es meist wirtschaftlicher und sicherer, weniger belastete Rohware einzukaufen.
  • Das Vorerntemonitoring erlangt einen immer höheren Stellenwert, wie auch Absprachen von Landwirtschaft und Verarbeitung hinsichtlich Sortenwahl.
  • Einige politische Forderungen wie „Farm to Fork“, Ackerrandstreifen, Pflanzenschutzmittelreduktionen, sind zwar aus Umweltschutzgründen zu begrüßen, oft aber mit Blick auf die Getreidequalität kontraproduktiv. Problematisch werden hier zunehmend Kreuzkontaminationen mit allergenen oder giftigen Pflanzen (Bsp. Senf, Stechapfel): Die politischen Forderungen sollen die Natur und damit auch den Menschen besser schützen, aber sie fördern u. a. das Vorkommen von Allergenen. Bei ca. 6 Millionen Menschen, die gegen Lebensmittel allergisch sind, ist das eine wirkliche Herausforderung.

Das Fazit von Ulf Müller: Wir werden für diese verschärfte Situation Lösungen finden, weil wir es müssen! Mehl ist ein Grundnahrungsmittel, das wir in hoher Qualität zur Verfügung stellen. Verbraucherschutz ist ein hohes Gut und erfordert ein Ineinandergreifen von qualitätssichernden Maßnahmen in der gesamten Produktionskette – vom Feld an bis ins Regal.


Stand: 05.07.2021