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Aktuelle Ausgabe 02/2024

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Neue Rapsbeizung für sichere Herbstentwicklung

Saatgutbehandlungen im Raps haben das primäre Ziel, den Feldaufgang zu sichern, sodass sich die jungen Rapspflanzen in einem gesunden und kräftigen Feldbestand etablieren können. Malte Grohall (RAPOOL-Ring, Bild) und Simon Goertz (NPZ Innovation) geben einen Überblick über aktuelle Beizausstattungen im Raps.

Fungizide Wirkstoffe sollen vor pilzlichen Auflaufkrankheiten schützen, die vor allem durch unterschiedlich virulente Isolate von Rhizoctonia solani und Alternaria sp. ausgelöst werden. Die Symptome dieser Pathogene sind besonders schwer zu identifizieren, da sie den jungen Keimling bereits in der Saatkrume befallen und abtöten können.

Nach dem Auflaufen der jungen Rapspflanzen schützen die systemischen Wirkstoffe den Spross und die Keimblätter vor Infektionen mit Falschem Mehltau (Peronospora parasitica) und Phoma (Leptosphaeria maculans). So zahlt sich ein guter Beizschutz besonders unter fordernden Aussaatbedingungen mit Stroh- und Stoppelresten, nass-kaltem Wetter und weiteren Stressfaktoren wie z. B. Schneckenfraß und Schädlingsbefall aus. Insektizide Beizmittel können in Abhängigkeit des Befallsdruck den Raps vor frühem Blattfraß durch verschiedene Erdfloh-Arten oder unterirdisch vor schweren Wurzelschäden durch die Larven der Kohlfliege bewahren.


1. Neue Basisfungizide für die Standardbeizung: Über die Zulassung in einigen EU-Ländern ist das Produkt Scenic™ Gold mit den Wirkstoffen Fluopicolide und Fluoxastrobin verfügbar und damit auch für die Aussaat in Deutschland erlaubt. Das Produkt Vibrance™ OSR war zur letzten Rapsaussaat mit einer befristeten Zulassung für Notfallsituationen nach Artikel 53 versehen und beinhaltet die Wirkstoffe Fludioxonil, Metalaxyl-M und Sedaxane. Diese beiden neuen Beizprodukte sind erneut die Standardkomponenten des Beizprogrammes von RAPOOL, wenn 2021 eine erneute Notfallzulassung für Vibrance™ OSR erteilt wird.

2. Biologisch aktive WurzelPlus Komponente: Zusätzlich zu den chemischen Wirkstoffen in Scenic™ Gold oder Vibrance™ OSR ist ein Bacillus atrophaeus-Stamm sowohl in der Standard- als auch in der Premiumbeizung als „WurzelPlus“-Komponente enthalten. Durch die aktive Besiedelung der Wurzeloberfläche hilft der Bacillus beim Nährstoffaufschluss speziell bei kühleren Aussaat- und Auflaufbedingungen. Von der Aussaat an verschafft er dem jungen Raps einen Wachstumsvorsprung. Im Ergebnis sind die höheren Wurzel- und Sprossgewichte auch messbar (s. Abb.  1).

3. Insektizide Premiumbeizung: Seit Dezember 2020 ist das Produkt Lumiposa® (Cyantraniliprole) gegen die Kleine Kohlfliege, Rübesenblattwespe und den Rapserdfloh in Deutschland zugelassen.


Höhere Wurzel- und Sprossgewichte von Rapspfl anzen* mit WurzelPlus Bacillus

Höhere Wurzel- und Sprossgewichte von Rapspfl anzen* mit WurzelPlus Bacillus


Insektizider Beizschutz mit drei Vorteilen:

In eigenen Praxisbeizversuchen wurden 7-jährige Erfahrungen durch umfangreiche Herbstbonituren gesammelt. Die Arbeitsgruppe von Dr. Bernd Ulber am Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Universität Göttingen hat an 52 Standorten über fünf Jahre jeweils zur einsetzenden Vegetationsruhe insgesamt 9.500 Rapswurzeln bonitiert. Diese Untersuchungen belegten eine rund 60-prozentige Reduzierung des Wurzel-Starkbefalls durch die Maden der Kleinen Kohlfliege (s. Abb. 2).


Premiumbeizung: kräftigerer Wuchs mit Blatt- u. Wurzelschutz

Premiumbeizung: kräftigerer Wuchs mit Blatt- u. Wurzelschutz


Mit Premium-Beizschutz sind wieder frühere Rapsaussaaten möglich.

Kohlfliegen können auf warmen Standorten die Rapsbestände oft schon ab Mitte August befallen. Rapswurzeln mit dem Premium-Beizschutz sind in der Lage, auch noch nach einem Kohlfliegenlarvenbefall zu vernarben und zu regenerieren. So kann die Staffelung der Rapsaussaat bereits ab Mitte August erfolgen, um beispielsweise punkt-genau eine knappe Bodenfeuchte auszunutzen und möglichst starke Bestände mit einem gewissen Stresspuffer zu etablieren.


Mehr Blattmasse: aktiver Schutz gegen Rapserdfloh

Zwei von drei Lumiposa®-Beständen zeigen im direkten Vergleich zur Fungizidkontrolle einen Wuchsvorteil. Parameter wie das Einzelpflanzengewicht, der Wurzelhalsdurchmesser, die Frischmassebestimmung per App oder optische Boniturnoten von insgesamt über 10.000 Pflanzen belegen die höhere Biomasse im Herbst (s. Tabelle 1). Da eine Blattfraßreduktion der Rapserdflöhe mit der Premium-Beizung auf ein frühes Stadium bis zum zweiten Laubblatt begrenzt ist, ist dieser Stresspuffer aus mehr Biomasse der pflanzenbaulich noch wertvollere Effekt des Wirkstoffes Cyantraniliprole.


Wachstumsvorteil als Stresspuffer

Ein Beleg für diesen Stresspuffer lieferte nach der widrigen Aussaat 2019 ein Exaktversuch in der Nähe von Rostock (s. Abb. 3). Nachdem Starkregen das vorbereitete Saatbett Ende August für mehrere Tage unbefahrbar machte, erfolgte die Aussaat am 3. September in ein nasses und kaltes Saatbett. Ab Mitte September setzte zusätzlich ein massiver Rapserdflohdruck ein, welcher besonders das Wachstum kleiner und verzettelt auflaufender Pflanzen gebremst hat. Genau unter solchen Bedingungen hat sich ein Wachstumsvorteil ausgezahlt!


Stresspuff er mit Lumiposa® bei schwierigen Herbstbedingungen

Stresspuff er mit Lumiposa® bei schwierigen Herbstbedingungen


Wuchsvorteil (rel.) durch Cyantraniliprole

Wuchsvorteil (rel.) durch Cyantraniliprole

 


Fazit

Die Kombination aus insektizidem und fungizidem Wirkstoff plus WurzelPlus Bacillus kann unter bestimmten Bedingungen Wachstums- und Ertragsvorteile bringen:

  1. Bei Frühsaaten: Diese können vor allem in Roten Gebieten zur maximalen zeitlichen Ausnutzung der Nährstoffe der Vorfrucht vor Winter sinnvoll sein.
  2. Bei Spätsaaten: Der Wuchsvorsprung im Herbst führt zu vitaleren Pflanzen.
  3. Bei geringer Saatstärke (z. B. Einzelkornsaat): Absicherung gegen Fraßschäden durch Kohlfliegenlarven oder frühem Rapserdflohbefall
  4. Allgemein in Befalls- oder Trockenregionen: Hier sind starke, gut mit Nährstoffen versorgte Einzelpflanzen der beste „Stresspuffer“. Die Nährstoffe wurden bereits im Herbst aufgenommen und im Wurzelhals gespeichert – das gibt in einem trockenen Frühjahr zusätzliche Sicherheit.
Stand: 06.05.2021