Aktuelle Ausgabe 04/2019

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Hafer steht als ein sehr gut verträgliches Pferde-Kraftfutter in langer Tradition. Doch so mancher Reiter fürchtet, dass der Hafer sein Pferd „übermotiviert“. Aber was steckt wirklich im Hafer und was passiert bei Haferfütterung im Pferd? Antworten geben Praktiker Otfried Lengwenat aus Sehnde und die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Annette Zeyner, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Hafer in der Praxis: Heu ist die Basis der Fütterung, ausreichende Menge und gute Qualität sind Voraussetzung. Wenigstens der Erhaltungsbedarf an Energie sollte über Heu bzw. andere Grobfuttermittel gedeckt werden.

Der Häcksel eignet sich sehr gut, um die Fresszeit zu verlängern. Er besteht häufig aus Stroh, Heu oder Luzerne mit einer Schnittlänge von 5 cm.

Hafer ist ein energiereiches Kraftfutter. Die Spelzenfarbe hat dabei keinen Einfluss auf die Inhaltsstoffe wohl aber die Hafersorte. Wichtig ist vor allen Dingen aber, dass der Hafer bei Fütterung eine gute Qualität hat, nicht feucht ist und nicht schimmelt o.ä.

Ein Beispiel für eine Tagesrationsgestaltung für ein 600 kg-Pferd mit leichter Arbeit:

10,5 – 14 kg Wiesenheu bei 860 g TM

(je nach Energie gehalt) + 0,5 – 1 kg Hafer
 

Die Ration muss im Mineralstoffgehalt vor allem im Spurenelementbereich und bei Vitaminen ausgeglichen werden.


Hafer in der Wissenschaft:

Die sehr gute Verträglichkeit von Hafer für Pferde ist nicht unwesentlich der vorzüglichen Dünndarmverdaulichkeit der Stärke geschuldet. Bei der Fütterung von Hafer ist im Vergleich zu anderen Getreidearten oder Mais das Risiko geringer, dass Stärke in größeren Mengen in den Dickdarm gelangt und die dort beheimateten Mikroorganismen negativ beeinflusst.

Ein beachtlicher Teil der Stärke kann bereits im Pferdemagen durch Mikroorganismen abgebaut werden. Besonders der vordere Teil des Magens ist ähnlich wie der Pansen von Wiederkäuern mikrobiell besiedelt. Hier werden Abbauprozesse eingeleitet. Allerdings produzieren diese Mikroorganismen bei einem Zuviel an Zucker und Stärke ein Übermaß an organischen Säuren, welche die Magenschleimhaut schädigen können. Auch steht die im Magen fermentierte Stärke dem Pferd im Dünndarm nicht mehr zur Spaltung in Glukose und deren Absorption zur Verfügung. Aber bei Haferfüttrung kommt noch ausreichend viel Stärke im Dünndarm an – Haferstärke liefert besonders viel Glucose.

Es ist auch erwiesen: Es gibt deutliche Unterschiede sowohl zwischen Getreidearten als auch innerhalb der Getreideart Hafer zwischen einzelnen Sorten bei insgesamt sehr hohem Niveau der Plasmaglukose nach der Fütterung.

Wissenschaftliche Untersuchen haben ebenfalls gezeigt, dass in dem Spruch „Hafer sticht“ durchaus etwas Wahres steckt. Denn Hafer beeinflusst in etwas anderer Art und Weise als z.B. Gerste den Insulinhaushalt der Pferde und über Zwischenschritte auch den Tryptophantransport und so die Bildung von Serotonin. Damit ist ein besonderer Einfluss der Fütterung von Hafer auf das Verhalten von Pferden denkbar.

 

 


Stand: 17.10.2019