Aktuelle Ausgabe 02/2017

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Leguminosen

Ausreichender Schutz für sichere Erträge

Auf vielen Standorten ist der Leguminosenanbau – auf die gesamte Fruchtfolge betrachtet – hochwirtschaftlich. Beim Anbau von Leguminosen sollte man sich rechtzeitig vor der Aussaat mit allen Fragen des Pflanzenschutzes beschäftigen, da die Auswahl an Pflanzenschutzmitteln begrenzt ist.

Pflanzenschutzmaßnahmen rechtzeitig vor der Aussaat bedenken.
Pflanzenschutzmaßnahmen rechtzeitig vor der Aussaat bedenken.

Unkraut- und UngrasbekämpfungUnkraut- und Ungrasbekämpfung

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung und der geringen Konkurrenzkraft kann auf eine Unkrautbekämpfung meist nicht verzichtet werden. Zudem kann Unkrautdurchwuchs erhebliche Probleme bei der Ernte bereiten und zu Fremdbesatz und Erhöhung der Erntefeuchtigkeit führen. Eine mechanische Unkrautbekämpfung ist nur unter trockenen Bedingungen möglich, vor allem in Ackerbohnen.

Gegen breitblättrige Unkräuter steht im Nachauflauf in Ackerbohnen nur Basagran® zur Verfügung. Somit kommt dem Vorauflauf eine relativ große Bedeutung zu.

Wichtig ist, dass aus Verträglichkeitsgründen in Ackerbohnen die Bodenherbizide 5 bis 7 Tage nach der Saat ausgebracht sein müssen, um Schäden zu vermeiden. Die Aufwandmengen sind flexibel den Standortgegebenheiten und der Verunkrautung anzupassen.
Generell besteht die Möglichkeit, bereits nach der Saat, aber vor dem Auflaufen (bis max. 5 Tage nach der Saat), ein Glyphosatpräparat, wie z. B . Round up® Ultra Max, Glyphos® Supreme, Dominator 480DF, gegen vorhandene Altverunkrautung bzw. gegen erste aufgelaufene Unkräuter einzusetzen. Diese Maßnahme ist gut kombinierbar mit den Vorauflaufherbiziden.

Aufgrund der Wirkungslücken, besonders gegen Knöteriche, empfiehlt sich Basagran® solo nur nach Vorlage im Nachauflauf. Aus Verträglichkeitsgründen sollte das Mittel in Ackerbohnen ausschließlich im Splitting angewendet werden. Auflagen bei Basagran® sind zu beachten (s. Tab. 1).

Des Weiteren ist Stomp® Aqua in Ackerbohnen nur im Vorauflauf erlaubt, da es insgesamt verträglicher ist. Um Wirkungslücken zu schließen sind Tankmischungen mit Boxer® oder Centium 36® CS zu bevorzugen. Die Tankmischung Centium 36® CS 0,2 l/ha + Bandur® 2,5–3,0 l/ha ist vor allem bei Windenknöterich, Amarant und Nachtschatten vorteilhaft. Bei Centium 36® CS sollten die strengen Anwendungsauflagen beachtet werden. Die Anwendung in der Saatgutvermehrung ist nicht erlaubt. Bandur® kann auch gut solo eingesetzt werden, z. B . gegen Ausfallraps. Einzelheiten zu den Präparaten sind der Tabelle 1 zu entnehmen.

Das Auftreten von Ungräsern ist meist nachrangig. Bei starkem Auftreten stehen aber verschiedene Gräserherbizide zur Verfügung. In Ackerbohnen können mehrere Präparate, inklusive der Mittel gegen Quecke, eingesetzt werden. Tritt Einjährige Rispe auf, ist Select 240 EC anzuwenden.

Präparate und Tankmischungen, zum Vergrößern bitte anklicken
Präparate und Tankmischungen, zum Vergrößern bitte anklicken
Bekämpfung von Schädlingen
Leguminosen sind während der gesamten Vegetation durch verschiedene Schädlinge gefährdet. Um deren Auftreten auf niedrigem Niveau zu halten, sollten Anbauabstände von 4–6 Jahren eingehalten werden. Als Insektizide gegen Blattläuse sind vier verschiedene Pyrethroide mit dem Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin (Karate® Zeon, Trafo® WG, Shock Down und Kaiso® Sorbie) zugelassen sowie das altbekannte Pirimor® Granulat (Zulassung endete am 31.12.2014, Aufbrauchfrist bis zum 30.06.2016, Wiederzulassung beantragt). Ein nachhaltiger Wirkstoffwechsel ist somit nur bedingt möglich. Da alle Insektizide in Leguminosen keine systemische Wirkung besitzen, ist auf eine gute Benetzung und ausreichende Wassermenge zu achten.

Schädlinge
Während der Auflaufphase kommt es immer wieder zu Fraßschäden durch den Blattrandkäfer. Typisch ist der „Buchtenfraß“ des Käfers an den Blatträndern. Bedeutender als der Blattfraß der Käfer ist aber meist der Larvenbefall an den Wurzelknöllchen im Boden, der zu Stickstoffmangel und im Folgenden zu Wachstumsverzögerungen führen kann. Da die Larven im Boden nicht bekämpft werden können, muss die Bekämpfungsentscheidung bereits während des Käferauftretens getroffen werden. Ein bekämpfungswürdiges Ausmaß wird aber nur sehr selten erreicht, sodass Behandlungen gegen den Blattrandkäfer die Ausnahme sind. Als Präparate stehen verschiedene Pyrethroide zur Verfügung.

Schwarze Bohnenlaus
Schwarze Bohnenlaus
Wesentlich bedeutender ist das jährliche Auftreten von Blattläusen. Ackerbohnen werden durch die Schwarze Bohnenlaus befallen, die massive Wachstumsdepressionen verursachen kann. Kontrollen der letzten Jahre zeigten, dass nahezu alle Ackerbohnenschläge durch Blattläuse befallen werden. Die Befallsstärke ist aber stark von der jeweiligen Jahreswitterung und der Entwicklung der Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegen u. a. abhängig. Häufig sind bereits Mitte Mai erste Blattläuse in den Ackerbohnenbeständen zu finden, die sich schnell zu starken Kolonien entwickeln können. Meist treten nur alle 3 bis 4 Jahre Kolonien auf, die auch zu ertragsbeeinflussender Schädigung führen. Bauen sich relativ schnell Nützlingspopulationen auf und folgt eine kühlere Witterungsperiode, treten kaum Schäden auf.

Zur Blattlausbekämpfung in Ackerbohnen sind das nützlingsschonende und sehr gut wirkende Pirimor® Granulat 300 g/ha sowie verschiedene Pyrethroide zugelassen. Vorteilhaft wirkt sich die Dampfphase von Pirimor® Granulat aus, weil dadurch auch die versteckt sitzenden Läuse gut erfasst werden. Auch eine Tankmischung aus Pyrethroid und Pirimor® ist möglich.

Der Ackerbohnenkäfer ist eher ein Schädling der Saatgutproduktion als des Konsumanbaus. Der Käfer ernährt sich von Pollen, während die Larven Lochfraß an den Samen verursachen. Bei mäßigem Befall ist die Keimfähigkeit des Saatgutes jedoch kaum beeinträchtigt. Die Käfer verpuppen sich in den Samen und überwintern am Feldrand oder im Kornlager, zählen aber nicht als Vorratsschädling.

Ein versierter Blattlausjäger: der Marienkäfer
Ein versierter Blattlausjäger: der Marienkäfer
Tab. 2: Präparate zur Bekämpfung von Schädlingen in Leguminosen; zur besseren Ansicht bitte anklicken
Tab. 2: Präparate zur Bekämpfung von Schädlingen in Leguminosen; zur besseren Ansicht bitte anklicken
Die Bekämpfung ist nicht einfach und richtet sich mit zugelassenen Mitteln wie Karate® Zeon oder Trafo® WG ausschließlich gegen den Käfer. Die Larve ist so geschützt, dass keine Insektizidmaßnahme sie erreicht. Englische und französische Untersuchungen haben ergeben, dass der ideale Bekämpfungszeitpunkt zur Blüte während einer Warmwetterphase mit Temperaturen über 20 °C ist, wenn die untersten Hülsen mindestens 2 cm groß sind. Ein zweiter Behandlungstermin erfolgt 7–10 Tage später. Die zugelassenen Präparate zur Bekämpfung von Schädlingen sind in der Tabelle 2 dargestellt.

Pilzkrankheiten
Zu Beginn der Pflanzenentwicklung können unter ungünstigen Umständen wie Nässe, Kälte sowie verdichtetem Boden Auflauf- und Fußkrankheiten Schäden hervorrufen. Zu ihnen gehören verschiedene nicht auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisierte Erreger, wie z. B . Fusarium spp., Rhizoctonia spp., Phytium spp. Hilfreich ist eine Aussaat in einem abgetrockneten lockeren Saatbett ohne Verdichtungen. Besonders bei pflugloser Bestellung ist eine ausreichend tiefe Lockerung und Drainierung wichtig. Gegen Auflaufkrankheiten wird TMTD® (Thiram) als Beizung angeboten.

Schokoladenfleckenkrankheit
Schokoladenfleckenkrankheit
Die Schokoladenfleckenkrankheit (Botrytis fabae) kann sich besonders bei feuchter-warmer Witterung ab der Blüte gut entwickeln. Die Krankheit beginnt mit kleinen schokoladenfarbigen, runden Flecken unregelmäßig verstreut auf den untersten Blättern. Diese Flecken sind meist scharf durch einen rötlichen Rand abgegrenzt. Bei starkem fortgeschrittenem Befall werden die Flecken größer, laufen zusammen und verfärben sich schwarz bis gräulich. Nachfolgend sterben die Blätter ab. Ebenso ist ein Stängel- und Hülsenbefall möglich. Am empfindlichsten sind Bestände, die schwer abtrocknen können. Zu empfehlen ist eine Maßnahme (spätestens) zu Mitte Blüte/beginnender Hülsenentwicklung. Bei Befall können Folicur® (1,0 l/ha), Ortiva® (1,0 l/ha) bzw. eine Mischung aus Ortiva® + Folicur® (0,5 l/ha + 0,5 l/ha) zum Einsatz kommen, die gleichzeitig den Ackerbohnenrost mit erfassen.

Ackerbohnenrost tritt besonders in den wärmeren Gebieten Süd- und Mitteldeutschlands auf. Meist gegen Ende der Blüte sind auf den Blättern hellbraune Rostpusteln zu finden. Eine Behandlung zur Mitte der Blüte kann einen Befall mindern.

Brennfleckenkrankheit
Brennfleckenkrankheit
Die Brennfleckenkrankeit (Ascochyta) ist dank Saatguthygiene kein weitverbreiteter Schaderreger. Der Blattbefall wird durch hellbraune, eingesunkene, scharf abgegrenzte Nekrosen charakterisiert, die von einem dunklen Rand umgeben sind. Der Pilz geht durch die Hülsenwand und befällt den Samen. Anerkanntes zertifiziertes Saatgut ist weitestgehend befallsfrei, da jeweils Vermehrungsbestand und Saatgut geprüft und anerkannt werden.

Fazit
Zur Unkrautbekämpfung in Körnerleguminosen stehen nur wenige Präparate im Nachauflauf zur Verfügung. Daher sollte man sich unbedingt vor der Aussaat über den Herbizideinsatz informieren. Aus Verträglichkeitsgründen und zur Erfassung eines breiten Wirkungsspektrums sollte in Ackerbohnen eine Mischung aus verschiedenen VA-Herbiziden eingesetzt werden.

Fraßschaden des Blattrandkäfers
Fraßschaden des Blattrandkäfers
Ab dem Auflaufen der Bestände ist auf den Blattrandkäfer zu achten, dessen Larven die Knöllchenbakterien befallen. In Ackerbohnen kann es zu einer schnellen Populationsentwicklung von Blattläusen kommen. Bestände regelmäßig ab Anfang Blüte auf Besatz kontrollieren und gegebenenfalls mit Pirimor® behandeln. Im selben Zeitraum die Schokoladenfleckenkrankheit und den Rost beobachten und ebenfalls mit einem Fungizid eingrenzen.
Im Lager Erntegut auf Befall durch den Ackerbohnenkäfer kontrollieren (Lochfraß im Samen), der aus dem Feld mit eingeschleppt wurde.

Michael Lenz
Regierungspräsidium Gießen,
Pflanzenschutzdienst Hessen, Wetzlar

Stand: 29.01.2015